Wie die Nachwörter der Taschenhefte entstanden Werkstattbericht von Rainer Nagel

11. Oktober 2016

Im Sommer 2009 begann der Pabel-Moewig Verlag mit einer neuen Reihe von sogenannten Taschenheften: Gemeint sind die PERRY RHODAN-Planetenromane. Der Begriff »Taschenheft« kommt daher, weil es sich eigentlich um eine Mischform handelt – es sind Taschenbücher, die wie ein Heft behandelt und über den Zeitschriftenhandel ausgeliefert werden. In seinem Werkstattbericht blickt Rainer Nagel auf die Entstehung der Nachwörter zurück.

Die ersten 14 Bände der Planetenromane, die in der Reihe der Taschenhefte nachgedruckt wurde, kamen noch ohne Nachwörter daher – erst ab Band 15 kamen diese hinzu.

Es wäre schon früher gut gewesen, solche Erläuterungen zu den Romanen zu haben. Nehmen wir Peter Terrids »Die andere Seite des Todes« (vormals Band 339 der Taschenbücher vom Juni 1991), seinerzeit als Band 9 veröffentlicht. Im Prinzip ist dies Teil zwei einer Miniserie um die interstellare Ermittlerin Samantha Dryton, die Terrid in Band 322, »Das Paradies und der Tod«, im Dezember 1989 begonnen hatte.

In Teil eins wurde geschildert, wie Samantha auf den Planeten Gladmar IV kommt und dort in die virtuelle Realität von »Proto-Eden« eingeführt wird. Allerdings bleiben einige der Hintergründe ungeklärt, während Samantha Dryton sich auf ein Leben in Proto-Eden einstellt – dort »geparkt«, wie der Leser von heute das nennt: Sie sitzt, gleichsam »auf Abruf«, in einer sicheren Ecke, in der der Autor sie ohne großen Schaden für die Figur sitzen lassen, aus der er sie aber auch jederzeit wieder herausholen kann, wenn er eine neue Idee für einen Roman mit ihr hat.

Diese Idee kam Peter Terrid dann auch, und anderthalb Jahre später holte er Sam Dryton aus ihrer Ecke und spendierte ihr in »Die andere Seite des Todes« einen weiteren Auftritt. In diesem klärt sie die Geheimnisse um Gladmar IV und das Projekt »Proto-Eden« auf und bringt die Geschichte letztlich zu einem Abschluss: In der »größeren« Welt des Perryversums wird der Planet von Perry Rhodan selbst zum Sperrgebiet erklärt – womit der Autor nicht zuletzt anzeigt, dass für Samantha Dryton der letzte Vorhang gefallen ist.

Teil zwei hielten wir bei der redaktionellen Vorarbeit für den inhaltlich stärkeren – nicht zuletzt wegen der überzeugend »wissenschaftlich« erklärten Synthese zwischen Perryversum und fast schon fantasyromanartiger Magie – durchaus eine Seltenheit in den Taschenbüchern. Deshalb wollten wir ihn nachdrucken. Der Autor selbst hatte schon Teil eins nahezu ausreichend in »Die andere Seite des Todes« zusammengefasst, so dass hier kaum Nacharbeiten nötig wurden.

Leider gab es zu diesem Zeitpunkt die Tradition des Nachwortes noch nicht, so dass wir nicht einmal auf die Problematik hinweisen konnten.

Warum war das so? Die Nachwörter erschienen uns anfangs nicht notwendig – auch der erwähnte Terrid-Roman war in der vorliegenden Form verständlich. Erst als wir Peter Terrids »Schmied der Unsterblichkeit« zu veröffentlichen gedachten, kamen uns Bedenken.

In einer Planungsdatei, die ich am 25. September 2010 an Klaus N. Frick schickte, schrieb ich zu diesem Werk: »Sehr beliebt bei den Fans, würde mehr gekauft als andere, da der Roman antiquarisch um die 20 Euro kostet. Ist halt in weiten Strecken nicht wirklich kanonisch und müsste in irgendeiner Form angepasst oder (im Stile von Uwes ›Statistiker des Todes‹) als alternativ erklärt werden.«

Der Redakteur antwortete drei Tage später: »Zu Weihnachten der Terridsche ›Schmied der Unsterblichkeit‹ ... ich schlucke da immer, weil der schon heftig ist. Allerdings teilweise durch Meister Castor in die Perry-Historie eingebaut; da müsste man euch beide verkuppeln.«

Wir einigten uns schließlich auf ein erklärendes Nachwort zu dem Roman, der im November 2011 als Band 15 der Reihe erschien. Warum es notwendig wurde und wo genau die Probleme lagen, kann man dort nachlesen – der Band ist noch verfügbar. Es ging, kurz gefasst, um Widersprüche zum »Kanon« der Heftromanserie.

So wurden die Nachwörter geboren.

Anfangs erschienen sie mir noch nicht als feste Einrichtung. Band 16 (»Der lange Weg der SOL« von Peter Griese, Januar 2012) bekam eines, weil dieser einige Teile der geplanten ATLAN-Handlung nach Heft 850 (dem Band ihrer Einstellung) zusammenfasste. Das konnte nicht jeder Leser wissen. Für Band 17 verfasste ich ebenfalls eines, da es sich um den ersten Roman des erst im August 2009 verstorbenen Robert Feldhoff handelte: »Der Alpha-Asteroid«, März 2012.

Dann gingen mir die Ideen aus. Und so teilte ich am 25. März bezüglich Hubert Haensels Band 18 (»Tariga sehen und sterben mit: »Ich habe diesmal kein Nachwort geschrieben, da mir beim besten Willen für diesen Roman, so schön er auch ist, nichts Aussagekräftiges eingefallen ist.«

Sabine Kropp reagierte nur einen Tag später: »Ich fürchte, du musst dir in Bezug auf ein Nachwort nochmals Gedanken machen. Wir haben in jedem Taschenheft eins drin, also muss auch hier eins rein.«

Und damit war’s entschieden.
 

Rainer Nagel