PERRY RHODAN-Fans: Interview mit Christian Wehrschütz – Teil 2 Journalist des Jahres 2014 und PERRY RHODAN-Leser

3. November 2015

Christian Wehrschütz, geboren 1961, kommt ursprünglich aus Graz. Nach dem Studium sammelte er erste journalistische Erfahrungen im Print-Bereich und begann, seinen Sprachschatz zu erweitern. Seit 1991 ist er beim ORF (Österreichischer Rundfunk) tätig. Anfänglich beim Teletext und beim Hörfunk, ab 1999 als Korrespondent fürs Fernsehen, insbesondere für den Balkan-Raum und die Ukraine.

Christian spricht Englisch, Russisch, Serbisch, Ukrainisch, Französisch, Slowenisch, Mazedonisch und Albanisch. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Wie PERRY RHODAN-Autor Leo Lukas ist er Sturm-Graz-Fan.

In einem Interview sprach der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner mit dem Journalisten. Wegen seiner Länge bringen wir es in zwei Teilen; gestern war der erste Teil dran, heute kommt der zweite.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir jetzt zu PERRY RHODAN. Seit wann liest du denn die Serie?

Christian WehrschützChristian Wehrschütz: Seit 1971. Mein Vater hatte damals eine Operation, und während dieser Zeit, da er liegen musste, hat er zu lesen begonnen – und ich mit ihm. Der erste Roman war ein Planetenroman. Danach haben wir uns den Zyklus ab Band 150 nachgekauft. Der hatte einige starke Momente mit dem Kampf gegen Iratio Hondo und der Jagd nach den Zellaktivatoren.

Michael Marcus Thurner: Band 1000 und die Graffiti haben für dich eine markante Bedeutung. War dieser Roman für dich ein Schlüsselerlebnis? Steht die Person Perry Rhodan sinnbildlich für die »ideale« Menschheit? Verheißt er für dich Hoffnung?

Christian Wehrschütz: Das letzte Graffito in Band 1000 drückte für mich die geistige Substanz der Serie aus. »Perry Rhodan ist der Terraner ...« Das ist im Zusammenhang mit den anderen Graffiti gesehen extrem stark. Die Menschheit geht ihrer Bestimmung nach und findet ein einigendes Ziel zwischen den Sternen.

Es gab für mich viele andere starke, die Serie prägende Romane. Band 1 natürlich oder Band 50 mit dem Psycho-Duell zwischen Rhodan und Atlan. Dann zum Beispiel auch »Ein Freund der Menschen«, also Band 99 der Serie.

Selbstverständlich war der Andromeda-Zyklus für mich einer der Höhepunkte. Und, in letzter Zeit, der Kampf Perry Rhodans gegen die negative Superintelligenz KOLTOROC (Band 2499, »Das Opfer«), in dem Rhodan auf seine Ritteraura verzichten musste. Ganz generell war die Serie immer dann besonders stark, wenn sie eine Vision anbieten konnte. Die einer geeinten Menschheit oder dem Kampf für das Gute.

Ach ja: ES mag ich als Figur sehr gerne – und sein homerisches Gelächter.

Michael Marcus Thurner: Wie liest du PR, in Heftform oder als Ebook? Bist du stets am Stand der Dinge?

Christian Wehrschütz: Nach wie vor lese ich die Serie in Papierform. Ich habe ein Abo.

Ich bin eben nach drei Wochen am Balkan nach Salzburg zurückgekehrt, da hatten sich einige Romane angesammelt. Derzeit sitze ich an Band 2822 von einem gewissen Michael Thurner, und ich habe noch zwei weitere Hefte vor mir.

Michael Marcus Thurner: Liest du denn als politischer Beobachter aus der Serie Parallelen zu realpolitischen Geschehnissen heraus? Wie weit ist die Politik bei PERRY RHODAN mit der der Realität vergleichbar?

Christian Wehrschütz: Ja, ich ziehe selbstverständlich Vergleiche. Besonders stark ist mir das zum Beispiel rund um 9/11 so ergangen, da waren die Überlappungen zwischen Realität und Fiktion meiner Meinung nach besonders stark spürbar.

Ich mag auch Michael Thiesens »Zeitraffer«, die eine Zusammenfassung eines PERRY RHODAN-Zyklus bieten und es mir erleichtern, die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Ich bekomme dann Probleme mit der Serie, wenn sie zu stark ins New Age abschweift. Diesen Vorwurf muss ich William Voltz machen. Ich meine so Dinge wie der »Markt der Gehirne« (Anm.: Eine Handlungsebene im Zyklus »Das kosmische Schachspiel«, Bände 600 bis 649 und im Speziellen Band 623).

Bei der aktuellen Bedrohung durch die Tiuphoren finde ich einige sehr interessante Parallelen im Vergleich ihrer Kriegskunst und der früheren japanischen Kriegsideologie. So etwas gefällt mir.

Michael Marcus Thurner: Du bist sehr belesen und besitzt eine umfangreiche Bibliothek. Stellt PERRY RHODAN für dich eine willkommene Abwechslung zur Literatur dar, mit der du dich sonst beschäftigst?

Christian Wehrschütz: PERRY RHODAN bedeutet für mich Entspannung. Ich arbeite beruflich oft im roten Bereich. Wenn ich am Abend zu meinem Heft greife, dann kann ich abschalten. Dann muss ich mich in Gedanken nicht mit den politischen Spannungen in der Ukraine oder am Balkan beschäftigen, sondern kann entspannen.

Michael Marcus Thurner: Zum Schluss möchte ich gerne wissen, ob du bestimmte Wünsche an die Serie hast oder du etwas kritisieren möchtest?

Christian Wehrschütz: Perry Rhodan ist für mich hin und wieder ein zu großes Weichei. Da erwarte ich mir manchmal mehr Härte und Durchsetzungsvermögen. Damit meine ich natürlich nicht Unmenschlichkeit, aber weniger Selbstzweifel. In dieser Hinsicht steht mir Atlan oft näher, der auch wegen seines langen irdischen Daseins faszinierend ist. Diese historischen Science-Fiction-Romane habe ich immer sehr gerne gelesen.

Wehgetan hat mir übrigens, als Perry Rhodan plötzlich erblondete. Dieses Bild ist für mich zu klischeehaft: Ein blonder Held kämpft gegen das Dunkle im Universum.

Auch würde ich mir ab und zu einen anderen Beginn einer spannenden Rahmenhandlung wünschen. Was mir zum Beispiel gut gefallen hat, waren die ausschwärmenden EXPLORER-Flotten, aus denen sich dann Abenteuer ergeben haben. Also ein Vorstoß ins Neue und Unbekannte. Und wie ich bereits sagte: Ich will gerne eine Vision spüren und über neue Herausforderungen erfahren.

Aber ich lese nach wie vor sehr gerne. Manche Romane sind besser, manche weniger gut. Dennoch freue ich mich jede Woche auf den neuen PERRY RHODAN.