Zwischen den Romanen – Teil 2 Ein Werkstattbericht zu PERRY RHODAN NEO-Band 74 von Rüdiger Schäfer

15. Juli 2014

(Vorbemerkung der Redaktion: Am 18. Juli 2014 erscheint der PERRY RHODAN NEO-Band 74, den Rüdiger Schäfer geschrieben hat. Der Autor verfasste freundlicherweise einen Werkstattbericht dazu, den wir wegen seiner Länge in drei Teilen bringen. Heute kommt Teil zwei. Teil eins kam gestern, Teil drei folgt morgen.)

Ende Februar entstanden die ersten beiden Kapitel: die Einstiegszene mit Atlan, sowie Perry Rhodans Rückkehr von der Elysischen Welt. Letztere schickte ich gleich an Oliver weiter, damit der sich an meiner Schilderung der uralten Leka-Disk orientieren konnte, die Rhodan als Fluchtfahrzeug dient.

Kleine Anekdote am Rande: Damals las ich gerade das Buch »Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt«, ein hochgelobtes Werk des Journalisten, Sachbuchautoren und Sprachkritikers Wolf Schneider. Ich streue in meine Freizeitlektüre immer mal wieder ein aktuelles Stilbuch ein, und auch wenn ich nicht mehr ganz so »jung« bin, sprach mich der Titel des (wirklich sehr empfehlenswerten) Buchs an.

In den ersten Kapiteln führt Schneider unter anderem aus, dass man als Autor heutzutage im Normalfall 20 Sekunden Zeit hat, um das Interesse des Lesers an einem Text zu wecken und ihn zum Weiterlesen zu animieren. Eines seiner Rezepte, um das zu erreichen, ist es, besondere Sorgfalt auf den ersten Satz zu verwenden. Wenn dieser überraschend, originell oder anderweitig ungewöhnlich ist, bleibt der Leser dabei, weil er wissen will, was es damit auf sich hat. Ich beschloss, die Probe aufs Exempel zu machen, und so beginnt NEO 74 mit dem einfachen, aber bedeutungsschwangeren Satz: »Arkon III stand in Flammen!« – und ich hoffe jetzt mal, dass mir Lektor Helmut Ehls da keinen Strich durch die Rechnung gemacht hat!

Viel Freude hatte ich wieder einmal auf Arkon I und im Kristallpalast. Ich hatte für NEO 60 eine Menge Lob bekommen; vor allem das arkonidische Lokalkolorit wurde dabei hervorgehoben. Im aktuellen Exposé ging es unter anderem um die Inthronisation des Regenten als Imperator, in meinen Augen eine überaus bedeutende Zeremonie. Also nutzte ich die Gelegenheit, und schilderte die diversen Riten und Gebräuche in großer Ausführlichkeit.

Wie schon zuvor bediente ich mich dafür zum einen aus dem reichhaltigen Datenschatz der Perrypedia respektive der von Rainer Castor erstellten Faktensammlungen, zum anderen erfand ich aber auch eine Reihe neuer Begriffe und Traditionen. Die Arkoniden unter den Lesern können ja mal versuchen die entsprechenden Stellen zu identifizieren.

Überhaupt: Die permanente Recherche stand bei NEO 74 immer im Vordergrund. Wie war das noch mal mit dem Ring von Sergh da Teffron? Wo hatte er die arme Theta genau zurückgelassen? Wo hielten sich wichtige Handlungsträger wie Ihin da Achran, Pertia ter Galen, Novaal, Jeethar, Shaneka, Ishy Matsu oder Belinkhar auf? Was hatten die Kollegen über das Innere von Raumschiffen wie der RANIR'TAN, der SER'TAGON oder der VAREK'ARK geschrieben? Solche und ähnliche Fragen musste ich mir praktisch in jedem Kapitel stellen.

Das oben erwähnte Problem der exzessiven Informationsvermittlung versuchte ich tatsächlich in der Hauptsache über Dialog zu lösen. Das wirkt – sofern richtig gemacht – deutlich lebendiger, als ein innerer Monolog oder ein schlichter Erzähltext. In meinem Begleitmail zur Manuskriptabgabe hielt ich denn auch fest: »So viel und oft wurde in einem Schäfer-Roman noch nie gequatscht.«

Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass ich zum ersten Mal einen gemeinsamen »Einsatz« von Perry und Reginald Bull schildern durfte. Die Gespräche und kleinen Neckereien zwischen den beiden alten Freunden haben richtig Spaß gemacht, und auch die Frage, ob da zwischen Bull und Shaneka etwas läuft, dürfte in Zukunft noch interessant werden.

Mehr darf (und will) ich zur Handlung gar nicht verraten. Es werden ein paar schon lange offene Fragen beantwortet, es werden zentrale Weichen für die Zukunft gestellt, und das Ende dürfte den ein oder anderen sicher überraschen. Mit NEO 74 ist die Handlungsebene Arkon/Großes Imperium vorläufig abgeschlossen. Er ist also – nicht nur in meinen, sondern auch in den Augen des Chefautors und der Redaktion – ein sehr wichtiger Roman. Deshalb war ich entsprechend kribbelig, als ich das fertige Manuskript pünktlich am 28. April an Frank Borsch, den Verlag und Lektor Helmut Ehls schickte. Okay, ich bin nach jeder Manuskriptabgabe kribbelig, aber in diesem Fall kribbelte es noch ein bisschen mehr als sonst.

(Soweit dieser zweite Teil. Die abschließende Fortsetzung folgt morgen.)