Der Clou beim Hörspielschreiben ... – Teil 1 Interview mit Christian Montillon

4. Februar 2015

Ab März 2015 startet die neue PERRY RHODAN-Hörspielserie, die unter dem Staffeltitel »Plejaden« veröffentlicht wird. Produziert werden die Hörspiele vom Zaubermond Verlag, die Exposés dafür verfasste der PERRY RHODAN-Autor Christian Montillon.

Sein Kollege Michael Marcus Thurner führte mit dem Exposéautor ein Interview, in dem dieser ein wenig über die Hintergründe seiner Arbeit plaudert. Wegen seiner Länge bringen wir das Interviev in zwei Teilen. Heute kommt der erste Teil, der zweite Teil folgt morgen.

Michael Marcus Thurner: Christian, du zeichnest für die Inhalte zu den neuen PERRY RHODAN-Hörspielen verantwortlich, die im März 2015 auf den Markt kommen sollen. Die erste Frage, die sich mir aufdrängt, ist: Wie bringst du das zeitlich alles noch unter? Du bist Teil des Expokraten-Duos der PERRY RHODAN-Erstauflage, du schreibst nach wie vor sehr viele Romane für die EA und bist auch bei PERRY RHODAN NEO aktiv. Wirst du wegen der Hörspiel-Expos anderswo kürzer treten, oder verzichtest du einfach endgültig aufs Schlafen?

CPlejaden 01: Die 144 Kammernhristian Montillon: Ich schlafe mehr als in den letzten Jahren. Um mal damit zu beginnen: Meine Kinder sind älter geworden und stehen nachts nicht mehr (oft) vor dem ehelichen Bett, um uns zu wecken. Was auch deine Frage beantwortet: Ich schlafe nachts. Früher (in der guten alten Zeit, als die Dinosaurier noch lebten und die Gummistiefel noch aus Holz waren) habe ich öfter mal spätabends/nachts geschrieben, das kommt so gut wie gar nicht mehr vor. Mein Biorhythmus hat sich wohl verschoben.

Aber genug davon. Zum Thema: Obwohl im zweiten Drittel des aktuellen Zyklus gerade tatsächlich viele Romane in der Erstauflage von mir erschienen sind, schreibe ich »eigentlich« weniger Romane für die laufende PERRY RHODAN-Serie. Dass es zuletzt anders kam, lag an einer Häufung aus vielerlei Hintergründen, die hier und jetzt nicht interessieren. Aber das wird weniger, ganz klar, aus Zeitmangel. Aktuell ist ein Doppelband von mir angekündigt, 2787 und 2788. Danach folgt eine lange Pause; erst gut nach PR 2800 wird wieder ein »Montillon-Roman« in der EA erscheinen.

Meine Hörspiel-Arbeit liegt aber in der Tat schon lange zurück, aktuell fast ein Jahr (!). Mein Hauptbeitrag stand ja ganz am Anfang des kreativen Teils des Projekts.

Michael Marcus Thurner: Ich kenne die Leute vom Zaubermond Verlag recht gut und weiß, dass das Hörspiel-Projekt dort in sehr kompetenten Händen liegt. Wie ist die Zusammenarbeit mit Firmenchef Dennis Ehrhardt denn zustande gekommen? Wer hat da den ersten Schritt zur Kooperation getan?

Christian Montillon: Ja, dass die Hörspiele von Zaubermond produziert werden, hat mich von Anfang an begeistert und beruhigt. Die »Dorian Hunter«-Hörspiele, die ebenfalls bei Zaubermond erscheinen, sind meine Lieblingshörspiele. Und ich selbst arbeite schon ewig mit Zaubermond zusammen; dort erschien damals mein erster Roman, seitdem habe ich dort ... keine Ahnung ... fünfzig Romane veröffentlicht. Eine Schätzung. Zaubermond-Chef Dennis Ehrhardt und ich haben schon immer gut harmoniert.

Aber danach hast du gar nicht gefragt. Entschuldige die ausschweifende Laberei. Ich bin ehrlich gesagt erst zum »Hörspielteam« gestoßen, als Zaubermond schon an Bord war. Solche Entscheidungen stehen ja oft schon vor dem Start der kreativen/inhaltlichen Arbeit. Darum musst du andere nach den Ursprüngen fragen.

Hey, dafür, dass ich auf deine Frage eigentlich garnix geantwortet habe, ist meine Antwort ziemlich lang.

Michael Marcus Thurner: Ganz durchschaue ich die Arbeitsteilung mit der Hörspielautorin Andrea Bottlinger noch nicht. Funktioniert das etwa so: Du schreibst die Geschichte auf, Andrea arbeitet deine Vorlagen in Hörspiel-Dialoge um? Kannst du mal beschreiben, wie das so ablaufen soll?

Christian Montillon: Im Prinzip so: Ich habe die Gesamtgeschichte entwickelt, habe die wichtigsten Charaktere geformt, habe Kurzexposés geschrieben, die das Panorama der Handlung ausbreiten. Andrea hat das in Hörspielskripte verwandelt.

Das heißt: Die grobe Geschichte, die Entwicklung, die Aufteilung der Ebenen, die Hauptcharaktere und ihre Entwicklungen – das stammt von mir. Alles, was die Dialoge, das Szenische, die Einzeldramaturgie angeht – das stammt von Andrea.

Im Prinzip ähnlich wie bei der PERRY RHODAN-Erstauflage, nur dass die Exposés zu den Hörspielen echt knapp und kurz waren, aber eben die wichtigen Elemente enthielten, wie sich alles entwickelt. Worum es geht. Was der Clou ist. Was der RHODANsche Hintergrund ist. Wie sich die Charaktere entwickeln, welche Überraschungen im Groben drinstecken.

Michael Marcus Thurner: Andrea hat zwar schon für PERRY RHODAN NEO geschrieben, aber du kennst den Geist der Serie gewiss besser. Wirst du eine Art Endkontrolle übernehmen, sobald Andrea ihre Arbeit abgeschlossen hat?

Christian Montillon: Die Skripte sind schon recht lange fertig, ich habe sie gelesen und kommentiert und stand bei Fragen zur Verfügung. Wahrscheinlich werd ich nie vergessen, wie ich diesen Sommer mit der Familie auf Langeoog Urlaub machte und mich in diesen 14 Tagen zwei Mal mit Dennis Ehrhardt am Telefon verabredet habe, um Fragen zu besprechen – morgens um 7.30 Uhr oder so. Ich spazierte gut ausgeruht mit dem Handy durch die Dünen und am Strand entlang und genoss die Einsamkeit. Dennis war, so glaube ich mich zu erinnern, in Hörspielaufnahme-Stress und jeweils vorher an den Abenden/in den Nächten sehr spät ins Bett gegangen. Der Arme.

Den Part der »Endkontrolle« und des »Freigebens« hat aber ein Berufenerer als ich erledigt: Klaus Frick als Rhodan-Chefredakteur. Als Redakteur sieht er einfach Dinge, für die ich keinen Blick habe. Das ist völlig normal. Deshalb bin ich Autor, er Redakteur/Lektor/Verlagsmitarbeiter. Diese beiden Berufsgruppen brauchen einander.

(Soweit der erste Teil des Interviews. Den zweiten bringen wir morgen.)