Der Clou beim Hörspielschreiben ... – Teil 2 Interview mit Christian Montillon

5. Februar 2015

Ab März 2015 startet die neue PERRY RHODAN-Hörspielserie, die unter dem Staffeltitel »Plejaden« veröffentlicht wird. Produziert werden die Hörspiele vom Zaubermond Verlag, die Exposés dafür verfasste der PERRY RHODAN-Autor Christian Montillon.

Sein Kollege Michael Marcus Thurner führte mit dem Exposéautor ein Interview, in dem dieser ein wenig über die Hintergründe seiner Arbeit plaudert. Wegen seiner Länge bringen wir das Interviev in zwei Teilen. Gestern kam der erste Teil, heute ist der zweite Teil an der Reihe.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zum Inhaltlichen: Aus der Vorankündigung zum Hörspiel Nummer 1 mit dem Titel »Die 144 Kammern« lässt sich herauslesen, dass Perry Rhodan und Gucky Hauptrollen übernehmen werden. Gibt es weitere bekannte Figuren aus dem PERRY RHODAN-Kosmos, die du übernimmst?

Plejaden 01: Die 144 KammernChristian Montillon: Der PERRY RHODAN-Leser wird noch andere als diese beiden Hauptfiguren wiedererkennen, d.h. es ist sehr gut (finde ich) in den Rhodan-Kosmos integriert. Aber es ist auch wichtig, dass man als Hörspielhörer nicht 100 rhodanische Fakten kennen muss.

Wer also PERRY RHODAN gar nicht kennt, aber gern Hörspiele hört, wird leicht alles verstehen und mitkommen.

Wer PERRY RHODAN kennt, hat noch mehr Spaß dabei, weil einfach der Gesamtkosmos erweitert wird.

Es tauchen Vertreter bekannter Völker auf, zum Beispiel. Aber die erklären sich von selbst, wenn man die Hörspiele hört.

Ein Hörspiel funktioniert ohnehin ganz anders als ein Roman ... hat andere Dramaturgien, Wirkungen, Effekte. Darum finde ich es auch super, dass es etwas völlig Neues in der Geschichte der Serie ist: Die Hörspiele vertonen keine vorliegenden Romane, sondern erzählen eine komplett neue (aber sauber eingebundene) Geschichte.

Diese Geschichte ist von mir für das Medium Hörspiele entwickelt worden; und gerade darum könnte ich es mir sehr interessant vorstellen, wenn gegebenenfalls der umgekehrte Weg gewählt wird: Wer weiß, ob daraus mal Romane werden, und wie die Geschichte dann umgeformt werden muss, um dasselbe Ergebnis in einem anderen Medium zu präsentieren. Finde ich sehr spannend!

Michael Marcus Thurner: Die Plejaden spielen erst seit recht kurzer Zeit eine prominente Rolle bei PERRY RHODAN. Warum habt ihr diesen Schauplatz gewählt? Bildet die Hörspielhandlung in gewisser Weise eine Ergänzung zu den Inhalten der Erstauflage?

Christian Montillon: Ja und nein – die Plejaden sind natürlich riesig und bei weitem nicht erforscht im Sinne von: Unsere Figuren kennen dort alles. Darum starten wir auch auf einer Forschungsstation.

Die Handlungszeit ist übrigens vor Band 2700, aber nach Band 2699, für alle, die sich auskennen. Eine ideale Zeit, um dem Hörer nicht tausend Erklärungen geben zu müssen. Hörspiel 1 startet mitten in der Geschichte, das heißt, schon nach wenigen Sätzen hat der Hörer ein Bild, eine Situation, eine dramatische Handlung, ist mittendrin.

Ich habe die quasi-fertige Sprach- und Effektefassung (»qfSuE«) gehört und bin begeistert davon. Diese von mir eben erfundene und zugegebenermaßen bescheuerte Bezeichnung bedeutet, dass das Hörspiel fertig ist, aber noch keine Musik enthält. Das klingt sehr seltsam, aber es zieht schon in dieser Fassung absolut rein. Ein Kracher, mit viel Action (ich wage mir gar nicht auszumalen, wie das erst mit cooler Musik klingt) ... ja, ich denke, merklich mehr Action als in späteren Folgen. Aber auch mit vielen Geheimnissen und Andeutungen. Die übrigens alle in den zehn angekündigten Folgen aufgelöst werden.

