Reingehört: Menschheit am Abgrund Eine Kolumne von PERRY RHODAN-Autor Marc A. Herren

14. Oktober 2015

Da wir es in der PERRY RHODAN-Erstauflage unter anderem mit den Laren zu tun bekommen, höre ich, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, zur Zeit gerade den Konzils-Zyklus. Beim letzten Redaktionsbesuch drückte mir Klaus N. Frick aber die Silber Edition 45 in die Finger, die er selbst gerade hört (irgendwann gehen wir beide wohl im Nerdvana auf, ich weiß ...). Er schwärmte von den alten Figuren, die, wenn wir sie heute in der Erstauflage einführten, eventuell nicht mehr so gut funktionieren würden. Figuren, wie Lord Zwiebus oder die unvergleichliche Tipa Riordan.

Silber Edition 45Ich hatte eigentlich nicht vor, im Cappins-Zyklus weiterzuhören, aber Klaus hatte mich angefixt. Auf der Rückfahrt legte ich dann kurz entschlossen die erste CD ein und ließ mich ins Jahr 3430 entführen. Ich konnte mich noch gut an den Sommer 1994 erinnern, als ich bei den 400er-Heften eingestiegen bin. Nun fragte ich mich, wie viel ich davon nach 21 Jahren vergessen hatte und wie die Geschichte als Silber Edition grundsätzlich auf mich wirken würde.

Und was soll ich sagen? Trotz Stau und nervig überholenden Lastwagen wurde ich wunderbar unterhalten. Ich kehrte mit Galbraith Deighton zurück in den Tonga-Graben, entdeckte mit ihm den seit 200.000 Jahren im biophysikalischen Tiefschlaf liegenden Neandertaler, den Deighton kurzerhand auf den Namen Lord Zwiebus taufte.

Danach reiste ich mit Perry Rhodan auf seiner Good-Will-Tour durch das Solare Imperium und erlebte mit, wie er auf dem Planeten Taura nur knapp einem Attentat entging. Ich erhaschte den ersten Blick auf einen der neuen Aktivatorträger, den Imperator Dabrifa. Und Perry Rhodan wurde trotz der Unruhen, in der sich das Solare Imperium befand, erneut für sechs Jahre als Großadministrator gewählt. Und dann ... dann trat der »Fall Laurin« ein!

Für mich war die Rückkehr in die Geschichte von 1994 faszinierend. An einige Dinge konnte ich mich noch sehr gut erinnern, an andere nur ganz verschwommen. An der Szene mit Perry Rhodan und dem etwas steifen und sehr korrekten Oberst Maurice hatte ich schon damals meine helle Freude, Whistler fand ich cool. Auch das Zusammenspiel zwischen Lord Zwiebus und Galbraith Deighton hat für mich beim ersten Lesen und beim Wiederhören sehr schön funktioniert.

Was mich aber (wieder einmal) erstaunte, war die Schreibkunst von K. H. Scheer selbst, insbesondere der Humor, der im Jubiläumsband 400 häufig aufblitzt. Heute wird der Gründervater und erste Exposéautor der Serie meines Erachtens zu stark auf seinen Spitznamen »Handgranaten Herbert« reduziert. Scheer schrieb wunderbare Romane, bei denen auch zwischenmenschliche Szenen schön dargestellt wurden und eben auch der Humor nicht zu kurz kam.

Und so stehe ich nun vor dem Dilemma: Höre ich bei der nächsten Autofahrt beim Aphilie-Zyklus weiter oder verweile ich noch ein wenig im Jahr 3430 und freue mich auf das erste Auftreten von Anson Argyris, den Accalauries oder Ribald Corello? Die Qual der Wahl – das einzige wirkliche Ärgernis im weiten und sehr bunten Perryversum ...

Marc A. Herren