Doppelt genäht hält besser – Teil zwei Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

12. September 2014

(Anmerkung der Redaktion: In seinem aktuellen Werkstattbericht erzählt der Autor Rüdiger Schäfer von seiner Arbeit an den PERRY RHODAN-Stardust-Romanen 6 und 7. Aufgrund der Länge des Textes veröffentlichen wir ihn in zwei Teilen. Der erste Teil erschien gestern, der zweite Teil ist hier und heute dran.)

Gerade noch rechtzeitig vor meinem Abflug zu einem viertägigen Kurzurlaub in London traf das Exposé für Band 7 ein – erneut ein ziemlich wichtiger Roman, der die Entstehung und Motivation von Perry Rhodans großem Gegenspieler im Stardust-Minizyklus erklärt. Da meine beiden Freunde, mit denen ich London unsicher machte, gerne ausschlafen, ich dagegen ein Frühaufsteher bin, der auch am Wochenende spätestens um sechs Uhr morgens aus den Federn steigt, nutzte ich die Stunden vor dem gemeinsamen Frühstück im Hotel schon einmal für die Vorarbeiten. Ein Teil der Stardust-Miniserie ist also tatsächlich im Ausland entstanden ...

Nach meiner Rückkehr aus einer der schönsten und lebendigsten Städte Europas wartete bereits die erste Mail von Uwe Anton auf mich, in dem er sich mit meiner Arbeit zufrieden zeigte und lediglich einige Nachbesserungen bei der inneren Logik einforderte. Vor allem seine sogenannten First Reader, einige besonders kundige Leser, denen er wichtige Texte zur Überprüfung überlässt, hatten meinen Roman in Sachen Handlungslogik und Übereinstimmung mit dem Serienkosmos ausführlich kommentiert. Eine äußerst wertvolle Hilfe, auch wenn ich nicht jeden einzelnen Vorschlag übernahm.

Ich gebe zu: Die folgenden drei Wochen waren nicht ganz einfach, denn ich musste praktisch jeden Tag ein paar Stunden an Stardust arbeiten – und das neben meinem regulären Job. Die Wochenenden hatte ich mir freigeschaufelt und hockte teilweise komplette Vor- und Nachmittage vor dem Rechner. Kurz vor meinem Stardust-Termin standen nämlich noch die Abgabe der ersten Risszeichnung und des PR-Reports 480 für die Erstauflage auf dem Plan. Ja, im Juli gab es den ein oder anderen Moment, in dem ich mich fragte, ob ich mich da vielleicht doch ein bisschen übernommen hatte ...

Inzwischen hatten auch Hanka Jobke und Klaus N. Frick den Band 6 gelesen und geizten nicht mit Kommentaren. Ich investierte noch einmal einen Abend, um die wichtigen und in den meisten Fällen berechtigten Kritikpunkte des Lektorats einzuarbeiten. Zwar bekam ich für den Roman vom Grundsatz her viel Lob, doch wie so oft sind es die Kleinigkeiten, die einen ordentlichen Text zu einem guten Text machen.

Vor allem Hankas Anmerkungen, die ich aufgrund des Termindrucks erst nach Fertigstellung von Band 7 detailliert studieren konnte, haben mir viele neue Einsichten gebracht. Mit nur rudimentärer »Vorbildung« in Sachen Perryversum setzt sie naturgemäß ganz andere Schwerpunkte als ein Klaus N. Frick oder ein Frank Borsch bei NEO.

Mit Band 7 stellte ich immerhin einen neuen persönlichen Rekord auf. Ein kompletter Heftroman in dreieinhalb Wochen – Recherche und Vorbereitungszeit nicht mitgerechnet. 24 Tage am Stück trat ich jeden Abend (am Wochenende manchmal auch ganztägig) die Reise nach Far Away an und begleitete Perry Rhodan auf seinem Weg durch die Historie der Pahl-Hegemonie. Und vor allem lernte ich den mysteriösen Generex kennen. Sehr intim, wie ich hinzufügen möchte.

Mir war klar, dass der Generex, oder Las Quar, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, funktionieren musste. Er musste glaubwürdig als Bösewicht rüberkommen; seine Motivation musste stark und nachvollziehbar sein. Insofern räumte ich seinem Werdegang ein wenig mehr Raum ein, als im Exposé vorgesehen. Perry & Co. mussten entsprechend kürzertreten.

Thema einer kurzen Diskussion war eine ziemlich heftige Hinrichtungsszene im Expo, mit der Uwe die Grausamkeit des Generex plastisch demonstrieren wollte. Klaus N. Frick äußerte seine Bedenken, und ich versprach, in dieser Beziehung nicht über die Stränge zu schlagen. Während des Schreibens ergab es sich dann, dass ich die detaillierte Schilderung der Hinrichtung gar nicht brauchte, um unseren Antagonisten entsprechend zu positionieren, ja dass sie sogar aus dem Rahmen fiel und nicht zu der von mir gewählten Anlage des Charakters passte. So etwas merkt man sehr häufig erst mitten in der Arbeit, da sich Figuren in einem Roman vom Autor nicht immer vollständig kontrollieren lassen und manchmal eine Art Eigenleben entwickeln.

Ich konzentrierte mich sehr stark auf die psychologische Seite. Für mich ist niemand einfach nur »böse« oder »grausam«. Dabei interessiert mich stets die Frage am meisten, was jemanden antreibt, das zu tun, was er tut. Wenn eine Figur in Kauf nimmt, einen ganzen Sternenhaufen zu entvölkern, muss sie dafür einen sehr starken Grund haben. In insgesamt sechs Kapiteln versuchte ich, diesen Grund zu etablieren, so dass ihn auch der Leser als überzeugend und ausreichend akzeptieren kann.

Am 24. Juli war ich wie geplant fertig. Ein paar Tage später zeigte sich auch Klaus zufrieden und monierte lediglich ein paar stilistische Schönheitsfehler. Außerdem war er mit der Wechselwirkung zwischen Perry Rhodan und Eritrea Kush nicht ganz einverstanden. Da ich eine vierstündige Bahnfahrt nach Hannover (zum ACD-Jahrescon 2014) vor mir hatte und das Exposé für Band 10 bis zu diesem Termin nicht eingetroffen war, unterzog ich den kompletten Roman noch einmal einer Überarbeitung, passte einige Dialoge an und bezog ebenso die Hinweise von Uwes First Reader mit ein, die inzwischen ebenfalls vorlagen. So hatte ich tatsächlich bei zwei Gelegenheiten einen Jaroc mit Nackenschild beschrieben; diesen haben jedoch nur die Jaranoc. Dank der Aufmerksamkeit des First Readers konnte ich dieses Fettnäpfchen vermeiden.

Wirklich ausruhen durfte ich mich allerdings nicht, denn wenige Tage später hielt ich bereits das Exposé für Band 10 in den Händen – und war im ersten Moment erschrocken. Aber das ist ein Thema für den nächsten Werkstattbericht ...