Mein NEO-Bordbuch vom Juli und August 2015 Werkstattbericht von Michael H. Buchholz

7. September 2015

Während seiner Arbeit an aktuellen Romanen und Exposés beschäftigt sich Michael H. Buchholz auch stets damit, wichtige Details aufzuschreiben. Auszüge daraus liefert er in kurzweiligen Rückblicken – heute geht es um den letzten Juli- sowie die ersten August-Tage 2015 ...

31. Juli 2015 (oder auch: 10. März 2049)

Der große Tag ist da! Das Paket von VPM mit meinen Belegexemplaren ist pünktlich eingetroffen. Schere – Schnitt – Tara! Band 101 springt heraus, und zeitgleich ist er überall im Land zu haben. Im Original sieht das Titelbild noch besser aus als auf den Werbeplakaten, Dirk Schulz hat wirklich großartige Arbeit geleistet.

Ich erwiderte Tuire Sitarehs prüfenden Blick. Ob der Roman bei den Lesern gut ankommt? Meiner Literatur affinen Katze Maya (aufpassen jetzt!) jedenfalls scheint er zu gefallen – sie streckt sich schnurrend darauf aus und liebkost hingebungsvoll die glatte Fläche. Muss ich mir merken: Auch Tuire kann also gut mit Katzen.

7. August 2015

Die ersten Leserkommentare trudeln ein. Nein, die zitiere ich hier nicht. Aber was ich lesen darf, erfüllt mich mit großen Stolz. Danke, Leute!

8. August 2015

In der heutigen Korrespondenz mit Kai Hirdt (ja, Freunde, es ist ein Samstag, da arbeiten NEO-Autoren!) habe ich in plötzlicher Erleuchtung die »exponentielle Relativitätstheorie« entwickelt. Und das kam so ...

Hintergrund ist Kais Ankündigung, schon in Kürze sein Manuskript für Band 106 fertig zu haben. Ich schicke sofort ein schnelles Lob zurück, da Rüdiger und ich ihm ja erst vor kurzem das Exposé zusandten. Geschickt flechte ich sogar ein Zitat mit ein, das von Klaus N. Frick stammt: »Kai ist verdammt schnell.« Ich nicke beifällig, bestätige diese Einschätzung, drücke »Enter« und bin voller Vorfreude auf den Roman.

Kurz darauf macht mein Mac »bing!«, was soviel heißt wie: »Sie haben Post.«

Kai schreibt aufgebracht zurück: »Schnell? Schnell??? Laut Expo ist übermorgen Abgabe! Habe bei Klaus schon um Verlängerung gebettelt bis Donnerstag für die Überarbeitungen.«

Ungläubig blättere ich im Kalender. Der Mann hat Recht. Aber ich habe ihm doch eben erst ... Aber da steht's. Sechs Wochen ist es her. Und Rüdigers USA-Reise ist morgen auch schon wieder vorbei. Was ist nur mit meinem Zeitempfinden los?

Da überkommt es mich. Es muss sich um eine Art Zeitdilatationseffekt handeln, der nur Exposéautoren befällt. Je größer die Masse an Manuskriptseiten, Datenblättern, Transitionstabellen und sonstigem Beiwerk (wie galaktische Karten und Baupläne für exzentrische Fremdweltgebäude) anwächst, desto schneller vergeht außerhalb des von dieser Massenansammlung raumzeitgebeugten Kraten/-tarchen-Schreibtischs die Zeit. Für den daran schwitzenden Exponauten vergehen indes keine Wochen, sondern nur wenige und obendrein viel zu knappe Stunden ...

Alles klar. Da liegt sie erhaben vor mir: Die exponentielle Relativitätstheorie. Schlicht, klar, überwältigend. Ich halte bewegt inne. Eine Viertelminute lang träume ich zwar nicht vom Nobel-, aber vom Kurd-Lasswitz-Preis.

Bis mein Blick in den Spiegel fällt. Heißt es nicht, dass die Astronauten nach einem relativistischen Flug jung und knackig an ihren Ausgangspunkt zurückkehren? Für Exponauten scheint das nicht zu gelten. Mein Spiegelbild behauptet, ich sei um Jahre gealtert. Wäre ja auch zu schön gewesen.