Werkstattbericht von Hubert Haensel zu aktuellen Silberbänden: Zwischen zwei Silberbänden

31. Oktober 2014

Die Zeit vergeht schnell – das wissen Science-Fiction-Leser nur zu gut, und mir als Autor ist das ohnehin stets gegenwärtig. Lange habe ich mich darauf gefreut, den Silberband 127 »Schaltstelle der Macht« endlich in Händen zu halten und die Illustrationen auf den inneren Umschlagseiten betrachten zu können. Seit dem 12. September steht das Buch nun schon im Regal neben meinem Schreibtisch.

Meine Vorfreude wurde bestätigt. Mir gefallen die beiden Bilder, die Arndt Drechsler für den Vor- und den Nachsatz gestaltet hat.

Ich mag Szenen, die den Weltraum und Raumschiffe zeigen und damit ein Fenster in die Unendlichkeit öffnen. Sie wecken Sehnsüchte, den Drang, herauszufinden, was da draußen ist – und vor allem die Hoffnung, dass wir Menschen bald erkennen werden, wie idiotisch und eigentlich lächerlich unsere hausgemachten Probleme doch sind. Wer weiß, eines Tages ... Diese Hoffnung gebe ich jedenfalls nicht auf.

Eines der beiden Bilder im Silberband 127 zeigt das Fernraumschiff SOL bei der Rückkehr in die Milchstraße: nur eine Kugelzelle und das Mittelstück (erfahrene Leser wissen, dass die zweite Kugelzelle ein Wrack ist). Im Hintergrund sieht man eine Flotte Keilraumschiffe der Kosmischen Hanse und, ein Wirbel aus Licht, die Spiralarme und der Kern unserer Galaxis.

Ich kannte die Illustrationen schon aus dem Gestaltungsprozess, aber nun weiß ich endlich, wie sie gedruckt wirken. Ich finde, sie geben dem Silberband ein besonderes Flair.

Wenn unsere Leser ebenso empfinden, dann war diese Veränderung richtig.

Übrigens besteht meine Vorfreude weiterhin. Denn schon Anfang November 2014 erscheint der nächste Silberband unter dem Titel »Das rotierende Nichts«. Es ist Buch Nummer 128, und unser Zeichner Arndt Drechsler hat dafür ebenfalls wieder zwei Bilder gestaltet. Eines davon würde ich mir liebend gern vergrößert an die Wand hängen.

Zu dem Zeitpunkt, wenn diese Zeilen auf der Homepage zu lesen sind, werden wohl schon die Illustrationen für Silberband 129 entstehen. Während ich in der Bearbeitung der Texte versinke, ist die Zusammenarbeit mit Arndt Drechsler eine inspirierende Abwechslung. Deshalb habe ich ihn um ein kurzes Interview gebeten:

Hubert Haensel: Arndt, du bist der visualisierende Profi, der den Worten der Autoren Gestalt verleiht. Unsere Leser kennen längst deine Titelbilder für ATLAN und PERRY RHODAN-Stardust und die Erstauflage. Wie ist für dich der Entstehungsprozess eines Bildes und vor allem, ist mit der Abgabe des druckreifen Bildes für dich die Gestaltungsphase vorbei oder analysierst du letztlich das gedruckte Werk?

Arndt Drechsler: Wie ist der Entstehungsprozess? Tja, das frage ich mich auch immer wieder. Kurz und knapp kann ich sagen, dass meine meisten Bilder am Abend entstehen, bei völliger Ruhe, wenn ich die Beschreibungen der Autoren visualisieren kann. Das bedeutet also nichts anderes, als dass ich meine Bilder zwischen 21 Uhr und 3 Uhr nachts entwerfe. Seit rund 25 Jahren praktiziere ich das so. Das gedruckte Werk an sich analysiere ich nur, falls es nicht gut ankommt, denn dann habe ich möglicherweise etwas falsch gemacht.

Hubert Haensel: Ich vermute mal, auch in deinen Regalen stehen etliche Silberbände. Wie empfindest du den Wechsel von den gewohnten Risszeichnungen über zwei Bände mit alten Heftillustrationen hin zu den neu gezeichneten Bildern?

Arndt Drechsler: Positiv für mich. (Er lacht.) Nein, im Ernst. Ich denke, der Wechsel ist zeitgerecht! Außerdem glaube ich nicht, dass wir den Silberbandlesern noch alte Risszeichnungen bieten können, die jeder nicht schon tausendmal gesehen hat. Vor allem im Zeitalter des Internets.

Für mich waren früher die Risszeichnungen auch ein Anreiz, die Silberbände zu sammeln. Weil ich die Aufrisse sonst nicht bekam bzw. nicht wusste, in welchen Heften sie zu finden waren.

Aber heute, finde ich, sollen die Silberfans etwas Neues bekommen, das es nur im Silberband gibt!

Hubert Haensel: Hast du Vorlieben, die wir in deinen Illustrationen in den kommenden Silberbänden vielleicht wiederfinden werden?

Arndt Drechsler: Natürlich! Der gesamte »Frostrubin«-Zyklus! Er war mein Einstieg bei PERRY RHODAN, und er wird als nächster Zyklus bearbeitet. Darauf freue ich mich wirklich besonders.

Mein Lieblingszyklus waren die Cantaro. Aber ich muss erst mal nachrechnen, ob es mich noch gibt, wenn sie im Silberband erscheinen.

Hubert Haensel: Die inneren Umschlagseiten der Silberbände wurden schon immer in weißem Druck auf blauem Untergrund wiedergegeben, weil das Blau einfach zur Rückengestaltung der Bücher passt. Da muss zweifellos anders gearbeitet werden als bei schwarzem Druck auf weißem Papier. Bedeutet das für dich eine große Umstellung in der Arbeitsweise?

Arndt Drechsler: Nein, Hubert, man druckt nie weiß! Das Papier ist immer weiß, der Druck hier blau, anstelle von schwarz. So habe ich es mal gelernt, außer, die Redaktion würde wirklich so brachial vorgehen und blaues Papier nehmen. Aber für mich wäre da kein Unterschied. Ich lege die Illustrationen in s/w an und prüfe ständig, wie sie in blau wirkt.

Hubert Haensel: Gibt es etwas im Zusammenhang mit den Silberbänden, das du unseren Lesern sagen möchtest?

Arndt Drechsler: Was soll ich sagen? Die Bücher sprechen für sich selbst, sobald sie aneinandergereiht im Regal stehen oder mit ihrem holografischen Titelbild vor dem Betrachter liegen.

Hubert Haensel: Arndt, ich danke dir für deine Antworten. Ich freue mich schon auf deine nächsten Bilder.

Unseren Lesern, Fans und Freunden wünsche ich weiterhin viel Spaß und Kurzweil mit PERRY RHODAN. Vor allem natürlich mit den Silberbänden, die in überarbeiteter, geraffter Form die frühen Abenteuer Perry Rhodans und der Menschheit darbieten.

Wer die Silberbände noch nicht kennt: Schaut doch einfach mal hinein! Außer dem guten alten gebundenen Buch gibt es sie längst auch als E-Books und Lesung.

 

Hubert Haensel