Der Atomkrieg findet nicht statt! – Teil eins Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer zur Kurzgeschichte in Band 11 der Platin Edition

13. Februar 2017

Der Erfolg von PERRY RHODAN NEO wird nicht nur durch die Tatsache dokumentiert, dass 2017 bereits Band 150 der Serie erscheint, sondern auch, dass die NEO-Hardcover – also die sogenannte Platin Edition – inzwischen Buch 10 erreicht und überschritten haben. In den jeweils über 600 Seiten starken Wälzern sind immer vier der ursprünglichen Taschenhefte zusammengefasst – ergänzt um eine bislang unveröffentlichte Exklusivstory aus dem »Neoversum«.

Als mich Klaus N. Frick fragte, ob ich diese Story für den elften Band übernehmen wolle, steckte ich gerade mitten in der Arbeit an NEO 140. Dieser entpuppte sich aufgrund der vielen roten Fäden, die verknüpft werden wollten, und einigen sehr emotionalen Momenten (unter anderem dem Tod einer Hauptfigur) als ziemlich knifflig. Außerdem arbeiteten Michael H. Buchholz und ich bereits am Exposé für NEO 145, den ich direkt im Anschluss schreiben wollte. Insofern war ich also eigentlich »dicht«, was meinen schriftstellerischen Terminkalender anging.

Andererseits enthielt der Band der Platin Edition mit NEO 44 meinen ersten Roman, den ich 2013 zur Serie beigesteuert hatte – gewissermaßen der Beginn einer langjährigen und sehr fruchtbaren Beziehung.
Ich erinnerte mich sofort an das Ende meiner Geschichte: Perry Rhodan und seine Gefährten verlassen den Planeten Siron mit der TIA'IR – und eine Handvoll Sironer unter der Führung eines Mannes namens Angech Anatarawan bleiben in einem geheimen arkonidischen Depot zurück. Ausgestattet mit den dortigen Machtmitteln, sollen sie den drohenden Atomkrieg auf ihrer Heimatwelt verhindern.

Ich fand das schon damals unbefriedigend, wenn auch irgendwie PR- und SF-serientypisch: Die Helden ziehen weiter, und von der Stätte ihres Wirkens ward nie mehr etwas gehört. Nun bot sich mir die seltene Gelegenheit, das zu ändern, und ich sagte Klaus unter der Bedingung zu, meinen Abgabetermin für NEO 145 um zwei Wochen überziehen zu dürfen. Der Chefredakteur war einverstanden.

Schon am nächsten Tag lud ich mir NEO 44 auf meinen Kindle. Für gewöhnlich vermeide ich es, meine eigenen Romane nach ihrer Veröffentlichung zu lesen, weil ich dabei immer wieder auf Passagen stoße, die ich im Nachhinein anders und nach eigener Ansicht besser formulieren würde. Es ist mir sogar schon passiert, dass ich bei bestimmten Passagen sicher war, sie nie im Leben »so« geschrieben zu haben und stattdessen auf das Lektorat schimpfte. Wenn ich dann jedoch in meiner Manuskriptdatei nachschaute, musste ich jedes Mal Abbitte leisten.

Diesmal war die Lektüre jedoch unvermeidlich. Drei, eigentlich fast vier Jahre, sind eine lange Zeit, und inzwischen stehen fünfzehn NEO-Romane in meiner Bibliographie. Da vergisst man schon mal das eine oder andere Detail. Also ging ich erneut mit Perry Rhodan, Atlan, Crest, Belinkhar, Ishy Matsu, Ivan Goratschin und Chabalh auf die Reise – diesmal jedoch nicht als Autor, sondern als Leser.

Natürlich machte ich mir bei der Lektüre Notizen. Was hatte ich über die Verhältnisse auf Siron geschrieben? Welche Namen hatte ich genannt? Wie hatte ich den Charakter von Angech Anatarawan und seinen Freunden angelegt? Passenderweise würde NEO 44 der letzte Roman des Hardcovers sein; die Leser konnten die Kurzgeschichte also direkt im Anschluss lesen. Da wollte ich auf gar keinen Fall einen Fehler einbauen.

Einige Tage später schrieb ich Klaus per E-Mail, wie ich mir den Plot der Geschichte vorstellte. Angech und die drei anderen Sironer, die das Eindringen in das arkonidische Kreuzerwrack überlebt hatten, stehen sozusagen vor einer unlösbaren Aufgabe. Sie sollen einen drohenden globalen Krieg auf ihrer Heimatwelt verhindern, was auch mit den Machtmitteln des Depots alles andere als einfach werden würde. Das wäre normalerweise Stoff für einen kompletten Roman – ich dagegen musste mit rund 60.000 Anschlägen auskommen (ein NEO-Taschenheft hat im Schnitt 280.000 Anschläge) ...