Interview mit Christoph Anczykowski – Teil eins Ein Risszeichner feiert Jubiläum

7. Oktober 2014

In den 70er-Jahren veröffentlichte Christoph Anczykowski seine erste Risszeichnung. Demnächst ist es sogar 2000 Bände her, seit er seinen Einstand in der PERRY RHODAN-Serie feierte. Aus diesem Grund führte der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner ein Interview mit dem Risszeichner.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in drei Teilen. Heute kommt der erste, morgen folgt der zweite Teil, übermorgen der abschließende Teil.


Michael Marcus Thurner: Christoph, ich gratuliere ganz herzlich zum nahenden Jubiläum! Du bist seit PERRY RHODAN-Band 791 bei der offiziellen Risszeichner-Crew mit dabei. Deine erste Arbeit entstand also vor nahezu 2000 Wochen, besser gesagt: vor 2000 PERRY RHODAN-Bänden ...

Christoph Anczykowski: Vielen Dank! Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass dies im Verlag bekannt wird. Eigentlich wollte ich mir bei Hubert Haensel nur die Mittelseiten von Band 2791 sichern, nachdem ich vor Jahren meinen potentiellen Jubiläumsband 1791 komplett »verschlafen« hatte ...


Michael Marcus Thurner: Wirst du dieses Jubiläum denn mit einer neuen Risszeichnung »feiern«?

Christoph Anczykowski: Siehe oben. Für diesen Termin muss ich mich endlich mal wieder ernsthaft ans Zeichenbrett setzen. Vorher entsteht wahrscheinlich noch ein Datenblatt als Fingerübung – schon, um die Tuschestifte zu »entstauben«.


Michael Marcus Thurner: Was meinst du: Hat sich dein Stil während dieser bald vierzig Jahre weiterentwickelt?

Christoph Anczykowski: Das hoffe ich doch! Angefangen habe ich als Schüler mit HB-Bleistift. Geodreieck und Karo-Papier. Mit einer geborgten Ellipsenschablone und einem 0,25-mm-Primus-Stift von Rotring ging es dann weiter, später kamen dann komplette Schablonen-Sets, Rasterfolien und Airbrush dazu. Heute verwende ich – wie auch alle noch mit der Hand zeichnenden Kollegen – so ziemlich alles, was der Markt für graphischen Bedarf zur Verfügung stellt.

Ganz am Anfang ging es oft nur um die reinen Aspekte des technischen Zeichnens (»wie konstruiere ich eine exakte Rohrbiegung« und ähnliches.). Vor allen Dingen dimetrisch genau und sauber musste die Risszeichnung sein.

Heute stehen dagegen die illustrativen Aspekte im Vordergrund. Wirkt die Darstellung ausreichend plastisch? Ist der Hintergrund eventuell zu überladen? Ist das Design interessant? Es geht darum, bei dem heutzutage mit visuellen Reizen übersättigten Leser die Aufmerksamkeitsspanne zu erhöhen und ihn dazu zu bringen, sich mit der Zeichnung möglichst etwas länger zu beschäftigen.


Michael Marcus Thurner: Lass uns mal zurückgehen in die Zeit deiner Anfänge als Risszeichner, es muss Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts gewesen sein. Da gab es einen Rudolf Zengerle, einen Bernard Stoessel und einen Ingolf Thaler ...

Christoph Anczykowski: Eingestiegen bin ich im Jahr 1976. Ingolf Thaler hatte zu dieser Zeit schon wieder aufgehört zu zeichnen – leider weiß heutzutage niemand mehr, was aus ihm geworden ist. Rudolf Zengerle konnte damals wegen einer Sehnenscheiden-Entzündung bereits nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, sodass Bernard Stoessel mit einer Risszeichnung pro Monat arbeitsmäßig völlig überlastet war.

Das war meine Chance. Der damalige Chefautor und Risszeichnungsredakteur Willi Voltz hat mich unter seine Fittiche genommen und mich bei den ersten professionellen RZ-Schritten unterstützt.

Es war damals noch eine völlig andere Zeit. Die Kommunikation erfolgte vorwiegend per Brief (»Sehr geehrter Herr ...«), ganz selten auch per Telefon. Die fertigen Risszeichnungen gingen im Original in einer Papprolle an die Risszeichnungs-Redaktion. Da hat man als Zeichner immer gezittert, dass alles mit dem Postversand klappt.

Ich erinnere mich gut daran, wie einmal eine meiner Zeichnungsrollen bei Willi Voltz im nassen Gartendreck gelandet ist und dann völlig aufweichte. Glücklicherweise konnte die betreffende Risszeichnung doch noch verwendet werden. Heute im Zeitalter des Internets und Graphik-Dateien wirken solche Geschichten sicherlich reichlich skurril ...