PERRY RHODAN-Fans: Interview mit Joachim Paul – Teil 3 PERRY RHODAN-Leser und Politiker

19. März 2015

Immer wieder stellen wir uns selbst die Frage: Wer sind eigentlich die PERRY RHODAN-Leser? Auch Medienvertreter oder Buchhändler wollen das gelegentlich wissen.

Aus diesem Grund hat der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner eine Interview-Serie gestartet. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen bittet er Leute ins Rampenlicht, die die Buntheit und die Vielfalt des Leserkreises veranschaulichen sollen.

In der sechsten Folge stellt der Autor einen Fan vor, der seit 2012 hauptberuflicher Politiker ist: Joachim Paul, Jahrgang 1957, ist Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Er übt für die Fraktion der Piratenpartei in diesem Landtag zudem das Amt des Fraktionsvorsitzenden aus.

Wegen seiner Länge erscheint das Interview in vier Teilen. Teil eins behandelte am 17. März eher allgemeine Themen. Gestern ging's unter anderem um Politik im Allgemeinen, heute spricht man über PERRY RHODAN, und morgen diskutieren die beiden Autoren das Thema Urheberrecht ...

MicJoachim Paul (Foto: Yaroslav Dimont)hael Marcus Thurner: PERRY RHODAN simplifiziert. Uns Autoren wird es wohl nur selten gelingen, zum Beispiel den Beruf eines Politikers in einer fiktiven Welt darzustellen. Ich persönlich bemerke das dann, wenn ich die »galaktopolitische Situation« beleuchte und ganz genau weiß, dass ich höchst oberflächlich bleiben muss. Es würde den Leser ja auch kaum interessieren, Details eines politischen Hickhacks zu lesen. Aber hättest du gerne eine realistischere Darstellung der Politik bei PERRY RHODAN, oder ist das für dich kein Thema?

Joachim Paul: Doch, das ist ein Thema, aber ihr macht das doch recht gut und genau in der richtigen Dosierung, finde ich! Aufpassen sollte man bei der Schilderung des Geschehens in Parlamenten und Kommissionen, also z.B. früher die GAVÖK, heute das Galaktikum. Im wirklichen Leben gibt es – heutzutage – in Parlamenten keine echten Debatten. Ein Plenum dient lediglich dem argumentativen Schlagabtausch für die Öffentlichkeit.

Ein »Oh, der Abgeordnete Paul hat da aber gerade etwas Interessantes gesagt, da müssen wir vor der Abstimmung nochmal drüber nachdenken.« gibt es nicht. Das ist leider so. Alle Standpunkte stehen vorher fest und werden manchmal innerhalb der Ausschüsse, meist jedoch in den einzelnen Parteien oder in Koalitionen bestimmt. Hier ist also eine sparsame und gleichwohl spannende Schilderung des »Behind the lines« angezeigt. Aber das macht ihr doch schon. Arun Joschannan, Tormanac da Hozarius und so.

Etwas anderes sind Reden, hier kann man mal auf den Putz hauen und mit relativ geringem Aufwand punkten und viel Politisches oder auch Ideale zur Darstellung bringen. Zuletzt ein großes Kompliment an Verena Themsen für PR 2780, »Haluts Weg«. Bei Blo Rakanes emotionaler Rede über Freiheit an die Adresse der Onryonen hatte ich echt Gänsehaut. Ein Höhepunkt in diesem Roman.

Michael Marcus Thurner: Du liest PERRY RHODAN schon recht lange und hast einen guten Überblick über die Serie. Siehst du PERRY eher als Gesamtkunstwerk, geht es dir um einzelne Geschichten oder Figuren?

Joachim Paul: Das Gesamtkunstwerk ist für mich ein zentraler Aspekt. Das heißt auch, dass mich nicht alle Romane unbedingt gleichermaßen begeistern müssen. Aber vor diesem Hintergrund gibt es jede Menge liebevoll geschilderter Figuren und spannend erzählte, zum Teil außergewöhnliche Geschichten, die dem großen Ganzen erst den nötigen Glanz verleihen.

Dabei haben es mir neben den Hauptakteuren viele Figuren der »zweiten Reihe« besonders angetan. Als ich zu Schwarmzeiten in die Serie einstieg, konnten ein Freund und ich stundenlang über Dalaimoc Rorvic und Tatcher a Hainu schwätzen, auch diese besondere Alien-Freundschaft zwischen Sandal Tolk und Tahonka-No hat eine dichte Atmosphäre.

Ansonsten mag ich Figuren, die auf der Suche sind, und sei es nach sich selbst, wie z.B. Douc Langur, Nikki Frickel oder Eritrea Kush. Zweifler, wie Tro Khon oder Zerberoff, oder MacherInnen wie Filana Karonadse. Gut fand ich auch die Innen-Schilderung von Motoklon 109 als Netzwerk. Bei den Völkern waren es zuletzt die Lucbarni oder das Wiedersehen mit den Paramags, den Toithemi (der Roman ist von dir, ich weiß), die nochmal neue Aspekte in die Serie brachten. Beispiele, die für sehr viel mehr stehen.

(Soweit der dritte Teil des Interviews. Teil vier folgt morgen.)