Interview mit Christoph Anczykowski – Teil drei Ein Risszeichner feiert Jubiläum

9. Oktober 2014

In den 70er-Jahren veröffentlichte Christoph Anczykowski seine erste Risszeichnung. Demnächst ist es sogar 2000 Bände her, seit er seinen Einstand in der PERRY RHODAN-Serie feierte. Aus diesem Grund führte der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner ein Interview mit dem Risszeichner.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in drei Teilen. Vorgestern kam der erste, gestern erschien der zweite Teil.


Michael Marcus Thurner: Hubert Haensel war fast zwei Jahrzehnte lang für die Koordination der Risszeichnungen zuständig. Wie was es denn vor seiner Zeit? Wer war der Kontaktmann im Verlag, wie funktionierte damals die Zusammenarbeit?

Christoph Anczykowski: Als Initiator der Risszeichnungen hatte Willi Voltz – neben seinen vielen anderen Aufgaben – auch das Amt des ersten RZ-Redakteurs inne. Nach seinem viel zu frühen Tod übernahm 1984 Horst Hoffmann dieses Amt. Da er direkt im Verlagsgebäude in Rastatt arbeitete, hatte das eine Menge Vorteile – er konnte zum Beispiel bei Bedarf direkt in die damalige Repro-Abteilung im Untergeschoss gehen und dort die Wünsche der Zeichner für den Abdruck besprechen.

Sein Nachfolger wurde Ernst Vlcek, der manchmal nur per Funktelefon in seiner Schreibklause auf einer Alm zu erreichen war. Als Exposé-Redakteur nahm er gerne Entwürfe von uns Zeichnern und integrierte diese in die Handlung. Günther Puschmann bekam damals die Exposés zugeschickt, um diese nach risszeichnungstauglichen Themen zu durchforsten.

Anschließend hatte Peter Griese das Amt des Risszeichnung-Redakteurs inne, das er bereits innerhalb der ATLAN-Serie ausgeübt hatte. Initial wirkte sein Umgangston als ehemaliger BND-Mitarbeiter etwas militärisch, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit haben sich jedoch Zeichner und Redaktion problemlos zusammengerauft. Wie auch Willi Voltz verstarb er völlig überraschend, und Hubert Haensel übernahm – für insgesamt 18 (!) Jahre, die bisher längste Dienstzeit eines RZ-Redakteurs.


Michael Marcus Thurner: Ich habe als Leser der Serie oftmals den Autor eines Romans erkennen können, allein am Stil seiner Schreibe. Bei den Risszeichnungen war das auch bedingt möglich. Ich denke da zum Beispiel an Manuel de Naharro, der sich manchmal nicht um Perspektiven zu kümmern schien und dennoch faszinierende Arbeiten hervorbrachte. Du arbeitest nach wie vor mit Tusche und verzichtest auf den Computer, auch das ist deutlich erkennbar. Ist Individualismus für dich wichtig bei den Risszeichnungen?

Christoph Anczykowski: Manuell zu zeichnen ist für mich persönlich immer noch die effektivste Form, um visuelle Ideen auf das Papier zu kriegen. Auch moderne Grafik-Software erfordert weiterhin sehr viel Vorabplanung, was die Kreativität einschränkt. Zudem verführt sie mitunter zu zeichnerischen Abkürzungen (Motto: »copy and paste«). Wenn ich mir heutzutage im Internet die elektronischen Speed-Paintings selbst professioneller Film-Designer im Internet anschaue, so erkenne ich da leider kaum noch stilistische Unterschiede.

Die meisten Risszeichner haben im Laufe der Jahre einen persönlichen Stil entwickelt, was dann aber mit dem Aufstieg der Graphik-Software leider teilweise wieder nivelliert wurde. Für mich ist die grafische Gesamtwirkung einer Risszeichnung sehr wichtig. In dieser Hinsicht müssen sich auch heutzutage die alten Arbeiten wie zum Beispiel die von Rudolf Zengerle durchaus nicht verstecken. Es wäre interessant zu wissen, wie er heutzutage mit einem PC umgehen würde.


Michael Marcus Thurner: Johnny Bruck hat gerne mal Freunde und Bekannte in seinen Zeichnungen mit einbezogen (ab und zu auch verarscht), bei den Autoren ist so etwas Gang und Gäbe. Hast du denn auch schon mal kleine, versteckte Bilder oder Symbole in Deinen Risszeichnungen untergebracht?

Christoph Anczykowski: Ich hoffe, ich verrate jetzt nicht zu viel – einige Fans sind ja in dieser Hinsicht sehr streng ... Natürlich ist in all den Jahren – nicht nur in meinen Zeichnungen – einiges an Insider-Jokes zusammen gekommen. Die sind manchmal sogar das Salz in der Suppe. Freunde und Bekannte von mir finden sich gelegentlich als zeichnerische Protagonisten verewigt – vorwiegend in den Datenblättern. Das Design der Schiffs-Aggregate erinnert mitunter an aktuell-reale Gebrauchsgegenstände – ein Rowenta-Bügeleisen war allerdings noch nicht dabei, das hatten wir ja schon woanders ...

