Seit tausend Bänden dabei – Teil 1 Ein Interview mit Michael Thiesen

29. September 2016

Mit Band 1876 feierte Michael Thiesen seinen Einstand als freier Mitarbeiter der PERRY RHODAN-Redaktion. Seither wirkt er im Hintergrund und sorgt dafür, dass möglichst wenig Fehler in den Romanen enthalten sind.

Tausend Bände – das ist eine lange Zeit. Aus diesem Grund führte Klaus N. Frick, der PERRY RHODAN-Redakteur, mit Michael Thiesen ein Interview per Mail. Wir haben es in zwei Teile gegliedert – der erste Teil kommt heute, der zweite folgt morgen.

Klaus N. Frick: Was genau machst du eigentlich als offizieller Mitarbeiter der Redaktion?

Michael Thiesen: In aller Regel ist es so, dass ich jedes Manuskript der PERRY RHODAN-Erstauflage per E-Mail zugeschickt bekomme, sobald es bei der Redaktion in Rastatt eingetroffen ist. Dann ist es meine Aufgabe, den noch unredigierten Roman zu lesen und eventuelle Fehler darin aufzuspüren. Haben Blues wirklich blaues Fell auf dem Kopf? Besaß Icho Tolot tatsächlich schon seinen Zellaktivator, als er das Kind zur Welt brachte, das auf Volterhagen starb? Steht der Gantralam-Sonnentransmitter wirklich zwischen M 13 und der Milchstraßenebene?

Das könnten Fragen sein (oder das waren welche), die sich mir bei der Lektüre stellen und denen ich dann nachgehe. Oft dreht es sich auch darum, was eine Figur eigentlich zum aktuellen Handlungszeitpunkt weiß, wissen kann oder wissen muss. Vor allem, wenn mehrere Protagonistengruppen auf unterschiedlichen Handlungsebenen am gleichen Geheimnis  tüfteln. Die Autoren kennen durch die Exposés natürlich das Gesamtbild. Da kann man schon mal den Überblick darüber verlieren, welche Gruppe unserer Helden welchen Zipfel des Mysteriums bereits gelüftet hat.

Alle Unstimmigkeiten, die mir auffallen, sammle ich mitsamt den zugehörigen Korrekturvorschlägen in einer Word-Datei und schicke das Ganze an Alexander Huiskes, der die Widersprüche dann beim literarisch-sprachlichen Lektorieren mit ausmerzen  muss. Wenn das Manuskript sehr frühzeitig vorliegt, schreibe ich manchmal auch den betreffenden Autor direkt an. Dann kann der die Fehler selbst verbessern. Der Lektor hat dadurch weniger Arbeit, und es sind Formulierungen des Autors, die am Ende im gedruckten Heft stehen.

Natürlich klappt das Fehleraufspüren nicht immer, und ich ärgere mich immens, wenn mir ein Widerspruch zu spät auffällt und das betreffende Heft schon im Druck ist. Passiert ist dies zuletzt, als mir beim ersten Lesen von Manuskript 2844 nicht mehr bewusst war, dass die RAS TSCHUBAI bereits einen Sprung durch die Purpur-Teufe hinter sich hatte und nur noch rund 100.000 Jahre im Dilatationsflug überwinden musste.

Klaus N. Frick: Kannst du dich noch daran erinnern, wie es damals losgegangen ist?

Michael Thiesen: Wenn ich ehrlich bin, so ganz genau nicht mehr. Auf jeden Fall ging das Ganze von einem gewissen Klaus N. Frick aus. Er fragte mich eines Tages, ob ich mir vorstellen könne, den Job zu übernehmen, den in weit zurückliegenden PERRY RHODAN-Tagen mal Franz Dolenc gemacht hat. Ob er das aber in einen Telefongespräch oder auf irgendeinem Con an der Theke tat, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall hat's mich gereizt und ich habe zugesagt.

Klaus N. Frick: Was hat sich in den zwanzig Jahren – oder tausend Bänden – eigentlich geändert, und was ist gleich geblieben?

Michael Thiesen: Früher war alles ein wenig umständlicher, aber auch »gemächlicher«. Elektronische Kommunikation war 1997 noch etwas Exotisches. Zu Beginn bekam ich aus Rastatt das neue Romanmanuskript jeweils als Ausdruck auf Papier in einem großen braunen Briefumschlag. Beigepackt war die Textdatei auf 3,5-Zoll-Diskette.

Genau wie heute habe ich meine Anmerkungen zu inhaltlichen Widersprüchen und Unstimmigkeiten dann als Word-Text geschrieben. Ihn dann aber fein ausgedruckt und (ebenfalls in einem braunen Briefkuvert) an die Redaktion geschickt.

Eine solch langatmige Arbeitsweise mit dem zeitfressenden Postweg kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Und die Termine sind auch so knapp geschneidert, dass es einfach nicht mehr funktionieren würde. Inhaltlich hat sich beim »Pannenspüren« aber wenig geändert, die »Fehlertypen« sind im Prinzip die gleichen. Und nach wie vor kann man am fertigen Manuskript nur noch Detailfehler korrigieren, an der großen Gesamtkonzeption eines Handlungsbogens ist nichts mehr zu ändern.