Ro'argruut, der Braune Zwerg – Teil eins Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer zu PERRY RHODAN NEO 146

19. April 2017

Am 21. April 2017 erscheint »Der Schatz des Pilgerschiffes«, der aktuelle Roman von Susan Schwartz innerhalb der Serie PERRY RHODAN NEO. Für den Roman entwickelten die Exposéautoren einen originellen Schauplatz – darüber erzählt Rüdiger Schäfer in einem Werkstattbericht.

Wegen seiner Länge erscheint der Bericht in drei Teilen: heute Teil eins, morgen Teil zwei, übermorgen Teil drei.

Es war am Nikolaustag. Am 6. Dezember 2016, kurz vor zwei Uhr nachmittags, erhielt ich eine Mail von Michael H. Buchholz. Wir saßen damals am Exposé für PERRY RHODAN NEO 146 und suchten noch nach einem möglichst originellen Schauplatz für den Schiffbruch, den Perry Rhodan und Tuire Sitareh in diesem Band erleiden sollten. Da der Roman für Susan Schwartz vorgesehen war, sollte es nach Möglichkeit eine fantasylastige Welt sein, damit die Autorin ihre Stärken voll ausspielen konnte.

»Hallo Rüdiger«, schrieb mein Exposépartner unter einen eingefügten Link, der auf eine Seite für Grenzwissenschaften führte. »Das ist doch mal was: Unser Planet ist ein Brauner Zwerg, und alles spielt sich innerhalb der Atmosphäre ab. Auf schwebenden Inseln, mithilfe der im Artikel erwähnten (und in der Grafik sichtbaren) Lebensformen. Für die Gurrads bedeutet das Notlanden dort eine irre Anpassung, die zugleich eine große Herausforderungen für Perry & Co. ist.

Lebende Transportmittel, meinetwegen auch Lenkdrachen aus den Häuten verstorbener Tiere, eine lebensfeindliche Oberfläche, aber genau dort ist das notgelandete Raumschiff zu suchen usw. Optisch alles so wie auf der Grafik. Da kann Uschi aus dem Vollen schöpfen! Was sagst du?«

Ich las mir den Online-Artikel durch und war ebenso begeistert wie Michael. Mehr noch: Ich begann sofort damit, das entsprechende Datenblatt zu erstellen, denn oft bauten wir uns zuerst die Umgebung, in der die Handlung spielen sollte, und schrieben dann das Exposé. Zunächst galt es, die wissenschaftliche Grundlage zu schaffen – Braune Zwerge waren ja keine Erfindung von Michael und mir, sondern astronomische Realität.

Auszug aus dem Datenblatt zu NEO 146:

»Ein Brauner Zwerg ist ein Himmelskörper, der mit einer Masse zwischen dem 13-fachen und 75-fachen unseres Jupiters eine Sonderstellung zwischen Planeten und Sternen einnimmt. Gleiches gilt für die in seinem Inneren ablaufenden Prozesse, die keine Wasserstofffusion (wie bei normalen Sonnen) aufweisen. Braune Zwerge sind massereicher als planetare Gasriesen und masseärmer als stellare Rote Zwerge.

Der erste in unserer Realzeit wissenschaftlich nachgewiesene Braune Zwerg war Gliese 229 B, Teil eines Doppelsternsystems im Sternbild Hase, 19 Lichtjahre von der Erde entfernt. Dies geschah im Jahr 1988 und ist auch der Grund, warum wir noch relativ wenig über diese Objekte wissen, die irgendwo zwischen dem Status einer Sonne und eines Planeten rangieren – manche Forscher bezeichnen sie deshalb auch als ›gescheiterte Sterne‹.«

Insofern waren Braune Zwerge also Sonnen, die es »nicht geschafft« hatten, die aber auch kein richtiger Planet geworden waren und eine Art Zwischenexistenz führten. Je älter sie wurden, desto mehr näherten sich ihre Temperaturen der von biologischem Leben bevorzugten Skala an. Für mich stand der perfekte Titel des Romans damit auch schon fest: »Der gescheiterte Stern«!

Wer nachschaut, wird feststellen, dass Uschis Roman am Ende »Der Schatz des Pilgerschiffes« heißt. Das liegt daran, dass wir in den Exposés lediglich Arbeitstitel vorgeben. Die endgültige Entscheidung treffen immer Autor und Redaktion in Absprache. Manchmal werden unsere Vorschläge genommen, in diesem Fall nicht. Ich gebe zu: Ein bisschen traurig war ich darüber schon ...