Die PERRY RHODAN-Serie und eine Rede – Teil zwei Eine Kolumne von Michael Marcus Thurner zu einer Rede des Journalisten Christian Wehrschütz

15. Dezember 2015

Der österreichische Journalist Christian Wehrschütz ist seit Jahren ein PERRY RHODAN-Leser. Wehrschütz gilt in Österreich als einer der renommiertesten Fernsehjournalisten, er berichtet hauptsächlich aus den Balkanstaaten und aus der Ukraine. Michael Marcus Thurner führte ein Interview mit ihm, und dieses wurde am 2. und 3. November auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht.

Der Journalist schickte dem PERRY RHODAN-Autor den Text einer Rede zu, die er einige Wochen zuvor im Salzburger Dom gehalten hatte – vor mehreren hundert Christen. Michael Marcus Thurner meinte dazu: »Wir sollten in unsere Romane wieder öfter einfließen lassen, dass diese Erde lebenswert ist und die Zukunft schön sein kann.«

Die Rede zeigt zudem, wie relevant die Botschaft der PERRY RHODAN-Serie auch im Jahr 2015 sein kann. Weil sie eine gewisse Länge hat, bringen wir sie in zwei Teilen – gestern war der Teil eins dran, heute folgt Teil zwei.

»Dazu zählt auch die Abkehr von der Phrase, dass Österreich eines der reichsten Länder der EU sei, denn für viele Österreicher ist das Leben längst ›kein Hit‹ mehr, wie eine Radio-Werbung lautet. Wer das nicht glaubt, den lade ich gerne ein, meine Gattin und mich zum Frühstücksdienst zu begleiten, wo wir hin und wieder aushelfen, wenn in einem der beiden Hotels, die meine ältere Tochter in Salzburg führt, beim Personal Not am Mann ist. Was kann getan werden? Dazu bietet das ehemalige Jugoslawien zwei gute Beispiele:

Das Erste ist eine in Bosnien und Herzegowina erfolgreiche österreichische Hilfsorganisation. Wenn sie in einem Dorf zerstörte Häuser einer Volksgruppe wieder aufbaute, renovierte sie stets auch einige Häuser der Mehrheitsbevölkerung, um Neid und Missgunst im Dorf zu vermeiden, die das Ziel der Flüchtlingsrückkehr gefährdet hätten.

Das zweite Beispiel bildet der amtierende slowenische Präsident Borut Pahor; im Wahlkampf war er zunächst krasser Außenseiter, mit einem Wahlkampfbudget von nur 30.000 Euro. Pahor erreichte seine Bevölkerung dadurch, dass er während des gesamten Wahlkampfs jeden Tag in einem anderen Beruf arbeitete; bei der Müllabfuhr, im Tierheim, am Bau, bei der Kartoffelernte usw. Das war natürlich auch medienwirksam, doch Borut Pahor hat wirklich gearbeitet, und so eine ganz andere Lebenswirklichkeit kennengelernt.

Wer immer wieder mit dem großen Elend konfrontiert ist, das Kriege hervorrufen, wer wie ich vor den Trümmern und den vielen Leichen des über der Ostukraine abgeschossenen malaysischen Passagierflugzeuges gestanden hat, könnte fast zwangsläufig auf die Idee kommen, dass der Mensch nicht die ›Krone der Schöpfung‹, sondern eine Fehlentwicklung der Natur ist, die einzige Spezies, die in der Lage ist, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Heimat ›Terra‹ zu vernichten.

Doch auch die Einsatzbereitschaft vieler Österreicher, vom freiwilligen Helfer bis hin zum Polizisten und Soldaten, zeigt, dass es eine andere Seite im Menschen gibt. Diese Bereitschaft zum Dienst an der Gemeinschaft gilt es einer atomisierten Gesellschaft als Wert entgegenzustellen.

Der Band 1000 der Science-Fiction-Serie PERRY RHODAN trägt den Titel »Der Terraner«. Darin bindet William Voltz den Serienhelden Perry Rhodan in seine Menschheit ein, und zwar durch Graffiti willkürlich ausgewählter Menschen in Extremsituationen, die er kommentarlos, den einzelnen Kapiteln voranstellt. Das Credo der PERRY RHODAN-Serie, derzeit wohl eine Negation der Realität, aber eine Welt, für die es sich meiner Ansicht nach zu kämpfen lohnt, beschreibt das letzte Graffito, das dem Serienhelden gewidmet ist:  

›Sein Name ist Perry Rhodan.

Er kennt die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit, die Niedertracht, die Angst, den Hass, den Neid und die Sinnlosigkeit.

Er kennt das alles aus eigener Erfahrung, denn er ist einer von vielen Milliarden Menschen.

Er kennt aber auch die Hoffnung, den Mut, die Liebe, die Hilfsbereitschaft, die Kreativität. Die Größe und die Erfüllung.

Er kennt das alles aus eigener Erfahrung, denn er ist einer von vielen Milliarden Menschen.

Er glaubt nicht, dass der Mensch das Produkt des Zufalls in einem chaotischen Kosmos ist.

Er glaubt, dass tief in jedem Menschen eine unstillbare Sehnsucht verankert ist, seine kosmische Bestimmung zu erfahren.

Er glaubt nicht, dass der Mensch über den Rand des Abgrunds hinaustaumeln und auf einer von ihm selbst verwüsteten Erde untergehen wird.

Er glaubt, dass der Mensch sich als Teil eines wunderbaren Universums begreifen und voller Harmonie darin leben kann.

Perry Rhodan ist d e r Terraner.‹

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.«