Zwischen den Romanen – Teil 1 Ein Werkstattbericht zu PERRY RHODAN NEO-Band 74 von Rüdiger Schäfer

14. Juli 2014

(Vorbemerkung der Redaktion: Am 18. Juli 2014 erscheint der PERRY RHODAN NEO-Band 74, den Rüdiger Schäfer geschrieben hat. Der Autor verfasste freundlicherweise einen Werkstattbericht dazu, den wir wegen seiner Länge in drei Teilen bringen. Heute kommt Teil eins, die Teile zwei und drei folgen morgen und übermorgen.)

Ungewöhnlich früh, nämlich schon Ende Januar 2014, meldete sich Frank Borsch, der Exposéautor von PERRY RHODAN NEO, mit einer Mail bei mir, die den verheißungsvollen Betreff »NEO 74 … es geht los!« trug. Nach rund zwei Monaten selbstverordneter Schreibpause war ich wieder richtig heiß und sehr darauf gespannt, was da auf mich zukam, zumal mir der Chefautor einen echten Kracher versprochen hatte.

Als ich am 23. Januar von der Arbeit nach Hause kam, freute ich mich also auf die Lektüre des ersten Entwurfs meines Exposés. Das kommende Wochenende wollte ich nicht nur der endlich wieder startenden Fußball-Bundesliga widmen, sondern mich auch tiefer in die Materie einarbeiten.

Leider hatte das Schicksal andere Pläne. Zwar beschäftige ich mich ausnehmend gern mit Bösewichtern aller Art, jedoch vorzugsweise literarisch. Die Einbrecher, die während meiner Abwesenheit meine Wohnung (und die meiner direkten Nachbarn) durchwühlt hatten, bereiteten mir dagegen weit weniger Vergnügen. In den nächsten Tagen war ich mit Polizei, Versicherung und diversen Aufräumarbeiten beschäftigt. An meinen neuen NEO-Roman dachte ich kaum.

Das änderte sich schlagartig, als ich schließlich doch die Gelegenheit fand, Franks Vorgaben zu studieren, die sich zu einer echten Herausforderung addierten. Ich durfte nicht nur die Arkon-Handlung vorerst beschließen und das behutsam aufgebaute Geheimnis der arkonidischen Sternenteufel und Sternengötter auflösen, sondern arbeitete außerdem auf einen gewaltigen Showdown mit dem Regenten und seiner Hand Sergh da Teffron hin. Irgendwie fühlte ich mich sofort an eine meiner absoluten SF-Lieblingsfilmszenen erinnert: den grandiosen Endkampf zwischen Imperator Palpatine, Darth Vader und Luke Skywalker in »Star Wars – Die Rückkehr der Jedi-Ritter«.

Bevor es jedoch soweit war, lag noch eine Menge Arbeit vor mir, denn ich brauchte ein detailliertes Bild der allgemeinen Lage im Arkonsystem, musste wissen, wo sich die einzelnen Figuren aufhielten und mir über deren Motive klarwerden. Als hervorragende Orientierung dient diesbezüglich stets das schon seit einigen Bänden von Frank erstellte Datenblatt »Wer steht wo?«, das es für jedes neue Exposé gibt. Dort kann man sich schnell und kompakt über alles informieren, was es über die Haupthandlungsträger zu wissen gilt.

Danach setzte ich mich mit Christian Montillon (Autor von NEO 71) sowie Oliver Plaschka (Autor des Rhodan-Strangs der NEO-Bände 72 und 73) in Verbindung, um unsere Übergänge abzustimmen. Der Text- und Datenaustausch ist in solchen Fällen immer sehr rege, denn natürlich soll für den Leser nach Möglichkeit eine durchgängige, logische und klar strukturierte Geschichte entstehen.

Ein bisschen Sorgen machte ich mir über die Vielzahl der Figuren einerseits und die gewaltige Menge an zu vermittelnder Information andererseits. Mein Roman sollte schließlich kein Sachbuch werden, sondern nach Möglichkeit eine spannende und unterhaltsame Story erzählen. Ich musste mich also auf einige ausgewählte Protagonisten konzentrieren und die vielen Erklärungen in Dialoge und Handlung kleiden. Keine einfache Aufgabe.

