Unverhofft kommt oft – Teil 1 Ein Werkstattbericht zu PERRY RHODAN NEO-Band 89 von Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer

12. Februar 2015

(Vorbemerkung der Redaktion: Am 13. Februar 2015 erscheint der PERRY RHODAN NEO-Band 89, den Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer gemeinsam geschrieben haben. Wie es dazu kam, erzählt dieser Werkstattbericht, den die beiden Autoren gemeinsam verfasst haben. Wegen seiner Länge kommt der Bericht in zwei Teilen. Heute kommt Teil eins, der Teil zwei folgt dann morgen.)


Rüdiger:
Rüdiger SchäferEnde Oktober 2014 schrieb ich an den letzten Kapiteln von PERRY RHODAN NEO 86. Der Roman »Sternenkinder« hatte eine Menge Kraft gekostet, und ich freute mich auf fast zwei Monate Schreibpause (davon im Dezember vier Wochen echter Urlaub, also auch von meinem eigentlichen Hauptberuf). Für Weihnachten – quasi als Geschenk unter dem Christbaum – hatte mir Frank Borsch, der Chefautor von PERRY RHODAN NEO, bereits das Exposé für Band 94 versprochen, so dass ich mich im kommenden Jahr erholt und mit frischem Elan ans Werk machen wollte.

Mit zwei NEO-Taschenheften, drei Romanen für PERRY RHODAN-Stardust sowie der nicht zu unterschätzenden Arbeit an Risszeichnungen und Report waren die vergangenen Monate ziemlich anstrengend gewesen, und ich sehnte mich nach ein bisschen Zeit, um die Batterien wieder aufzuladen.

Leider hatte das Schicksal andere Pläne. Einige Wochen zuvor hatte mich die Nachricht mit großer Freude erfüllt, dass Michael H. Buchholz, mein alter Freund und Kampfgefährte aus den goldenen Tagen der Atlan Fanzine Serie (AFS), als Autor bei NEO einsteigen sollte. Der in Hannover lebende Schriftsteller war für Band 89 vorgesehen, an dem er natürlich längst arbeitete.

Mit Michael verbindet mich eine nun schon seit rund einem Vierteljahrhundert bestehende Freundschaft, die sich keineswegs nur auf unsere gemeinsame Leidenschaft für das Schreiben beschränkt. Von Beginn an waren wir die jeweils härtesten Kritiker des jeweils anderen und sagten uns über unsere Texte gegenseitig und stets ungeschminkt die Meinung.

Abgesehen von seinem pointierten Stil und dem breiten Fachwissen auf zahlreichen Gebieten, beneidete ich Michael vor allem um seine schier magische Fähigkeit, Handlungsideen und dramaturgische Problemlösungen praktisch auf Zuruf aus dem Ärmel zu schütteln. Wann immer ich mich zu Zeiten der AFS in eine Ecke geschrieben hatte oder als Verantwortlicher für die Exposés eine originelle Wendung für einen Plot brauchte – die Antwort war häufig nur ein Telefonat entfernt.

Im Rahmen der regelmäßigen Besuche, die ich meiner in der Nähe Hannovers wohnenden Mutter abstattete, fuhr ich jedes Mal zu Michael und seiner liebenswerten Ehefrau Sabine, und verbrachte anregende Stunden mit dem Schmieden von Plänen und der Diskussion aktueller Projekte. Da wir in der Vergangenheit nicht nur für die AFS, sondern auch bei anderen Schreibprojekten zusammengearbeitet hatten, formte sich sehr schnell der Wunsch, in absehbarer Zeit einmal einen NEO-Roman gemeinsam zu schreiben. Dass dies dann so schnell – und vor allem so unerwartet – geschehen sollte, konnten weder Michael noch ich ahnen ...

Michael:
Michael H. BuchholzUnerwartet trifft es in der Tat. Das vorherige Jahr 2013 war für mich zum Wendepunkt meines Lebens geworden. Ein Kehlkopftumor breitete sich aus, und ich drohte zu ersticken. Eine aufwendige Chemo- und Strahlentherapie und das Einoperieren einer Halskanüle zum Atmen retteten mir das Leben. Der Tumor verschwand. Es war dennoch traumatisch und dramatisch, die Therapie war sehr anstrengend, und plötzlich nur noch flüstern zu können war für mich, der ich Berufsredner bin oder war, ein Einschnitt sondergleichen. Meinen Brotberuf musste ich folglich an den Nagel hängen.

Gottseidank blieb mir die Schriftstellerei, der ich mich dann nach der Genesung auch leidenschaftlich widmete.

Der dritte umfangreiche Fortsetzungsband meiner Fantasyreihe »Gilwenzeit« (die ich unter dem Namen Robert M. Talmar im Bastei Lübbe Verlag veröffentliche; er erscheint am 15. August 2015) entstand, und ich freute mich im Herbst riesig auf PR NEO 89, einen Roman, den ich ursprünglich allein zu schreiben gedachte. Als gemeinsames Projekt mit Rüdiger war ein späteres Taschenheft angedacht ...

Zu früh gefreut! Ende Oktober 2014 erhielt ich die niederschmetternde Nachricht: Der Krebs war zurück! Ich hatte schon einige Kapitel für die 89 geschrieben, aber ein Ende war noch nicht in Sicht. Zwei Wochen blieben mir nur, dann musste ich in die Klinik, um mir den Kehlkopf entfernen zu lassen, der völlig vom Tumor befallen war.

In meiner Not bat ich Rüdiger um Hilfe, der sich einmal mehr als wahrer, echter Freund erwies. Ich schrieb die beiden Wochen wie ein Wahnsinniger und schaffte beinahe die Hälfte des Romans, dann musste ich das Manuskript an ihn weiterreichen. So kam es zu den beiden Autorennamen auf dem Titelbild ...

 

Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer