Seit tausend Bänden dabei – Teil 2 Ein Interview mit Michael Thiesen

30. September 2016

Mit Band 1876 feierte Michael Thiesen seinen Einstand als freier Mitarbeiter der PERRY RHODAN-Redaktion. Seither wirkt er im Hintergrund und sorgt dafür, dass möglichst wenig Fehler in den Romanen enthalten sind.

Tausend Bände – das ist eine lange Zeit. Aus diesem Grund führte Klaus N. Frick, der PERRY RHODAN-Redakteur, mit Michael Thiesen ein Interview per Mail. Wir haben es in zwei Teile gegliedert – der erste Teil erschien gestern, der zweite ist heute dran.

Klaus N. Frick: Seit den 90er-Jahren bist du für den »PERRY RHODAN-Zeitraffer« verantwortlich. Dabei handelt es sich um eine Fanzine-Reihe, die der SFC Universum herausgibt und in der die einzelnen PERRY RHODAN-Romane sehr detailliert zusammengefasst werden, inklusive vieler Fußnoten. Wieso hast du mit dem »Zeitraffer« begonnen und wie spielt dieser heute in deine Arbeit hinein?

Michael Thiesen: Mit dem »Zeitraffer« begonnen habe ich, als ich mir meinen ersten PC angeschafft habe, einen Commodore mit 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerk und einer Festplatte – 10 Megabyte oder so. Alles noch unter DOS.

Da ich keine Lust hatte, langweilige Trainingsprogramme für MS Word 2.0 zu absolvieren, habe ich das gemacht, was mir schon lange im Kopf herumspukte, was ich mit einer klassischen Schreibmaschine aber nicht hatte in Angriff nehmen wollen: eine knappe Zusammenfassung der PERRY-RHODAN-Hefte mit Querbezügen zu den zugehörigen Taschenbüchern – in Form von Fußnoten. Alles nur für mich selbst.

Als ich dann erfuhr, dass der Science-Fiction-Club Universum Vergleichbares publizierte, habe ich Kontakt aufgenommen. Den SFCU-Leuten gefielen meine Texte, und die »Zeitraffer«-Reihe wurde gestartet.

Mit der Zeit bin ich dann umgeschwenkt, habe mehr mit Blick auf die Leser geschrieben, ausführlicher als vorher und eher als Lesehilfe gedacht, um Zusammenhänge, aber auch Anspielungen besser erkennen und durchschauen zu können. Deshalb habe ich auch manche »Zeitraffer«-Bände später noch einmal so gut wie völlig neu geschrieben, weil mir die »Urfassung« im Rückblick zu unpräzise und detailarm vorkam.

Das »Zeitraffer«-Schreiben spielt für die Kontrolle der Manuskripte eine große Rolle. Zum einen zwingt es, die Texte genauer zu lesen, manche Dinge wie die falsche Schreibweise eines Namens fallen mir erst dann auf. Zum anderen ist durch die »Zeitraffer«-Dateien im PC ein Nachschlagewerk vorhanden, mit dem man schnell und gezielt recherchieren kann. Mittlerweile schreibe ich die »Zeitraffer«-Texte meistens sofort nach der Lektüre des unredigierten Manuskripts und korrigiere sie später noch mal, wenn die von Alexander Huiskes bearbeitete Version vorliegt.

Klaus N. Frick: Du bist immer wieder mit Kurzgeschichten aufgefallen. Hat es dich nie gereizt, einmal einen Roman zu verfassen?

Michael Thiesen: Mit dem Gedanken gespielt, habe ich selbstverständlich schon, aber ausgeführt habe ich ihn nie. Ich fühle mich nicht so recht zum Erzähler berufen. Da sind keine Geschichten »in mir«, die herauswollten.

Wahrscheinlich würde mir ganz einfach auch die Zeit fehlen, die man dazu aufwenden muss. Aber wer weiß. Vielleicht packt es mich doch irgendwann mal und ich setze mich dran.