Einmal Ghostwriter Historien-Kolumne von Falk-Ingo Klee

28. Juli 2016

(Vorbemerkung der Redaktion: Falk-Ingo Klee zählte zu den Autoren, die in den 80er-Jahren mit ihrer Science Fiction die Leser begeisterten. Vor allem bei der ATLAN-Serie sorgte er durch ungewöhnliche Charaktere für Aufsehen. In seinem Text »Einmal Ghostwriter« blickt er auf die frühen 80er-Jahre zurück.)

Eines Tages rief mich Günther M. Schelwokat an – oftmals nur »GMS« genannt – und sagte, er habe eine kleine »Fingerübung« für mich. Die Witwe des Science-Fiction-Schriftstellers W. D. Rohr sei völlig mittellos, und da habe sich der Pabel-Verlag entschlossen, die alten SF-Romane von Rohr als »W. D. Rohr-Taschenbuchreihe« auf den Markt zu bringen, um die Frau finanziell zu unterstützen. Sie sollte die Hälfte des Honorars für meine »Fingerübung« bekommen, ich die andere Hälfte. GMS zu widersprechen, wäre tödlich gewesen, also willigte ich in den Handel ein.

Eingepackt, als wäre es so wertvoll wie die »Goldene Bulle« im Original, per Einschreiben mit Rückschein und allem Brimbamborium, bekam ich eine dicke Leihbücherei-Schwarte aus dem Jahr 1952 mit – glaube ich mich zu erinnern – knapp 600 Seiten. Selbstverständlich las ich den Wälzer erst einmal, aber für mich mit meinem »Wissen« als langjähriger PR-Leser klang der Inhalt so, wie sich der kleine Moritz eine Begegnung mit Außerirdischen und ihren Raumschiffen vorstellte.

Zudem waren etliche Kapitel als deutlich erkennbare Lückenfüller eingestreut – da spazierten irgendwelche Menschen im Himalaya herum und philosophierten. All das hatte mit dem Thema nichts zu tun, es war Zeilenschinderei, wahrscheinlich, um auf den geforderten Leihbücher-Umfang zu kommen. Exotisch musste dieses asiatische Gebirge so wenige Jahre nach dem Krieg schon gewesen sein, aber für mich war es unbrauchbar.

Diese Kapitel flogen bei meiner »Fingerübung« raus, die restlichen Texte »bereinigte« ich dann und brachte sie behutsam in eine zeitgemäße Form, ohne Stil, Inhalt und Geist der Story zu verändern. Aufgrund des Buchumfangs machte ich zwei Taschenbücher daraus .

Die Bände 33 und 34 der »W. D. Rohr-Taschenbuchreihe« erschienen 1981. Im Impressum war GMS vermerkt, von Klee dagegen keine Silbe, weder dort noch auf dem Umschlag. Ich war damit zum Ghostwriter geworden – zum ersten und einzigen Mal ...

Falk-Ingo Klee