Interview mit Frank G. Gerigk (Teil 2) Telepathie oder Whisky? – Detektivarbeiten am Rande von Raumschiffen, Aliens, Bildschirmen und Wahnsinn

27. März 2013

Nachdem wir gestern den ersten Teil des Interviews mit Frank G. Gerigk gebracht haben, kommt heute die Fortsetzung.

Klaus N. Frick: In welcher Art und Weise hat dich Eckhard Schwettmann bei der Produktion des Buches unterstützt?

Frank G. Gerigk: Persönlich, moralisch, mit Lob, Enthusiasmus und geistigen Getränken. Ihn für dieses Buch zu begeistern war eigentlich nicht schwierig. Ich zeigte ihm einen großen Stapel meiner ersten Ergebnisse, die ich in den vorvergangenen vier Jahren zusammengestellt hatte, darunter einige der schönen kleinen Geschichten, mit denen das Buch vielhundertfach gefüllt ist, und ihm fiel geradezu die Kinnlade herunter. Die Zahnräder in seinem Kopf klickten so laut, dass ich es zu hören glaubte!
Wir beide sind ähnlich alt und haben beide einige Jahrzehnte Erfahrung in der Produktion von Druckwerken, und so kamen wir schnell vom Wünschenswerten (1500 Seiten, 3000 Abbildungen, 5-Farben-Druck, Hochglanzpapier, Atlas-Größe usw.) zum Machbaren. Das Thema hat uns immer wieder enthusiasmiert, denn ein ähnliches Buch über einen deutschen Künstler der Science Fiction mit so vielen spannenden Geschichten gab es ja noch nie. Wir wussten, dass wir Neuland betraten. Ja, sehr schnell waren wir auf einer sehr sachlichen Ebene; mal bremste er mich, mal bremste ich ihn. (Mal ehrlich: Ein Buch über einen außerhalb der Szene unbekannten deutschen SF-Illustrator – wer will das kaufen, und welcher Verlag ist so verrückt, so etwas aufzulegen?)
Wir verstanden uns persönlich auf Anhieb. Das hat uns die Arbeit nicht nur erleichtert, es war eher eine Voraussetzung. Eckhard Schwettmann hat so viel zu dem Buch beigetragen, dass ich ehrlich und dankbar sagen kann, dass es ohne ihn nicht so schön geworden wäre, wie es ist.

Klaus N. Frick: Es gibt durchaus Kritik an dem Buch. Unter anderem wird bemängelt, dass einige Bilder nicht »scharf« genug seien. Was sagst du dazu?

Frank G. Gerigk: Ich stimme dieser Kritik zu; mit dem Druck bin ich auch nicht zufrieden, er ist nicht perfekt, teils zu dunkel, und die großen Abbildungen teils zu unscharf. Hätte ich einen derartigen Proof von meiner Druckerei erhalten, so hätte ich den Druck nicht genehmigt. Ich weiß auch nicht, wie das kommen konnte, und habe den Verlag schon darauf hingewiesen sowie Eckhard Schwettmann dazu befragt. Ich vermute, er begibt sich im Moment (es ist noch wenige Minuten der 24. Januar) auf Fehlersuche.
Doch bleiben wir auf dem Boden: Der Druck ist nicht erstklassig, aber befriedigend. Es ist ein 1,6 Kilogramm schweres Buch mit einer vierstelligen Anzahl von Abbildungen. Ein Buch über einen einzigartigen Künstler, der in verschiedenen Metiers mit verschiedenen Materialien arbeitete. Für das, was das Buch bietet, ist der Preis überraschend niedrig. (Und erst recht das, was für den Autor davon übrig bleibt!)
Ursprünglich waren wir von einem Preis von etwa 50 Euro ausgegangen. Der Preis wird nach gewissen Erwägungen im Verlag bestimmt, in denen auch Material und Auflagenhöhe einfließen, welche wiederum die Druckkosten bestimmen. Das alles geht den Autor nichts an, und er wird hierüber auch nicht befragt.
Auch andere Kritik ist berechtigt: Ja, mal ist ein Bild abgeschnitten, mal gibt es einen Zahlfehler, usw. Aber wer mit einer begrenzten Zeit und einem begrenzten Budget (denn alle Arbeiten werden von Fachleuten gemacht, die bezahlt werden wollen) an einem derartigen Buch mit derartig viel Grafiken arbeitet, der kann per se in der ersten Auflage nicht sofort perfekt sein. Manchmal schießen die Fans mit ihren Beurteilungen einfach über das Ziel hinaus. Aber da jeder Fan etwas anderes erwartet, kann man es auch nicht allen recht machen. Damit muss man leben.
Ach ja, und am wenigsten Geld, erst recht am Stundenlohn hochgerechnet, erhält wohl der Autor. Ohne seinen Brotjob wäre er seit 4,5 Jahren schon verhungert!

