Doppelt genäht hält besser – Teil eins Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

11. September 2014

(Anmerkung der Redaktion: In seinem aktuellen Werkstattbericht plaudert der Autor Rüdiger Schäfer über seine Arbeit an den PERRY RHODAN-Stardust-Romanen 6 und 7. Aufgrund der Länge des Textes veröffentlichen wir ihn in zwei Teilen. Der erste Teil kommt heute, der zweite Teil folgt morgen.)

Zum ersten Mal erfuhr ich Anfang Februar von der geplanten Miniserie PERRY RHODAN Stardust. Der PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick erklärte mir am Telefon in groben Zügen, worum es ging, und fragte schließlich, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Natürlich hatte ich, denn von einem Ausflug in die Handlungswelt der Erstauflage durfte ich bislang nur träumen.

Zwei Wochen später lud bereits Uwe Anton, ehemaliger Hauptserien-Expokrat und frisch ernannter Chefautor der Stardust-Miniserie, zur Vorbesprechung in sein Wuppertaler Privatdomizil. Neben ihm und mir selbst waren Hanka Jobke (verantwortlich für das Lektorat der zwölf Hefte) und Klaus N. Frick, sowie die Autorenkollegen Robert Corvus und Dennis Mathiak anwesend.

Während Klaus über Konzepte, Ziele und natürlich auch Honorare informierte, ging es nach den ersten beiden Stunden an die inhaltliche Diskussion. Zwar hatte Uwe ein grobes Gerüst darüber geliefert, um was es in der Serie gehen sollte, doch die oft langwierige und anstrengende Arbeit der Feinplanung stand noch aus. Immerhin legten wir an diesem Nachmittag die ungefähre Handlung der Romane sowie deren Autoren fest. Dabei muss ich wohl häufig die Hand gehoben haben, denn am Ende stand ich mit drei Aufträgen (Bände 6, 7 und 10) und somit mit einem Viertel des Gesamttextes da.

Das erste Exposé ließ ein bisschen auf sich warten, da Uwe zum einen nicht nur für die neue Miniserie tätig war, sondern noch andere Verpflichtungen hatte. Zum anderen legte ihn eine kurze Erkrankung lahm.

Mein offizieller Abgabetermin war schließlich der 10. Juli. Das gab mir zwar rund sechs Wochen Zeit, doch der Termin des Nachfolgeromans war bereits der 24. Juli, also gerade einmal zwei Wochen später. In zwei Wochen schreibe ich – selbst wenn ich Urlaub habe – keinen Heftroman, und so sah mein Plan vor, mit Band 6 früher fertig zu werden und dadurch für beide Manuskripte je vier Wochen zur Verfügung zu haben.

Zunächst war jedoch wieder einmal intensive Recherche angesagt. Zwar ist PERRY RHODAN-Stardust auch für Neulinge im Perryversum verständlich, doch natürlich spielt die Handlung vor dem Hintergrund der Ereignisse, die in der Hauptserie ab Band 2500 geschildert wurden. Außerdem sollten die Romane auch für die Stammleser interessant sein und einige offene Fragen beantworten, um die man sich in der Erstauflage nicht mehr hatte kümmern können.

Erschwerend kam hinzu, dass mir Uwe gleich zu Beginn einen dicken Brocken hinwarf. Ich zitiere vom Deckblatt des Exposés: »Dieser Doppelband stellt einen Wendepunkt im Stardust-Zyklus dar. Er beantwortet viele Fragen, die die Bände 1 – 5 aufgeworfen haben, etabliert die aktuelle Bedrohung für das Stardust-System und leitet bereits den Weg zum Finale ein.«

Somit verbrachte ich in den kommenden beiden Wochen einen Großteil meiner Freizeit damit, mich mit Begriffen wie Immaterielle Städte, TALIN, Jaranoc oder VATROX-VAMU vertraut zu machen. Wie immer war dabei die Perrypedia eine wertvolle Hilfe; zudem verschickte Uwe eine Anzahl von Datenblättern, die wesentlich detaillierter daherkamen (zum Beispiel eine fast dreißig Seiten lange Ausarbeitung über das Stardust-System). Als das Stardust-System in der PERRY RHODAN-Serie ausgearbeitet wurde, war der Wuppertaler Autor noch Expokrat der Erstauflage gewesen und konnte somit aus einem reichhaltigen (mit Hilfe von Datenpapst Rainer Castor erstellten) Fundus schöpfen.

