PERRY RHODAN-Fans: Interview mit Uwe Hammerschmidt – Teil 2 PERRY RHODAN-lesen in Shanghai

29. April 2014

Immer noch fragen sich viele, wer denn die PERRY RHODAN-Leser seien. Aus diesem Grund hat der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner eine neue Interview-Serie gestartet. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen bittet er Leute ins Rampenlicht, die die Buntheit und die Vielfalt des Leserkreises veranschaulichen sollen. Einige von ihnen haben außergewöhnliche Geschichten zu erzählen. Aber lest selbst ...

In der dritten Folge stellt der Autor einen Fan vor, der in China wohnt. Wegen seiner Länge wird das Interview in zwei Teilen erscheinen. Heute ist Teil zwei dran, gestern kam Teil eins.

Michael Marcus Thurner: Wie kommst du denn an deine PERRY RHODAN-Romane ran? Liest du E-Books, lässt du dich mit Hilfe eines Versandhändlers beliefern?

Utl_files/comic/images/news/news/Fan_Interview_Uwe_Hammerschmidt_2.jpgwe Hammerschmidt: Ein Freund hat mir jahrelang die Neuerscheinungen gekauft; aus verschiedenen Gründen habe ich nur wenige mit nach Shanghai genommen, die zahlreichen Hefte und aktuellen Ausgaben aber immer in Deutschland gelesen - und irgendwann war es so weit: Ich kam nicht mehr mit. Es gab zu viele Superintelligenzen, zu große Zahlen und auch zu viel Déjàvu.

Aber ich bin nicht erneut ausgestiegen. PERRY RHODAN NEO kam gerade richtig. Ich hinke allerdings etwas hinterher, bin gerade bei Band 39 (den Autor solltest du kennen). Aber ich lese auch den 400er-Zyklus der Erstauflage hier noch mal. Ich habe die Hefte nach Shanghai gebracht.

Ich bin ein altmodischer Leser: Ich brauche das Papier in meiner Hand.

Michael Marcus Thurner: Du liest also auch PERRY RHODAN NEO. Dort spielen die Ränkespiele zwischen Russen, Amerikanern und insbesondere Chinesen eine wesentlich größere Rolle als in der Erstauflage. Ich weiß nur zu gut, wie schwer es mir gefallen ist, das Wesen eines chinesischen Militärs zu beschreiben, ohne in Stereotypen zu verfallen. Siehst du die Arbeit der Autoren in der Charakterzeichnung denn als ausreichend gelungen an?

Uwe Hammerschmidt: Wieder eine schwierige Frage. Zunächst mal finde ich die Charakterisierungen in PERRY RHODAN NEO (natürlich) wesentlich gelungener und differenzierter als die in den Anfängen der Originalserie. Und natürlich bleiben für mich bei aller Nähe und Begegnungen hier in China und in anderen Ländern viele Barrieren, besonders die Sprache(n)! Aber ich war schon vorher fest davon überzeugt: Die Unterschiede zwischen Nationen, Rassen, Kulturen sind gar nicht so groß. Ich finde die Unterschiede zwischen den Geschlechtern (ja, ich frage auch nie nach dem Weg und werde nie verstehen, warum Frauen so viele Schuhe brauchen ...) oder Stadt- und Landbewohnern viel größer.

Und letztendlich: Jeder Mensch ist anders! Eine Sache, die mein PERRY RHODAN-Vergnügen immer getrübt hat (obwohl es auch genügend rühmliche Ausnahmen gab und gibt), ist die Charakterisierung der Protagonisten. Ich liebe gute historische Romane wie von James Clavell (sein »Shogun« war der erste »SF«-Roman, der mich vollkommen überzeugt hat, wegen der glaubhaften Schilderung der Begegnung vollkommen unterschiedlicher Kulturen) und George R. R. Martin (sein »Lied von Eis und Feuer« ist für mich eher eine fiktive Mittelaltergeschichte als Fantasy und sein Frühwerk »Die Flamme erlischt« war damals Ende der 70er – ebenfalls wegen der glaubhaften Charakterisierung fremder Kulturen – der beste SF-Roman für mich).

Aber so funktioniert PERRY RHODAN nun mal nicht, kann es nicht funktionieren. Wer möchte – trotz Autorenteam – schon monate- oder jahrelang auf den nächsten Band warten?

Und innerhalb dieser gegebenen Beschränkungen hielt ich PERRY RHODAN immer für ein beeindruckendes und beachtliches Gesamtwerk.

