Michelle Stern – der etwas andere Lebenslauf Die PERRY RHODAN-Teamautorin gibt einen persönlichen Einblick in ihr Leben

2. Mai 2014

Ab Band 2750 übernimmt Michelle Stern die Betreuung der Leserkontaktseite sowie damit auch die Kommunikation mit den Leserinnen und Lesern. Der Roman ist seit heute im Handel. Nachfolgend gibt sie uns einen persönlichen Einblick in ihr Leben.

»Als ich auf die Welt kam, hatten sie vergessen, mir einen Kuli und Papier ans Bett zu legen. Wenigstens war es Juli und warm, was ein schwacher Trost ist, wenn man bedenkt, dass es wegen dieser Kuli-Nachlässigkeit zwölf Jahre gedauert hat, bis ich mein erstes Gedicht verfassen konnte.

Zwölf Jahre mit sinnlosem ›andere-Mädchen-im-Kindergarten-beißen‹, ›in-der-Schule-auf-Ferien-warten‹ und ›draußen-im-Freien-spielen‹. Dann gab es nach einem Umzug eine Krise, die ich irgendwie verarbeiten musste.

Da kommt wieder der Kuli ins Spiel. Mit Füllern und deren penetrantem Herumgetropfe hatte ich es nicht so. Also nahm ich einen Kugelschreiber und verfasste jede Menge Gedichte mit Reimworten wie ›Hand‹ und ›Land‹ und anderen ersten Ergüssen großer Kreativität.

Jetzt waren zwar Kuli und Papier im Überfluss vorhanden, aber niemand, den meine Werke interessierten. Irgendetwas musste ich noch ändern, denn ich wollte nicht nur schreiben, um Krisen zu bewältigen, sondern auch, um Leser zu begeistern. Aber wie?

Um das herauszufinden, gingen weitere Jahre ins Land. Weitere Gedichte entstanden. Dazu gesellten sich bald erste Geschichten und ganze Kurzromane.

In der Mittelstufe verfasste ich einen sarkastischen Text über unsere Schulklasse, der mir nicht nur Freunde einbrachte. Schon damals bemerkte ich, dass nicht jeder Mensch die gleiche Art von Humor hat und auch nicht jeder bereit ist, über sich selbst zu lachen.

Meinen Kugelschreibern machte das nichts aus. Ich hatte inzwischen Dutzende davon gehortet. Manchmal trug ich scherzhaft einen hinter dem Ohr, in Anlehnung an die coolen Schüler, die sich dorthin Kippen steckten.

Schon damals wollte ich Schriftstellerin werden, durch die Welt reisen, berühmt sein, eine Stunde am Tag schreiben und dann zehn am Pool liegen und mir von meinem Sekretär meine Fanbriefe vorlesen lassen. Und wenn es geldlich einmal knapp werden sollte, würde ich einfach für zehntausend Mark meine Unterschrift verkaufen, und schon wäre die nächste Monatsmiete gesichert.

In der Oberstufe erkannte ich, dass ich wohl doch erst einmal etwas arbeiten musste, ehe ich zehntausend Mark für meine Unterschrift erhielt. Also las ich alles, was in der Schulbibliothek stand, um mir beim Schreiben einen strategischen Vorteil zu verschaffen.

Ich stieg vom Kuli erst auf die Olympia dann auf den Computer um. Mit diesem göttlichen Gerät verbringe ich seitdem mehr Zeit als mit meinen engsten Freunden. Da ich dies schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren begriff, taufte ich meinen ersten PC auf den Namen ›Lady Oscar‹.

Pünktlich zum Abitur 1998 verfasste ich auf ›Lady Oscar‹ fingierte Goethe-Briefe und entdeckte dabei, wie viel Spaß es mir machte, Schreibstile zu kopieren. Aber auch eigene Geschichten entstanden weiterhin, die ich in einem Ordner sammelte, der immer dicker wurde.

Ich wusste, dass ich meinen Eltern nicht damit ankommen durfte, direkt nach dem Abitur Schriftstellerin zu werden. Aber es war auch unnötig, weil ich ohnehin studieren wollte. Einfach weil ich unglaublich neugierig darauf war, ob sie an der Uni genug Kulis hatten.

Also stürzte ich mich in das Abenteuer Uni Frankfurt und war doch ein wenig enttäuscht. Keine Pools, keine Fanbriefe, jede Menge Organisationschaos und in jedem Seminar andere Leute, sodass schwer Freundschaften entstehen konnten. Dafür jede Menge Arbeit am PC, bis es ›Lady Oscar‹ zu viel wurde und sie den Weg auf den Schrottplatz fand.

Als mein Prof mir nach dem Studium anbot, ich könne doch weitermachen, lehnte ich dankend ab. Ich hatte die Zeit im Studium für erste kleine Veröffentlichungen im Internet und mit zwei Kurzgeschichten in der Serie ›John Sinclair‹ im Bastei-Verlag genutzt, und war nach wie vor wild entschlossen, mir den Pool zu kaufen.

Also suchte ich mir Arbeit und schrieb parallel auf meinem neuen PC ›Buffy‹. Getreu meinem Vorbild Stephen King machte es mir dabei Spaß, die unterschiedlichsten Nebenjobs auszuprobieren und in verschiedene Berufszweige wie Call-Center, Altenpflege und Kommissionieren hineinzuschauen.

Ab 2007 gelangen mir nach und nach Veröffentlichungen im Bereich Erotik und im Bastei-Verlag in den Serien ›Maddrax‹ und ›Sternenfaust‹. Mein Lebenspartner bestand auf der Abschaffung von ›Buffy‹ weil er unbedingt einen sinnlos lauten Gamer-PC haben wollte. Das Ding hat noch immer keinen Namen, nennen wir es ›akustikale Kolonne Tret-mich‹.

Obwohl er ›Buffy‹ auf den Bauhof gebracht hat, habe ich Marco Jahnke 2009 geheiratet und heiße seitdem Stefanie Jahnke. Derzeit leben wir mit mehreren Fischen, einer Schlange und einem Beagle namens Diamond in Rodgau. Mit Plastikpool, was ein Anfang ist. Und sollte ich mir endlich einen leiseren PC kaufen, wird er wohl ›Mondra‹ heißen, weil das so schön zu ›Diamond‹ passt.«