Christoph Dittert und »Bobs Archiv« Ein Interview mit Christian Montillon, in dem es nicht um PERRY RHODAN geht

3. August 2017

Bekanntlich ist der PERRY RHODAN-Autor Christian Montillon unter seinem bürgerlichen Namen Christoph Dittert auch Autor bei den »drei ???«, der populären Reihe von Kriminalromanen für junge und sehr junge Leser. Mit »Bobs Archiv« kommt im September ein besonderes Produkt zu dieser Reihe in den Handel – es ist kein Buch, sondern es handelt sich eigentlich um eine Sammlung von 24 Ordnern.

Was das ist und was man sich darunter vorstellen kann, beantwortet der Autor im Rahmen eines kleinen Interviews. Die Fragen stellte Klaus N. Frick. Das Interview wurde per Mail geführt.

Klaus N. Frick: In diesem »Buch« geht es um einen Herrn namens Marty Fielding; er ist Leibwächter eines berühmten Schauspielers. Weil er in ein Gespinst aus Lügen verwirrt ist, werden die »drei ???« zur Hilfe gerufen. Habe ich die Handlung korrekt zusammengefasst?

Christoph Dittert: Hast du. Oder besser gesagt: Du hast die Ausgangssituation gut geschildert. Von da aus geht es in ein Filmstudio und in die Irrungen und Wirrungen des Journalismus.

Wenn man so will, geht es um Fakenews und Wahrheit – und das Problem, eben diese Wahrheit zu erkennen. Das klingt jetzt sehr klug und theoretisch, aber natürlich ist das alles spielerisch präsentiert. Denn Justus, Peter und Bob müssen einige Hürden nehmen und stehen vor einigen Überraschungen.

Klaus N. Frick: Ihr habt jetzt für »Bobs Archiv« eine sehr spezielle Form gewählt. Wie kam es dazu, eine Geschichte in einer Box zu erzählen?

Christoph Dittert: Wir haben lange über »Bobs Archiv« nachgedacht! Bei meinem ersten Verlagsbesuch zu diesem Thema war noch alles offen – in größerem Maß als sonst. Es ging nämlich noch lange nicht um den konkreten Inhalt (»Welche Geschichte wird erzählt?«), sondern um die Form.

Es sollte etwas Besonderes werden – eben ein ???-Fall in der Form, wie Bob die Ereignisse in seinem Detektiv-Archiv führen würde. Nur ... wie würde er das? Wie sieht es aus? Und auch: Was davon ist umsetzbar? Wann würde ganz praktisch gedacht die Herstellung zu viel kosten? Und wie kann man spielerische Elemente einbauen?

Klaus N. Frick: Da haben die Verlagsleute bei Kosmos mitgezogen?

Christoph Dittert: Und wie! Eine Form entstand – und wurde nach und nach zu einem »umgekippten« Buchschuber, gefüllt mit 25 Aktenordnern. 24, um die Geschichte zu erzählen; ein zusätzlicher Ordner, um darin Beweismittel zu sammeln, die die »drei ???« im Laufe ihrer Ermittlungen sammeln. So kam ich zum Vergnügen, Beweismittel in die Geschichte einzubauen, die ich nun anfassen kann: eine Postkarte, eine Einkaufsquittung und solche Dinge ...

Klaus N. Frick: Die Form kam also vor dem Inhalt?

Christoph Dittert: Genau! Den Inhalt wollte ich passend zur Form entwickeln – und so entstand eine Geschichte um das Thema »schriftliche Dokumentation«. Lügen in der Presse. Verleumdungen. Ein (durchgeknallter?) Actionfilm-Star und sein Verhältnis zur Wahrheit. Eine Hollywood-Sensationszeitung. Ich habe aus dem Vollen geschöpft.

Klaus N. Frick: Nachdem die Form stand, flutschte die Arbeit, oder?

Christoph Dittert: Ich quälte mich erst einmal zum Beispiel mit Fragen, die sich aus der Form ergaben: Würde Bob in der ersten Person schreiben? Etwas, das bei den »drei ???« ganz ungewöhnlich ist. Kurz danach quälte ich dann den Verlag mit der Idee, handschriftliche Notizen dazuzufügen: Bob kommentiert das Geschriebene, macht sich Notizen zum weiteren Verlauf, schafft Querverweise in seinen Akten ... Und so ging es weiter und weiter. Herausgekommen ist ... ein Buch. Aber auch mehr als das.

Klaus N. Frick: Danke für das Interview – klingt ja spannend!

Christoph Dittert: Ist es auch. Behaupte ich mal. Ganz sicher kann ich aber sagen, dass es für mich spannend war. In besonderem Maß auch, nachdem ich eigentlich fertig war – beim Lektoratsdurchgang haben die Lektorin und ich noch einige zusätzliche Ideen entwickelt und allerhand Details ergänzt ... weil eben die Form so besonders war, dass es für uns alle neu war und wir mit einigem Abstand nochmal schöne Erweiterungen erfunden haben. Ich sag mal: Das muss man echt sehen ...