Die neuen Expokraten bei PERRY RHODAN NEO – Teil 1 Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz im Interview

30. Juni 2015

PERRY RHODAN NEO wurde vier Jahre lang von Frank Borsch gesteuert; er schrieb die Exposés und Datenblätter zu hundert Romanen. Mit Band 101 geht die Exposéarbeit an das Gespann Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz über.

Der Autor Michael Marcus Thurner führte per E-Mail ein Interview mit den beiden. Wegen seiner Länge veröffentlichen wir es in mehreren Teilen. Heute kommt Teil eins, morgen ist Teil zwei dran, und Teil drei kommt übermorgen.


Michael Marcus Thurner: Michael und Rüdiger – ihr seid die neuen Exposéautoren von PERRY RHODAN NEO und bestimmt damit, wie es nach dem Ausscheiden von Frank Borsch mit der Handlung der Serie weitergehen soll. Wie ist es denn eigentlich zu dieser Entscheidung gekommen? Hat euch Chefredakteur Klaus N. Frick angerufen und gesagt: »Da habt ihr, und jetzt macht was draus?« Gab es im Vorfeld Redaktionssitzungen mit ihm und anderen Vertretern des Verlags?

Rüdiger Schäferdiger Schäfer: Ob und wie es mit NEO nach Band 100 weitergeht, war bereits während der Autorenkonferenz 2014 in Karlsruhe ein Thema. Es wurden verschiedene Möglichkeiten und Modelle erörtert, und irgendwann ließ Frank Borsch dann durchblicken, dass er nach vier Jahren NEO, NEO und noch mehr NEO gerne mal wieder etwas anderes machen würde, was ich sehr gut verstehen konnte.

Als Klaus mich schließlich bezüglich einer möglichen Nachfolge ansprach, war mir sofort klar, dass diese Aufgabe zwar ungemein reizvoll, aber sehr anstrengend sein würde. (Und aus heutiger Sicht weiß ich, dass ich den Arbeitsaufwand sogar noch unterschätzt habe.) Schließlich mache ich das alles neben meinem ganz normalen Vollzeitjob, sozusagen als Hobby nebenbei.

Andererseits bekommt man so eine Chance wahrscheinlich nur einmal im Leben: Ich hatte mit zehn Jahren meinen ersten PR gelesen, und nun sollte ich als Exposé-Autor die Geschicke von PR NEO mitbestimmen – einer der erfolgreichsten SF-Serien der letzten Jahrzehnte? Das klingt für jemanden, der dreißig Jahre lang Leser war und sich intensiv in der Fanszene bewegt hat, schon ein bisschen wie im Märchen ...

Auf jeden Fall wusste ich sofort, dass ich Michael dabeihaben wollte. Wir kennen uns schon eine halbe Ewigkeit, er ist eine wahre Ideenfabrik (ich vermute nach wie vor, dass das eine Paragabe und er ein Mutant ist) und hat ein unglaublich breites Allgemeinwissen. Außerdem haben wir schon in der Vergangenheit großartig zusammengearbeitet. Ich fragte also, ob er mitmachen würde, und zu meiner Freude und Erleichterung sagte er Ja.

Anfang März 2015 fuhr ich dann nach Rastatt, um mit Klaus Frick und Bettina Lang die Details zu besprechen – und dann ging es auch schon los ...

MMichael H. Buchholzichael H. Buchholz: Unser lang zurückliegendes Gesellenstück, die Konzeption der »ATLAN Fanzine-Serie«, hat zumindest dem Verlag und der Redaktion gezeigt, dass wir wissen, worauf wir uns da einlassen. Welchen Umfang dieses Einlassen aber tatsächlich annehmen würde, das ahnten wir allenfalls.

Ich habe noch nie soviele Daten ent- und wieder verworfen, zusammengetragen und hin- und hergemailt wie in den beiden vergangenen Monaten. Wobei wir beide ja zusätzlich in laufender Romanschreiberei eingebunden waren und sind. Was Frank da in den letzten vier Jahren geleistet hat, ist mir erst im Nachhinein deutlich geworden, und mein Respekt vor dem Ergebnis ist riesengroß.

Als Rüdiger mich fragte, ob ich bei NEO dabei sein wollte, gab es für mich überhaupt kein Zögern. Einer der ersten Sätze, die zwischen uns fielen, als wir uns kennenlernten, war sinngemäß: »Stell dir mal vor, wir beide würden für PR die Exposés verfassen ...« Damals war das für uns schiere Utopie. Heute ist es ein Traum, der mit NEO wahr wird. Und der auch ein bisschen was von einem Déjà-vu hat. Wer kann da »nein« sagen?


Michael Marcus Thurner: Rüdiger, Du bist ausgewiesener ATLAN-Spezialist, hast mehrere Heftromane und Taschenbücher zu dieser beliebten Figur des Perryversums beigetragen. Zur Zeit gestaltest du den PERRY RHODAN-Report, der vierwöchentlich in der PERRY RHODAN-Erstauflage als Beilage erscheint, bist im Fandom sehr aktiv und gehst nebenbei – bin ich fast versucht zu sagen – einem Brotberuf nach. Wie lässt sich das denn alles mit der Expo-Gestaltung vereinbaren, die ganz gewiss viel Zeit wegfrisst?

Rüdiger Schäfer: Zunächst: Meine Aktivitäten im Fandom sind bei nahezu null angekommen. Anders geht es auch gar nicht mehr. Einerseits bedauere ich das zwar, andererseits hat sich mit meiner Mitarbeit bei PR natürlich ein lange gehegter Traum erfüllt, und ich habe mir fest vorgenommen, diese Zeit in vollen Zügen zu genießen – wie lange sie auch immer dauern mag.

Ansonsten habe ich zwei große Vorteile. Zum einen komme ich mit vier bis fünf Stunden Schlaf aus, gehöre also zu den sogenannten Kurzschläfern (wie z. B. Leonardo da Vinci oder Napoleon Bonaparte). Selbst am Wochenende bin ich meistens schon vor fünf Uhr morgens wach. Zum anderen bin ich beruflich wie privat ein extrem strukturierter Mensch. Bevor ich einen Roman anfange, erstelle ich stets einen Szenen- und Terminplan, an den ich mich dann rigoros halte. Termine sind im Seriengeschäft essentiell, und Termindruck drückt auf die Kreativität. Insofern achte ich darauf, so etwas möglichst zu vermeiden, wozu natürlich unter anderem eine gewisse Disziplin gehört.

Außerdem überprüfe ich regelmäßig, ob ich mir nicht zu viel aufhalse, und justiere dann nach. Mit dem Alter wird man auch körper- und gesundheitsbewusster – zumindest gilt das für mich. Ich habe in den letzten Monaten 35 Kilo abgespeckt und treibe seitdem sehr viel Sport (Badminton, Joggen, Schwimmen, Radfahren, Inline-Skating). Ich war selbst überrascht, wie viel Spaß das macht und wie viel zusätzliche Energie so etwas freisetzt.