Dafür gab es einmal eine Beiboot-Kabine mit dem berühmten Che-Guevara-Poster an der Wand. Der englische Admiral Nelson würde sich bei einigen von mir verwendeten Schiffsnamen an die Seeschlacht von Trafalgar erinnert fühlen. Selbst zu dem thematischen Dauerbrenner »mehr Sex in PERRY RHODAN« haben die Risszeichnungen in den 80er Jahren ihren Beitrag geleistet. Eine von ihnen schaffte es sogar in die amerikanische Neuauflage der PERRY RHODAN-Serie – vermutlich der Beweis dafür, dass amerikanische Zensoren Risszeichnungen vor dem Abdruck nicht mit der Lupe betrachteten ...


Michael Marcus Thurner: Eine technische Frage zwischendurch: Das Papier der Romanhefte ist nicht das Allerbeste. Musst du bei der Arbeit denn auf solche Dinge Rücksicht nehmen? Gibt es andere technische Parameter, auf die du achten musst?
Christoph Anczykowski: Aus Kostengründen kann eine Heftpublikation wie PERRY RHODAN-Serie nur auf billigen Zeitungspapier gedruckt werden. Dessen amerikanische Bezeichnung »Pulp« hat ja einer ganzen Verlagsbranche ihren Namen gegeben.

Wenn man dann als Zeichner sieht, wie gut selbst einfache Risszeichnungs-Fotokopien auf besserem Papier in einem Magazin Papier wie z.B. »Lodown« herauskommen, schluckt man natürlich erst einmal. Aber da ist wenig zu machen. Für einen möglichst optimalen Abdruck der Risszeichnungen in den Romanen gilt: Kontrast, Kontrast und nochmals Kontrast! Graue Zwischentöne oder zu feine Raster kommen oft nur verwaschen rüber.

Wobei ich auch schon erlebt habe, dass hochkomplizierte Risszeichnungen von Großraumern gestochen scharf abgedruckt wurden, während kurze Zeit später eine vergleichsweise einfache Arbeit total verpixelt auf den Heft-Mittelseiten erschien. Da scheint auch ein wenig die jeweilige Tagesform des Repro-Mannes im Verlag eine Rolle zu spielen.


Michael Marcus Thurner: Ich habe als Außenstehender den Eindruck, als wäre das Risszeichnungs-Team eine verschworene Gemeinschaft. Habt ihr denn auch privat häufigen Kontakt zueinander? Gibt es Telefon-Konferenzen zu bestimmten Themen, tauscht ihr euch untereinander aus? Was hat das Risszeichnungs-Journal (www.rz-journal.de) für euch für eine Bedeutung?

Christoph Anczykowski: Früher haben wir Risszeichner uns ein- bis zweimal im Jahr privat getroffen und zusätzlich brieflich und telefonisch kommuniziert. Im »Risszeichnungs-Journal« wurden jeweils die neuesten Arbeiten abgedruckt und besprochen.

Aber im Gegensatz zur den 80er-Jahren haben heute alle Risszeichner einen Beruf und ein Familienleben. Das »Risszeichnungs-Journal« wurde in der Zwischenzeit eingestellt, einige Zeichner haben die Risszeichnerei ganz aufgegeben. So hat sich der Kontakt in der letzten Zeit etwas gelockert. Teilweise erfolgt er noch über die elektronische »RZ-Sammelmappe«, die von Lars Bublitz betreute, nicht-öffentlich zugängliche Website der Risszeichner. Hier kann man immer noch seine neuesten Werke einstellen und diskutieren.

Nach dem Wechsel der Risszeichnungs-Redaktion zu Rüdiger Schäfer ist der Kontakt derzeit wieder etwas intensiver geworden – und wer weiß, vielleicht wäre ein neuer Risszeichner-Con eine nette Idee ...


Michael Marcus Thurner: Nun ist es doch schon wieder einige Jahre her, dass eine Arbeit von dir in PERRY RHODAN veröffentlicht wurde. Was darf man in Zukunft von dir erwarten?

Christoph Anczykowski: Wie schon eingangs angekündigt – die Heftmittelseiten von Band 2791 sind fest gebucht. Dann möchte ich gerne für den »Report« wieder ein paar Datenblätter machen, die in der letzten Zeit von uns Zeichnern ein wenig vernachlässigt wurden. Ebenso sind Risszeichnungen von Tefroder-Schiffen geplant, wobei sich aber aktuell die Übermittlung der entsprechenden Exposédaten wegen dem Wechsel in der RZ-Redaktion verzögert.