Let’s do the time-warp ... the first time! – Teil 2 Zeitreisen und was man dagegen tun kann. Oder nicht! – Ein Werkstattbericht von Rainer Schorm

23. September 2016

Mit dem Roman »Der Kontrakt« beginnt eine neue Handlungsstaffel in der Serie PERRY RHODAN NEO. »Meister der Sonne« spielt im Jahr 2051 – sowohl auf der Erde als auch in den Tiefen der Milchstraße.

Rainer Schorm verfasste den Roman mit der Bandnummer 131, der seit heute erhältlich ist. In einem Werkstattbericht plaudert er augenzwinkernd über die Arbeit an diesem Roman. Wegen der Länge des Textes bringen wir ihn in zwei Teilen – gestern war Teil eins dran, heute ist es Teil zwei.

NEO-Cover Band 131 von Dirk SchulzEin »Herr Ungleich« spielt eine Rolle. Hm! Sonderbarer Name, aber die Expotarchen haben sich etwas dabei gedacht; davon muss man ausgehen. Zudem darf man die beiden nicht unterschätzen: Die Ideen haben meist unangenehm viel Substanz, Tiefe und sind darüber hinaus häufig auch noch eigenwillig.

Sprachlich ist eine solche »Vorstellungsrunde« eine Gratwanderung. Kommt man auf die politische Ebene, muss man in gewissen Grenzen Politsprech einsetzen, wenn’s authentisch wirken soll. Politiker reden, wie sie reden, weil es dafür gute, rhetorische Gründe gibt. Das gilt besonders für Reden in der Öffentlichkeit. An dieser Stelle grüßen Gruppendynamik und Massenpsychologie! Das wusste schon Seneca, und der war nicht nur ein guter Redner, sondern auch ein fähiger Rechner. Aber sicher wüsste er das!

Ein Mittelweg also. Dass es nicht ausartet, dafür wird Klaus N. Frick sorgen. Ich weiß, dass der Redakteur diese Art von Sprache ... hm, nicht sehr schätzt. Das ist eine extrem höfliche Formulierung. Gegen »Maßnahmen« zum Beispiel ist er regelrecht allergisch. Zu recht übrigens! Aber was soll man machen?

Ein Politiker ist ein Politiker ist ein Politiker. Ich mag diese Art zu sprechen persönlich ebenfalls nicht, nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen. Trotz meiner Aversion wird ein Mann wie Ngata, der deutlich wichtiger wird, nicht reden wie ein Handwerker, Schüler oder vielleicht der Kumpel aus der Kneipe.

Action, Spannung und normal laufende Handlung mit solchen Elementen in Einklang zu bringen ... einfach tief durchatmen und los!

Eigene Figuren müssen her. Solche, die die Veränderungen von zwei Jahren visualisieren können, ohne dass man ständig den »Erklärbären« spazieren führen muss. Bald zeichnen sich welche ab: Omar Shea, Janina Lefcourt, das Huhn oder Herr Dr. Brömmers mit seinem S-Frog zum Beispiel. Ob man danach jemals wieder etwas von diesem Wissenschaftler hören oder lesen wird? Das weiß nicht einmal ich.

Ich hoffe, dass mein Neologismus »Beengenieur« (Abgeleitet natürlich vom Beruf des Ingenieurs!) die Lektoratsstufen überleben wird. Die Expotarchen haben ein »Bee-to-be«-Programm ins Expose geschrieben. Aktuelle Bezüge sind im NEO-Umfeld möglich und wir alle nutzen die Möglichkeit; es darf nur nicht penetrant wirken.

Auf jeden Fall: Es ist schwerer, als man gemeinhin denkt, die Leser in eine neue Zeit mitzunehmen. Zwischen deutlicher und ausführlicher Erklärung und dem einfachen, kurzen Anreißen ist alles drin. Dazu die inhaltlichen Vorgaben: Zum Beispiel diese neuen, sehr sonderbaren Lebewesen ...

... es fehlen der Raum und die Zeit, um sie gleich zu Beginn intensiv zu schildern, obwohl ich das gerne getan hätte. Zeit und Raum werden konkret und knapp. Verträgt eine solche Zeitreise überhaupt einen Turbo?

Es ist ein Erstkontakt, nicht mehr. Das kennen wir alle aus dem wahren Leben. Wenn man einen Anderen zum ersten Mal sieht, kann die Erfahrung nur oberflächlich sein. Die Tiefe kommt später. Nun gut, einen Sitarakh trifft man hierzulande selten. Sind sie sympathisch? Eher nicht ... aber wer kann das zu Beginn sicher sagen? Die weiteren Bände werden es zeigen.

Ich fürchte, den Lesern wird nur eines übrig bleiben: Lest die Geschichten, dann wisst ihr’s! Mit Spaß, wie ich hoffe, denn sobald die voltz’sche Mauer durchbrochen war, stellte sich die Freude auch bei mir wieder ein. Damit endet dieser Teil der Zeitreise.

Mit einem Nullzeitdeformator wärs bestimmt leichter gewesen ... aber der konnte ja nur in der Zeit zurück! Technik von gestern, sozusagen.

Ich muss in die andere Richtung!