Herren und die SF-Autoren – Teil 2 mit Tom Hillenbrand Kolumne von Marc A. Herren

12. März 2015

Seit 1994 finden in Burgdorf (Kanton Bern, Schweiz) alle zwei Jahre die Burgdorfer Krimitage statt. Während zehn Tagen wird den Kriminalgeschichten in all ihren Erscheinungsformen gefrönt: Lesungen, Podiumsdiskussionen, Theateraufführungen, filmische und musikalische Vorstellungen ... ja sogar ein Krimilabor gibt es, in dem man innerhalb von 90 Minuten diverse Tatorte untersuchen und Verbrechen aufklären darf. Da Burgdorf bei uns gleich um die Ecke liegt und ich an einem eigenen Krimi werkle, wollten meine Frau und ich uns dieses Literaturfestival nicht entgehen lassen.

Neben dem Krimilabor suchten wir uns einen ganz besonderen Abend aus: Das »Schlitzohr in Kochschürze« ermittelte in einem Fall namens »Tödliche Oliven«. Das Schlitzohr ist niemand anderes als die Romanfigur Xavier Kieffer. Im Gegensatz zu all den Hauptkommissaren und Privatdetektiven, die normalerweise in Krimis ermitteln, ist Kieffer seines Zeichens Koch und Gourmet, der immer wieder in kulinarisch angehauchte Verbrechen hineingezogen wird.

Sein Erschaffer heißt Tom Hillenbrand, Jahrgang 1972; er studierte Europapolitik, volontierte an der Holtzbrinck-Jo»Tödliche Oliven« von Tom Hillenbrandurnalistenschule und war Ressortleiter bei Spiegel online. Ich kannte seinen Namen bereits von einer Besprechung seines Science-Fiction-Krimis »Drohnenland« auf der PERRY RHODAN-Webseite. Sie hat mir den Mund wässrig gemacht, und so war die Wahl des Leseevents eine einfache.

Der Clou: Während Hillenbrand seinen Luxemburger Koch ermitteln ließ, wurde uns von der Küche des Hotels Stadthaus ein feines Drei-Gang-Menu kredenzt. Passenderweise wurde zu der Geschichte der »Tödlichen Oliven« eine Oliven-Vorspeise serviert. Der Fall: Kieffer reist nach Italien, um seinen Schulfreund Alessandro Colao, einen Wein- und Ölhändler, zu besuchen. Aber Colao ist verschwunden, und Kieffer beginnt zu ermitteln. Er findet eine verlassene Mühle, Tanks mit seltsam riechendem Olivenöl und bewaffnete Männer, die Öl in einen Tankwagen pumpen.

Tom Hillenbrand versetzte seine Lesung mit allerlei kleinen Anekdoten aus der Welt des internationalen Olivenhandels. Wie kann es sein, dass Italien mehr Olivenöl exportiert, als es selbst produziert? Gibt es eine Ölmafia? Und was genau ist in den Flaschen Olivenöl mit dem Label »Extra Vergine«, das wir hierzulande kaufen können? Ich weiß nur, dass ich seither die Flaschen mit dem grünen Gold mit anderen Augen anschaue.

Der Abend mit Tom Hillenbrand, Xavier Kieffer und dem feinen Essen schmeckte in allen Belangen hervorragend. Tom kann nicht nur gut schreiben und vorlesen, er ist auch sonst eine überaus sympathisc»Drohnenland« von Tomm Hillenbrandhe Erscheinung. Als er mein »Drohnenland«-Exemplar signierte, hatten wir Zeit für einen kurzen Schwatz.

Ich freute mich zu hören, dass Tom PERRY RHODAN NEO liest. Eigentlich wäre es an der Zeit, dass wieder einmal ein ausgewiesener Gourmet im Perryversum seine Spuren hinterlässt. Mir kommt auf die Schnelle nur Dario da Eshmale in den Sinn, der von Arndt Ellmer wunderbar in Szene gesetzt worden war.

»Tödliche Oliven« ist ein unterhaltsamer und interessanter Roman, den ich allen Krimi- und Italien-Fans ans Herz legen kann. Geradezu hin und weg bin ich aber von Toms »Drohnenland«. Die nahe Zukunft mit allerlei fliegenden Drohnen, Datenbrillen und vielen anderen Gadgets zeichnet Hillenbrand detailreich, äußerst spannend – und manchmal etwas erschreckend. So real erscheint diese Welt unserer unmittelbaren Zukunft. Unbedingter Lesetipp für alle Krimi- und SF-Leser!
 

Marc A. Herren