Der Meister (kartoniertes Buch)

Ein Rizzoli-&-Isles-Thriller, Jane Rizzoli & Maura Isles 2, Rizzoli-&-Isles-Serie 2
ISBN/EAN: 9783442362844
Sprache: Deutsch
Umfang: 412 S.
Einband: kartoniertes Buch
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Detective Jane Rizzoli wird in ein Bostoner Villenviertel gerufen, wo sie die Leiche des Arztes Richard Yeager vorfindet. Die Untersuchung ergibt, dass Gail Yeager vor den Augen ihres Mannes vergewaltigt wurde, bevor der Täter ihm die Kehle durchschnitt. Der perverse Mord erinnert Jane an den 'Chirurgen', einen psychopathischen Serienkiller, den sie ein Jahr zuvor verhaftete - nachdem sie ihm beinahe selbst zum Opfer gefallen wäre. Der 'Chirurg' sitzt im Gefängnis, aber der neue Mord trägt eindeutig seine Handschrift. Und Jane weiß, dass er noch eine Rechnung mit ihr offen hat. Ein Psychothriller der Extraklasse - brillant konstruiert, glänzend geschrieben - und Nerven zerreißend spannend!
So gekonnt wie Tess Gerritsen vereint niemand erzählerische Raffinesse mit medizinischer Detailgenauigkeit und psychologischer Glaubwürdigkeit der Figuren. Bevor sie mit dem Schreiben begann, war die Autorin selbst erfolgreiche Ärztin. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit dem Thriller Die Chirurgin, in dem Detective Jane Rizzoli erstmals ermittelt. Seither sind Tess Gerritsens Thriller um das Bostoner Ermittlerduo Rizzoli & Isles von den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Maine.
Prolog Heute habe ich einen Mann sterben sehen. Es war ein unerwartetes Ereignis, und ich staune immer noch dar?ber, dass sich dieses Drama direkt zu meinen F??n abspielte. So vieles von dem, was unserem Leben W?rze gibt, ist nicht vorhersehbar. Deshalb m?ssen wir lernen, die Schauspiele, die es f?r uns bereith?, zu genie?n, wann immer sie geboten werden, und die seltenen Momente des Nervenkitzels als Lichtblicke im sonst so monotonen Fluss der Zeit zu sch?en. Und meine Tage vergehen qu?nd langsam hier hinter diesen Mauern, wo Menschen nur Zahlen sind, wo man uns nicht nach unseren Namen oder unseren von Gott verliehenen Talenten unterscheidet, sondern nur nach der Art unserer Vergehen. Wir tragen identische Kleidung, essen die gleichen Mahlzeiten, lesen die gleichen zerfledderten B?cher von ein und demselben Bibliothekswagen. Ein Tag ist wie der andere. Und dann erinnert uns pl?tzlich ein ungew?hnlicher Vorfall daran, zu welch ?berraschenden Wendungen das Leben f?g ist. So geschehen heute, an diesem zweiten August, der zu einem wunderbar hei?n und sonnigen Tag herangereift ist, so wie ich es liebe. W?end die anderen M?er schwitzen und tr? umherschleichen wie Vieh auf der Weide, stehe ich in der Mitte des Gef?nishofs, das Gesicht zur Sonne gewandt, wie eine Eidechse, die die W?e gierig aufsaugt. Ich habe die Augen geschlossen, weshalb ich den Messerstich selbst nicht sehe; und ich sehe auch nicht, wie der Mann taumelt und hinterr?cks zu Boden f?t. Aber ich h?re das aufgeregte Stimmengewirr um mich herum und schlage die Augen auf. In einer Ecke des Hofs liegt ein Mann blutend auf der Erde. Alle anderen weichen zur?ck und setzen ihre gewohnten Masken der Gleichg?ltigkeit auf ? nichts sehen und nichts wissen ist ihr Motto. Nur ich gehe auf den Gefallenen zu. Einen Moment lang stehe ich da und blicke auf ihn herab. Seine Augen sind offen, er ist bei Bewusstsein; ich muss ihm wie ein dunkler Schattenriss vor dem Hintergrund des strahlend blauen Himmels erscheinen. Er ist jung, mit wei?londem Haar, sein Bart kaum dichter als Flaum. Als er den Mund aufmacht, quillt rosafarbener Schaum heraus. Auf seiner Brust breitet sich ein roter Fleck aus. Ich knie neben ihm nieder und rei? sein Hemd auf, um die Wunde freizulegen, die sich unmittelbar links vom Brustbein befindet. Die Klinge ist sauber zwischen zwei Rippen eingedrungen und hat mit Sicherheit die Lunge durchbohrt, vielleicht auch den Herzbeutel verletzt. Die Wunde ist t?dlich, und er wei?es. Er versucht etwas zu sagen. Seine Lippen bewegen sich lautlos, seine Augen m?hen sich verzweifelt, mich zu fixieren. Er will, dass ich mich n?r zu ihm herunterbeuge, vielleicht um seine letzte Beichte zu h?ren, aber ich bin nicht im Geringsten daran interessiert, was er mir zu sagen hat. Stattdessen habe ich nur Augen f?r seine Wunde. F?r sein Blut. Ich bin mit Blut bestens vertraut. Ich kenne es in- und auswendig, ich wei?Bescheid ?ber seine Zusammensetzung. Ich habe zahllose R?hrchen mit dieser Fl?ssigkeit in den H?en gehalten, habe seine vielen verschiedenen Abstufungen von Rot bewundert. Ich habe es in der Zentrifuge geschleudert und in zweifarbige S?en von dicht gepackten Zellen und strohblassem Serum getrennt. Ich kenne seinen Glanz, seine seidige Konsistenz. Ich habe seinen schimmernden Strom aus frischen Schnitten in der Haut flie?n sehen. Das Blut str?mt aus der Brust des Mannes wie wundert?ges Wasser aus einer heiligen Quelle. Ich dr?cke den Handteller auf die Wunde, bade meine Haut in der feuchten W?e, und das Blut ?berzieht meine Hand wie ein scharlachroter Handschuh. Er glaubt, dass ich ihm helfen will, und Dankbarkeit blitzt in seinen brechenden Augen auf. Dieser Mann hat in seinem kurzen Leben sehr wahrscheinlich nur wenig N?stenliebe erfahren. Welche Ironie, dass ausgerechnet ich einem Sterbenden als das Antlitz der Barmherzigkeit erscheine. Hinter mir h?re ich das Scharren von Stiefeln und eine Stimme, die in barschem Ton befiehlt: ?Zur?ck! Alles zur?cktreten!?