Klaus N. Frick: Wann gibt es denn den finalen Johnny-Bruck-Bildband in opulenter Pracht?

Frank G. Gerigk: HAHAHAHAA! – Leider kann es diesen nicht geben. Das Werk von Johnny Bruck ist so groß und vielfältig – allein weit über 4000 erstveröffentlichte Titelbilder –, dass man immer nur Aspekte herausziehen kann, sofern man nur begrenzten Platz hat. Diese Aspekte wiederum interessieren meist nicht den Großteil der Fans und könnten nur in kleinen Auflagen verkauft werden, was wiederum den Preis in die Höhe treibt, was wiederum die Käufer zurückschrecken lässt, was wiederum die Auflage senkt, was wiederum den Preis weiter in die Höhe schnellen lässt ... usw. Letztlich sind solche Bücher allesamt unwirtschaftlich und für jeden Verlag ein Risiko.
Mit dem vorliegenden Buch haben wir einen verträglichen Kompromiss geschaffen, mit dem wir alle recht zufrieden sind. (Okay, wenn ich dem Verleger gegenüber einen Wunsch äußern dürfte, dann sollten alle kleineren Abbildungen im zweiten Teil mindestens doppelt so groß sein. Viele der Geschichten werden viel besser und offenbar, wenn die Abbildungen groß genug sind. Aber mehr Seiten kosten leider auch mehr Geld ...)
Im Moment wird bereits die zweite Auflage in Angriff genommen, denn die erste ist schon zum größten Teil verkauft. Dutzende von Kleinigkeiten sollten noch verbessert werden. Die meisten werden nur dem Fachmann auffallen – aber wegen jeder einzelnen Stelle bin ich schon mindestens einmal explodiert. (Heimlich, im Leisen, damit die Familie, die nebenan schläft, nicht aufwacht.) Ich hoffe, dann wird auch die Druckqualität etwas besser. Das sollte schon einmal eine weitere Annäherung an das hehre Ziel sein.
Und klar, sobald ich nicht mehr nach der verkauften Auflage, sondern nach der tatsächlichen Arbeitszeit bezahlt werde, mache ich mich sofort an das nächste Buch, zweifellos! Ich wüsste noch viele, viele Geschichten zu erzählen.
Es ist sehr traurig, aber viele Leser stellen Fragen oder erwarten Dinge, die eigentlich nur Johnny Bruck hätte beantworten können oder die Riege der alten Hasen, die mit ihm gearbeitet hat. Viele Antworten wissen weder seine Witwe Bonnie noch seine Tochter Katja, die ich beide kennenlernen durfte, noch der Verlag. Mit einem guten Whisky kann ich mich dem Geist von Johnny Bruck zwar annähern, doch die Zeit hat vieles bereits verschüttet.

Klaus N. Frick: Womit können wir eigentlich als nächstes von dir rechnen?

Frank G. Gerigk: Während ich an diesem Buch gearbeitet habe, geschäftlich und privat also zu 100 Prozent ausgelastet war, habe ich es dann doch noch geschafft, eine Anthologie herauszugeben, einen zweiten Sohn zu zeugen und eine Artikelserie im Bereich der Bautechnik zu beginnen.
Vielleicht wird Ende 2013 aus dieser Serie ein kleines Buch? Auch andere Bücher warten darauf, noch geschrieben zu werden. Ich habe mich noch nicht entschieden. Seit Jahren dräut ein geologisches Sachbuch in meinem Kopf.
Zunächst, wie gesagt, geht es an die Arbeiten für die zweite Auflage. Und die in der SOL erscheinende Serie über »Die Flieger des Johnny Bruck« sollte weitergeführt werden. Für den dritten Band des »Phantastischen Oberrheins« hätte ich längst eine Story abliefern sollen; einer Tageszeitung muss ich noch ein Interview geben, für einen anderen Verlag wäre eigentlich die Herausgabe einer phantastischen Krimi-Anthologie angedacht gewesen ...
Und ja, gelegentlich könnte ich auch mal früher ins Bett gehen. Fragen über Fragen!

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die Antworten!

Frank G. Gerigk: Es war mir ein Vergnügen, Klaus!