PERRY RHODAN-Fans: Interview mit Udo Claßen – Teil 2 Ein kritischer PERRY RHODAN-Sammler

1. Juli 2014

Wer sind eigentlich die PERRY RHODAN-Leser? Eine Frage, die immer wieder gestellt wird. In seiner Interview-Reihe präsentiert Michael Marcus Thurner  diesmal einen besonderen Fan. Wegen seiner Länge wird das Interview in zwei Teilen erscheinen. Heute ist Teil zwei dran, gestern kam Teil eins.

Michael Marcus Thurner: Wie war es denn früher, in den Zeiten vor Email und Internet?

Udo PERRY RHODAN-Fan Udo Claßen (Bild: Udo Claßen)Claßen: Zuvor musste ich Adressen finden. Dann musste ich anfragen ob es dem Autor denn recht wäre, wenn ich ihm die Romane zuschickte. Und eine Rückpostkarte musste natürlich beigefügt sein. Wenn sich der Autor dann bequemt hat, bekam man bald eine Antwort. Aber auch nicht immer ...

Auf Cons gab es Autogramme, ich habe Autoren zu Hause besucht, z.B. Klaus Mahn zweimal in Florida. Die Autoren, die in meiner näheren Umgebung wohnten, sowieso. Ich war auch bei Francis auf einer seiner legendären Gartenpartys, ich hatte Treffen in Wien auf dem Schwedenplatz in einem Eiscafé ... Ach ja, das waren du und natürlich Leo Lukas.

Auch wurde ich von Autoren als Figur verbraten und zitiert. Zum Beispiel im Jubiläumsband 5: »Der Weiße Schrein«, Jubiläumsband 6, »Reise der Stardust«, PERRY RHODAN 1177 Seite 12 unten links, PERRY RHODAN 1297 Seite 48 unten links, PERRY RHODAN 1310 im Personenkästchen als Anagramm, im Werkstattband ...

Ich habe alle Autoren kennengelernt. Nur einen nicht, und das tut mir heut noch weh: den Willi Voltz.

Michael Marcus Thurner: Wie gehst du vor, wenn zum Beispiel wie gerade eben Tanja Kinkel einen Gastroman abliefert?

Udo Claßen: Das ist von Fall zu Fall verschieden. Ich respektiere die Intimsphäre der Autoren und gebe nichts an Andere weiter. Aber ich kann anfragen. Autoren, die keinen Kontakt wünschen, fragt dann der Verlag an. Das macht der Bolli (Anmerkung: Klaus Bollhöfener, Marketing-Mitarbeiter beim Verlag Pabel-Moewig) für mich, ein feiner Kerl übrigens.
Tanja Kinkel hat eine Internet-Seite, und da werde ich anfragen.

Michael Marcus Thurner: Ist für dich diese ganz besondere Sammlung eine Investition, hat sie also einen »Wert«?

Udo Claßen: Sicher hat die Sammlung einen Wert. Aber der ist eher ideell. Für die Nummer 1 mit Autogramm bekommt man sicher ein Schweinegeld. Auch für einige andere Dinge, die ich besitze. – Aber die normalen heutigen Nummern? Der Wert einer Sache ist ja nur so hoch, wie ein Anderer dafür bereit ist zu zahlen.

Die Sammlung ist auch größer, als du ahnst. Ich war ja schon 1984 im Guinness-Buch der Rekorde mit über 6000 signierten Exemplaren! Die heutige Sammlung besteht aus 12.100 signierten Heften, Taschenbüchern und so weiter, dazu kommen noch 3 420 unsignierte Exemplare und an die 1600 Comics.

Neben PERRY RHODAN und ATLAN habe ich etwa alle TERRA-Reihen, DRAGON, MYTHOR, »Dämonenkiller«, »Seewölfe«, »Soldatengeschichten«, »Rolf Torring«, »Jörn Farrow«, »Galaxis« mit allen Taschenbüchern; von Bastei das ganze Programm, abgesehen von »John Sinclair«, dazu kommen noch »Ren Dhark« und »Raumschiff Promet«. Das Sammeln macht mir Spaß, bereitet mir aber auch eine Menge Mühen.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zum Schluss noch zur Serie selbst, zu PERRY RHODAN: Wie gefällt dir die derzeitige Entwicklung, bist du mit der Handlung zufrieden oder nicht?

Udo Claßen: Da bin ich geteilter Meinung. Einerseits gefällt mir die Story gut. Aber der Laren-Kram war damals schon nicht so mein Ding, und ich meine, das sollte man nicht wieder aufwärmen. Ich teile Wim Vandemaans Auffassung nicht, dass der Grund für die damalige Laren-Invasion noch unbekannt ist. Für mich kam in diesem Zyklus ganz klar heraus, dass es um »Machterweiterung« ging. Punkt.

Sehr sauer aufgestoßen hat mir der Tod von Roland Tekener. Die Romane dazu waren gut und spannend geschrieben, keine Frage; dass hin und wieder mal einer abtreten muss, ist auch klar. Aber es gibt etliche Langweiligere unter den Chipträgern. Zwingend notwendig ist meiner Meinung nach das Verbleiben von Alaska Saedelaere in der Serie.

Ich lese gerne Romane von Frank Borsch. Das wird mir aber wegen PERRY RHODAN NEO verwehrt. Ich halte NEO für überflüssiger als einen Kropf.

Ich verstehe, dass der Verlag und die Autoren Geld verdienen wollen. Einen Aufguss wie NEO muss es aber nicht sein. Es gibt genug andere Möglichkeiten, siehe PERRY RHODAN-Stardust.

Mir haben kurze Probelesungen bei NEO gereicht. Im ersten Band war es bereits der erste Satz: »Rhodan lächelte auf Befehl ...« Also, mein Rhodan lächelt ja, aber nicht auf Befehl.

Auch wie sich der Busfahrer in der Leseprobe zu NEO 50 verhält, das ist unmöglich. Ein Kind der heutigen Jahre würde sich das schon mit der Antwort: »Das geht dich einen Scheißdreck an!« verbieten.

Michael Marcus Thurner: Ich seh das nicht so, Udo. Vor allem denke ich, dass du von einigen Passagen und Leseproben nicht auf die Inhalte einer ganzen Serie schließen solltest ...

Udo Claßen: Da hast du Recht. Man sollte von kurzen Leseproben nicht auf die Serie schließen. Das tue ich auch nicht, kann aber nicht alles anführen. Ich lehne NEO ab, weil man Respekt vor der Leistung der Altautoren haben sollte. Das mit den beiden Leseproben sind bloß Beispiele. Was finde ich, wenn ich alles lese?

Solange man nicht eine fehlerfreie Erstauflage hinbekommt, sollte man sich nicht um Überflüssiges kümmern ... und eine PERRY RHODAN-Serie gibt es nun mal schon.