Michael Marcus Thurner: Die Unsterblichkeit spielt wieder mal eine Rolle. Sie begleitet uns seit Anbeginn der Serie. Was macht den Reiz dieses Themenkreises deiner Meinung nach aus?

Christian Montillon: Sie ist für jeden leicht verständlich als Thema – und sie ist erstrebenswert und erschreckend zugleich.

Michael Marcus Thurner: Kannst du uns ganz im Geheimen ein bissl mehr zur Handlung verraten? Wird es bereits bekannte Schauplätze geben, welche Völker spielen eine Rolle?

Christian Montillon: So ganz geheim? Hm. Es gibt einige Völker, die ich gern mag. Oxtorner zum Beispiel. Wobei in diesem Fall gar nicht so wichtig war, DASS sie auftreten – sondern wir mussten uns ganz neue Fragen stellen: Wie klingt z.B. ein Oxtorner? Wie klingt deren Heimatplanet oder wie klingt es, wenn man sich dort aufhält?

Es gibt auch eine sehr wichtige, sehr entscheidende Frauenfigur. Ich mag sie. Sie und ihre Rolle machten einen Großteil der oben erwähnten Exposés aus. Aus der Figur heraus entstand sehr viel Handlung – auch aus anderen Figuren heraus. Ich habe die zehn Einzelhörspiele von den Figuren her aufgeschlüsselt, nicht von der Handlung her. Das heißt, die Plots, die Kniffe entstehen ursprünglich aus den Charakteren; ich wusste, wo ich die Figuren hinhaben will, und habe daraus die Handlung entstehen lassen.

Michael Marcus Thurner: Werden die Hörspiele auch für Nicht-PERRY RHODAN-Leser begreifbar sein?

Christian Montillon: Ja, absolut. Das war auch ganz wichtig. Es ist eine Möglichkeit, die Gruppe der Hörspielhörer auf das Perryversum aufmerksam zu machen. Und diese sympathischen Leute sollen nicht die CD oder den Download betrachten und denken: »Hä?«

Michael Marcus Thurner: Gibt es eine genauer definierte Zielgruppe für die neuen Hörspiele? Richten sie sich an ein vorwiegend erwachsenes Publikum oder hofft man, zum Beispiel durch die Person Gucky auch jüngere Zuhörer für die Serie zu gewinnen?

Christian Montillon: Ich glaube (ohne es zu wissen), dass die eben erwähnte Gruppe der Hörspielhörer jedes Alter umfasst. Und diese Zielgruppe hätte ich gern als Hörer :-)

Gut, ein gewisses Alter braucht man schon, es ist kein Kinderhörspiel, aber ab einem »Jung-Teenager« bis zur »coolen Uroma« sollten alle die Sache genießen können. Ich bin beispielsweise sehr gespannt, wie mein Ältester mit 13 die Hörspiele beurteilen wird, wenn sie fertig sind – die musiklose Version habe ich ihm nicht vorgespielt.

Ich denke, diese Hörspiele hören ist wie »ins Kino gehen«. Nur eben ohne Bild. Die Effektkulisse ist grandios und bis ins Letzte durchgestaltet. Das hat mich echt begeistert. Und das kann ich ja mit gutem Gewissen sagen, weil das ja nichts mit meiner Arbeit zu tun hat. Ha!

Michael Marcus Thurner: Die »Plejaden«-Hörspiele sind auf zehn Teile festgelegt. Wird diese Handlung damit abgeschlossen sein oder kannst du im Falle eines großen Erfolges mit weiteren Geschichten »draufsetzen«?

Christian Montillon: Die Handlung ist abgeschlossen. Eine zweite Staffel der Hörspielserie halte ich für wahrscheinlich ... aber die wird eine neue Geschichte erzählen. Ich bin schon darauf gespannt, sie mir auszudenken.