Dieser Ansicht war offenbar auch PR-Chefredakteur Klaus N. Frick, der mich Mitte Februar in einer kurzen E-Mail noch einmal ermahnte: »Erläuterungen und Informationsvermittlungen hat der Roman einige für dich; die sind alle wichtig. Wähle bitte Wege, diese Informationen so rüberzubringen, dass es echt unterhaltsam ist. Mir ist klar, dass Du das eh selbst weißt – aber ich möchte sicherheitshalber noch mal drauf hinweisen. Gell?«

Nun ja, meine Neigung zum Monologisieren ist mir bekannt, so dass ich Klaus seinen Hinweis nicht übelnehmen konnte. Besser vorher gewarnt, als hinterher gerügt. Mit solcherlei schwerem Gepäck auf dem Rücken stürzte ich mich also ins Vergnügen.

Der Titel für NEO 74 fiel mir relativ früh ein – und er funktionierte gleich auf mehreren Ebenen. Die beiden Handlungsstränge mit Perry Rhodan und Atlan im Zentrum spielen tatsächlich »zwischen den Welten«. Wir springen im Arkonsystem von Schauplatz zu Schauplatz, und Perry und seine Begleiter agieren ebenfalls im Weltraum. Hinzu kommt, dass sich unsere Helden auch im übertragenen Sinne in einem Spannungsfeld »zwischen« Arkon und der Erde befinden. Und schließlich passte der Titel fast wie maßgeschneidert zum Titel des von Frank verfassten Jubelromans 75, der »Eine neue Erde« heißen sollte.

Mitten in meine Arbeit an den ersten Kapiteln platzte ein Anruf von Klaus Frick, der mir eröffnete, dass für das laufende Jahr eine neue PERRY RHODAN-Miniserie mit dem Titel PERRY RHODAN-Stardust geplant war. Diese sollte das Schicksal der im Jahr 1346 NGZ aus dem Solsystem ausgewanderten Siedler aufgreifen, die sich im Stardust-System im Kugelsternhaufen Far Away niedergelassen hatten. Da die Hauptserie in absehbarer Zeit wohl nicht an diesen Handlungsschauplatz zurückkehren würde, hatte man beschlossen, die weiteren Ereignisse mit einem aus zwölf Heften bestehenden Kurzzyklus zu beleuchten.

Für den 21. Februar lud denn auch der verantwortliche Exposé-Autor Uwe Anton in sein Privatdomizil nach Wuppertal ein, um die weiteren Planungen zu besprechen. Neben ihm, Klaus und mir waren noch Bernd Robker (alias Robert Corvus), Dennis Mathiak und Hanka Jobke, die neue Lektorin der Serie, vor Ort. Während eines sehr produktiven Nachmittags, wurde ausführlich über sämtliche Details gesprochen. Uwe servierte Kaffee, Tee und Kuchen, und am Abend stand ein grober Handlungsabriss aller zwölf Romane.

Für die Anwesenden war es ausnahmslos eine tolle Sache, so unmittelbar an einem Romanzyklus mitwirken zu können. Auch Uwe hatte so etwas noch nie zuvor gemacht, und äußerte sich danach ob der kreativen Atmosphäre und der vielen Ideen sehr zufrieden. Ich glaube, dass sich die Leser auf ein Dutzend wirklich spannender und farbenfroher Romane freuen können, die zudem einige der noch offenen Fragen zur Stardust-Menschheit beantworten werden.

Für mich hieß das zunächst einmal, die Schlagzahl in Sachen NEO 74 zu erhöhen, damit ich meinen geplanten Stardust-Doppelband zur Mitte der Miniserie schreiben konnte. Inzwischen lag die von Klaus abgesegnete und von Frank noch einmal um einige Details ergänzte Endfassung des Exposés vor; ich konnte also Fahrt aufnehmen.

(Soweit dieser erste Teil. Die Fortsetzungen folgen morgen und übermorgen.)