Mir war relativ schnell klar, dass ich meine Aufmerksamkeit vor allem auf Timber F. Whistler konzentrieren wollte. Im Exposé war es mir freigestellt, wie ich die Informationen zu dieser wichtigen Figur an den Leser brachte, also entschied ich mich für Rückblicke in der Ich-Form. Die hatte ich schon in den ATLAN-Taschenbüchern geliebt. Am liebsten hätte ich den kompletten Roman für den dramatischen Weg des ehemaligen Stardust-Administrators genutzt, doch bei nur zwölf Heften und einer abgeschlossenen Geschichte ist so etwas natürlich nicht möglich.

Trotz (oder gerade wegen) der Bedeutung des Romans für den Zyklus achtete ich von Anfang an darauf, die Erklärungen zur PR-Kosmologie so unkompliziert und allgemein wie möglich zu halten. So verzichtete ich nach Absprache mit Uwe zum Beispiel auf das im Exposé sehr ausführlich dargestellte Steuersystem der Immateriellen Städte, da es für den eigentlichen Fortgang der Handlung nicht wichtig war. Hinzu kam, dass die zu vermittelnden Fakten ohnehin recht üppig waren, und ich eventuelle Neuleser nicht überfordern wollte.

Immerhin: Ich hatte kurz zuvor PR NEO 74 geschrieben, in dem ich ebenfalls eine Menge erklären musste, und dort sehr viel mit Dialogen gearbeitet. Schließlich wollte ich einen SF-Roman und kein Lexikon verfassen. Das hatte gut funktioniert, und so beschloss ich, es wieder so zu machen.

Dass 180.000 Anschläge (im Vergleich zu den 300.000 Anschlägen eines NEO-Manuskripts) ziemlich wenig sein können, wurde mir gerade bei der Whistler-Handlung schmerzhaft bewusst. Als PR-Fan hatte ich früher vor allem die Romane verschlungen, in denen sich der Autor in aller Ausführlichkeit um einen einzigen Protagonisten und dessen Werdegang kümmerte. Nun hatte ich noch zusätzlich Perry Rhodan und sein Gefolge im Gepäck. Figuren wie Kerat Tinga, Eritrea Kush oder Posimon sollten ja nicht nur Anhängsel sein, die man ab und zu erwähnt und ansonsten ignoriert, sondern nach Möglichkeit eine relevante Rolle spielen.

Während ich mit dem Schreiben gut vorankam, trudelten nach und nach die ersten Texte von Robert Corvus ein. Er hatte sich freundlicherweise bereiterklärt, seine Fortschritte in der Erstversion zu teilen, damit ich möglichst zeitnah über seine Interpretation der Exposés 4 und 5 Bescheid wusste. Wenn ich nicht Stardust schrieb, las ich also Stardust – und schlief dann abends bei den Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft vor dem Fernseher ein!

Dennis Mathiaks Band 3 konnte ich bereits in der Endfassung genießen, und das meine ich durchaus so, wie ich es hier schreibe. Der Nachwuchsmann kann richtig flott und spannend erzählen und ist definitiv eine Bereicherung für das Autorenteam. Da ein guter Teil meiner Geschichte in der Zeitzentrale der Immateriellen Stadt Yashildag spielte und diese mit der Zeitzentrale Marhannus mehr oder weniger identisch war, musste ich mich intensiv mit Dennis' Beschreibung der Verhältnisse beschäftigen.

Am 24. Juni schrieb ich das für viele Schriftsteller schönste Wort der Welt unter mein Manuskript: ENDE. Das ist – nebenbei gesagt – keineswegs nur reiner Selbstzweck. Die klare Kennzeichnung, dass und wo der Roman endet, verhindert, dass möglicherweise ein Teil des Manuskripts vergessen wird, weil die Datei defekt ist oder unvollständig abgespeichert wurde.

(Soweit Teil eins des Werkstattberichtes; Teil zwei folgt morgen.)