Michael Marcus Thurner: Verbindest du ein besonderes Erlebnis oder Ereignis mit PERRY RHODAN?

Uwe Hammerschmidt: Oh ja. Natürlich war es der Einstieg mit zwölf oder dreizehn Jahren, die Heftetauscherei und begeisterten Diskussionen auf dem Schulhof, die Aburteilung der Lehrer als Trivialliteratur und wie ideal so unterschiedliche Charaktere wie Alaska Saedelaere und Joaquin Manuel Cascal als Identifikationsfiguren für mich in der Pubertät waren. Es ist kein Wunder, dass Voltz und Kneifel immer meine Lieblingsautoren geblieben sind. Sie haben mich in dieser Zeit stark geprägt. Voltz mit seinem humanitären Weltbild, Kneifel mit seiner »weltmännischen« Attitüde.

Die Serie war/ist so stark Bestandteil meines Lebens, dass ich mich zu persönlichen Meilensteinen wie der ersten Liebe, der ersten Arbeit, Heirat, Geburten und Todesfällen fast immer auch an den jeweiligen PR Roman erinnere. Etwas bizarr ...

Michael Marcus Thurner: Die Autoren und die Redaktion freuen sich immer über konstruktive Kritik. Was gefällt dir bei PERRY RHODAN (NEO) nicht so gut, was würdest du gerne geändert sehen? Hast du Wünsche an die Serie?

Uwe Hammerschmidt: Bei der Hauptserie kann ich gar nicht mehr richtig mitsprechen, obwohl mir bei den wenigen gelesenen Heften der aktuellen Handlung das Wiedereinbringen der Naats und Tefroder natürlich gefällt.

Teks Tod: Ein weiterer Held meiner Pubertät ist weg. Was soll ich da sagen ... Mörder! (Grins)

Was mir als Altleser bei PERRY RHODAN NEO besonders gut gefällt: Wie damals vernachlässigte Figuren – zum Beispiel Eric Manoli – doch noch ihre Sternstunde erhalten. Wie Dinge alternativ angegangen werden: zum Beispiel Adams als Administrator, Crest statt Rhodan mit Zellaktivator. Der verstärkte kulturelle Unterbau, zum Beispiel bei den Mehandor. Das »gedrosselte«, glaubhaftere Tempo im Vergleich zur Originalserie. Scheer und Co. haben zu viel Gas gegeben, sie konnten ja nicht ahnen, wie erfolgreich und langlebig ihre Serie werden würde ...

Und natürlich liebe ich die Anspielungen auf die Schöpfer der Serie. Veränderungen wie bei Rico (kam der überhaupt in der Serie vor? Ich erinnere mich an ihn nur aus den ATLAN-Zeitabenteuern und die Comics, die Kneifel getextet hat) irritieren mich eher. Mit vollkommen neuen Figuren kann ich nicht so viel anfangen. Grundsätzlich erhoffe ich mir weiterhin mehr »Bodenhaftung« und kein zu frühes Abgleiten in den inzwischen so komplexen PERRY RHODAN-Kosmos. Ich bin halt Altleser, lese überwiegend mit Nostalgie, und freue mich mit jedem Band darüber, dass die Geschichte bunter und ohne das Schwarz-Weiß der Sechziger-Jahre neu erzählt wird.

Und ich freue mich über und für all die neuen Autoren die ins Team kommen, angesichts eines Marktes, der immer schwieriger wird. Mein Wunsch deshalb: bitte weiter so!

Erlaube mir am Ende noch etwas »Schleichwerbung«: Ich war nie ein Leserbriefschreiber, erst hier von Shanghai aus wollte ich bewusst ein Signal senden: PERRY RHODAN wird weltweit gelesen.

Ein weiterer Wiener (was für ein Zufall!), dem ich von hier (als dauerhafter Leser) geschrieben habe; ist Gerhard Förster. Gerhard hat zur Zeit meiner Ausreise nach China die Herausgabe der »Sprechblase« übernommen und macht das ganz vorzüglich. Und da er mit sehr viel Herzblut und zu kleiner Auflage arbeitet, möchte ich jedem Comic-Interessierten PERRY RHODAN-Leser auch die »Sprechblase« empfehlen. Es gab auch schon mal ein Heft mit dem Schwerpunkt PERRY-Comics ...

Und zuletzt: Mein Rechtschreibprogramm kennt den Begriff »Terraner« nicht ...