Zum Gedenken an Rainer Castor Eine Kolumne von Arndt Ellmer

2. Oktober 2015

Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Und ich weiß, dass mir hinterher Dies und Das noch einfallen wird, was mir wichtig gewesen wäre. Ein Gemütsmensch ist von uns gegangen, einer der ruhenden Pole im Team. Es konnten Tornados und Hurrikans über uns hereinbrechen. Wo Rainer war, herrschte Ruhe.

Rainer Castor kannte ich schon, als er noch Leser war. Damals tat er sich durch lange Zuschriften hervor, manchmal zwanzig, dreißig Seiten lang. Die meisten seiner Arbeiten und Kritiken bezogen sich auf ATLAN. Er las diese Serie intensiv. Er inhalierte sie. Sie faszinierte ihn damals weitaus mehr als das technisch orientierte Universum von PERRY RHODAN. Besonders die Vergangenheitsabenteuer des Arkoniden hatten es ihm angetan und die Atlan-Zeitabenteuer aus der Feder von Hans Kneifel.

Rainers Zuschriften las ich meist geduldig, doch mit etlicher Verspätung. Zeitaufwändiges Material unterliegt einem ähnlichen Trend wie schwere Pakete auf einem computergesteuerten Transportband im Verteilzentrum der Post. Es erwischt erst ganz hinten an der Strecke die ihm zugedachte Abzweigung. Meine Antworten auf Rainers Zeilen waren jedes Mal deutlich kürzer. Und oft enthielten sie einen dezenten Hinweis darauf, dass es mir nicht möglich war, so lange Texte auf der LKS unterzubringen. Teile davon aus dem Zusammenhang zu reißen, war nur in wenigen Fällen möglich.

Rainers Texte nahmen dann den Weg über die Redaktion zu Hans Kneifel, dem Atlan-Spezialisten im Team. Zwischen Rainer und Hans entwickelte sich eine emsige Kommunikation, die bald darin mündete, dass Rainer Welten für das Arkon-Imperium entwarf sowie historische Recherchen betrieb. Und er lieferte umfangreiches Material für Hans Kneifels historische Romane wie »Hatschepsut«.

Sein eigener Historienroman »Der Blutvogt« zählt zu den Romanen, die an der Schwelle zum neuen Jahrtausend den Mittelalter-Trend mit einläuteten.

Parallel dazu liefen Rainers Arbeiten am arkonidischen Kosmos. Er fand jeden Fehler, der sich im Laufe von Jahrzehnten in das Werk und sein Gebäude eingeschlichen hatte. Da lag es auf der Hand, ihn mit der Bearbeitung der ATLAN-Romane für die Buchausgabe zu betrauen. In der Folge übernahm er die umfangreiche Datenarbeit für die Hauptserie PERRY RHODAN. Später kamen kurze Zyklen in beiden Serien hinzu, für die er ebenfalls den Datenhintergrund bewältigte.

Mit Rainer Castor haben wir einen der fleißigsten Mitarbeiter des Teams verloren. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz im Perryversum würden wir Autoren längst nicht so klar durchblicken. Von Rainer haben wir gelernt, wie wir mit der komplexen Materie unserer Serie umgehen müssen. Für uns Autoren war er die Anlaufstelle in allen wichtigen Fragen. Täglich meisterte er seinen Job als Serienauskunft mit viel Geduld und Nachsicht. Danke, Rainer!

Als Romanautor trat er in diesen Jahren nur selten in Erscheinung. Im aktuellen Zyklus sollte es der eine oder andere Band mehr sein. Jetzt, kurz bevor er mit seinem jüngsten Beitrag zum PERRY RHODAN-Universum beginnen wollte, riss ihm der Tod die Tastatur aus der Hand.

Im Krankenhaus erlag er einem Herzinfarkt.

Rainer, wir werden Dich vermissen.

Arndt Ellmer