Reginald Bulls Rückkehr Der PERRY RHODAN-Autor Hubert Haensel im Interview

24. August 2017

Mit PR 2917 schrieb Hubert Haensel die Figur des Reginald Bull wieder in die Handlung. Seither ist Perry Rhodans ältester Freund und Weggefährte wieder in der PERRY RHODAN-Serie, zur Freude vieler Leser.
Welches Verhältnis hat der Autor zu Reginald Bull? Dieser Frage geht Alexandra Trinley nach. Sie stellte dem Autor einige Fragen über sein besonderes Verhältnis zu dieser wichtigen Figur.

Alexandra Trinley: Reginald Bull war schon in Band 1 der Serie dabei. Welche Art Mensch ist er?

Hubert Haensel: Für mich ist Bully ein zwar bodenständiger, aber durch und durch neugieriger – lies: wissensdurstiger – Mensch. Und bodenständig in dem Sinn, dass er mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht.

»Die Sterne werden uns gehören! Wir müssen nur daran glauben!« Genau so formulierte Reginald Bull seine Hoffnungen eine Woche vor dem Start der STARDUST zur ersten bemannten Mondladung der Menschen. Und er hat recht behalten.

Bully ist ein Mensch, der seine Pflicht in den Vordergrund stellt, der aber auch sein Leben genießt, sobald es ihm die Zeit dafür lässt. Er ist, wenn man so will, ein Typ zum Pferdestehlen, und wer mit ihm befreundet ist, kann sich glücklich schätzen. Reginald Bull verspricht nichts voreilig oder unüberlegt, doch was er verspricht, das hält er ein.

Eine gewisse Zurückhaltung mag schuld daran sein, dass er oftmals als ewig Zweiter verkannt wird. Er ist in der Etappe besser zu Hause als viele andere, weil er eben auch oft genug gezwungen war, sich selbst zurückzunehmen; trotzdem kann er jederzeit in vorderster Front seinen Mann stehen. Er kann nachdenklich sein und aufbrausend, charmant und im nächsten Moment schon bärbeißig – dabei ist und bleibt er ein ehrlicher und geradliniger Typ.

Alexandra Trinley: In welcher Situation befindet er sich seit seiner Rückkehr in die Milchstraße?

Hubert Haensel: Zweifellos in einer Übergangssituation. Zudem in einem Widerstreit, der ihm weitaus stärker zu schaffen macht, als er es jemals zugeben und sich selbst eingestehen würde. Furcht und Vorsicht vermischen sich für ihn zu einem Zwang, dem er liebend gern entkommen würde, genau das aber nicht kann – zumal er nicht weiß, was wirklich Sache ist.

Ich meine das Problem seines chaotarchisch geprägten Zellaktivators. Bully hat es geschafft, in die Milchstraße zurückzukehren, und doch hat er es lange Zeit vermieden, sich bei Perry Rhodan oder auf Terra zu melden. Weil die Möglichkeit besteht, dass der Aktivatorchip ihn zu einer Art trojanischem Pferd macht. Außerdem hat er erstmals wirklich eine Familie, das heißt, Frau und Tochter. Seine Tochter aufwachsen zu sehen, ist für ihn eine neue Erfahrung, die er als potenziell Unsterblicher genießt.

Über diesem Glück schwebt leider der Schatten der chaotarchischen Prägung. Vielleicht will Bully gerade deshalb so nah bei seiner Tochter sein, damit er rechtzeitig eine Bedrohung erkennen und eingreifen kann, falls Shinae beeinflusst wird. Und ob sein Verhältnis zu seiner Lebensgefährtin wirklich völlig ungetrübt ist, wissen wir nicht, immerhin war Toio Zindher am Tod eines seiner Freunde beteiligt.

Andererseits ist Reginald Bull als nahezu Unsterblicher ein Mensch, der verzeihen kann. Er mag für gewisse Zeit nachtragend sein, doch irgendwann gewinnt seine pragmatische Seite die Oberhand. Zumindest bilde ich mir ein, ihn in der Hinsicht gut zu kennen. Aber wer weiß das schon so genau, schließlich hat jede Situation ihre Besonderheiten.

Alexandra Trinley: Was interessiert dich persönlich so sehr, dass du dich derartig intensiv mit Bullys Rückkehr beschäftigst?

Hubert Haensel: Bully selbst. Das Verhältnis zu Toio Zindher. Und wie er sich seiner Tochter annimmt. Dazu der Zwiespalt, sein Spagat zwischen einer nötigen Portion Vorsicht und dem inneren Drang, sich bei den Freunden zu melden. Das alles hätte viel Stoff für Präzision geboten, und ich denke, es versteckt sich manches zwischen den Zeilen. Schon die Umstände der Geburt seiner Tochter in Allerorten ...

Dann die Frage, ob Shinae vielleicht die Veranlagung für Psi-Fähigkeiten geerbt hat, womöglich beeinflusst durch die chaotarchische Prägung des väterlichen Aktivatorchips. Oh ja, jede Menge Stoff, wenn auch ohne vordergründige Action, den unmittelbar und offen anzusprechen noch mehr Platz erfordert hätte.

Deshalb hatte der Roman zu seiner Rückkehr auch Überlänge. Es ist sicher kein Geheimnis, dass ein Autor seinen eigenen Roman nachbearbeiten und dabei durchaus zehn bis zwanzig Prozent des Textes wieder streichen kann. Wäre mehr übrig geblieben, hätte diesmal nicht nur, wie bei PR 2917, die Leserseite entfallen müssen, sondern im schlimmsten Fall sogar das Titelbild – aber das will bestimmt kein Leser.