Christian Montillon interviewt Oliver Fröhlich: »Gärungsdruck« beim Schreiben (Teil 2)

15. März 2013

Mit Nummer 40 debütiert Oliver Fröhlich im Universum von PERRY RHODAN NEO. Grund genug für Christian Montillon, der Oliver schon seit alten Sandkastenzeiten (naja, fast zumindest) kennt, ein kleines Interview mit dem neuen Autor zu führen. Die beiden haben bereits einige Romane außerhalb des Perryversums gemeinsam verfasst, und so war es für sie ein Fest, wieder einmal zusammen an einer Serie zu arbeiten.

Oliver Fröhlich hat zum Perryversum bislang ein ATLAN-Taschenbuch beigesteuert und macht nun bei NEO auf sich aufmerksam. (Wegen der Länge des Interviews haben wir es in zwei Teile gegliedert: heute der erste, morgen der zweite Teil.)

Christian Montillon: Du schreibst noch gar nicht so lange, Oliver, und blickst doch auf eine erstaunliche Karriere zurück.

Oliver Fröhlich: Moment, ich muss kurz die kreischenden Fans wegschicken. Die können einen aber auch echt stören beim Geldzählen! Nee, Quatsch. Sooo erwähnenswert finde ich die Karriere jetzt gar nicht. Und was heißt schon »Karriere«? Eigentlich tu ich das Gleiche wie früher, nur bekommen meine Texte mehr Leute zu sehen. Derjenige, der das am erstaunlichsten findet, bin wohl ich selbst.
Ich schreibe übrigens schon sehr lange (nein, jetzt kommt nicht der Scherz mit der Grundschule und meiner Lehrerin, die es mir beigebracht hat). Mit Unterbrechungen seit zwanzig Jahren. Nur hat während der ersten fünfzehn Jahre außer meiner Familie niemand davon Notiz genommen. Und da sage noch einer, Geduld zahle sich nicht aus.

Christian Montillon: Fein! Bescheidenheit ist also eine Zier, die auch einem Beamten gut steht. Womit wir bei einer interessanten Frage sind: Wie kommt der Finanzbeamte Oliver Fröhlich dazu, Science-Fiction-Romane zu schreiben? Oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun?

Oliver Fröhlich: Ich könnte jetzt etwas schenkelklopfermäßig Lustiges sagen wie: »Wenn man den ganzen Tag schläft, muss man sich ja irgendwie die Nächte vertreiben. Warum nicht mit Schreiben?« Oder etwas subtil Kritisches wie: »Wenn man den ganzen Tag mit so fremdartigen und schwer fassbaren Dingen wie dem Steuerrecht zu tun hat, macht es Spaß, sich abends mit bodenständigen Sachen wie Raumschiffen, Aliens und Transmittern zu befassen.«
Blöd nur, dass beides gelogen wäre. Die schlichte Wahrheit: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Übrigens: Die Beamtenwitze hab ich nur deshalb selbst gebracht, damit mir niemand zuvorkommt, nicht weil sie meine Meinung wiedergeben. Und ja – auch wenn es dich entsetzen mag – mir macht mein Beruf Spaß.

Christian Montillon: Oh, das entsetzt mich gar nicht, im Gegenteil. Du könntest ja mal einen Termin mit Homer G. Adams vereinbaren und über die finanzamtliche Seite von Terrania sprechen. Fallen Umsätze, die in Terrania Orbital getätigt werden, eigentlich unter irdisches Steuerrecht? Aber etwas anderes: Was verbindet dich mit PERRY RHODAN – und speziell mit PERRY RHODAN NEO?

Oliver Fröhlich: Ich bin erst sehr spät zu PERRY gekommen. Früher war ich eher so der John-Sinclair-Typ. Für mich war PERRY RHODAN nicht mehr als der Nachbar von Sinclair im Romanständer der Bahnhofsbuchhandlung. Inzwischen ärgere ich mich darüber, weil dadurch heute noch große Lücken existieren, die ich aber irgendwann schließen will. Die Hefte stehen vollständig daheim, jetzt muss ich sie nur noch lesen.
Die Lektüre meines ersten PERRY RHODAN-Heftes war eine interessante Erfahrung, weil sie bereits nach zehn Seiten endete. Es war ein Band mitten in einem Zyklus, und ich begriff recht wenig. Und trotzdem hat es mich auf Anhieb angefixt. So sehr, dass ich das Heft schloss, mir die alten Hefte besorgte, mit Band 1 begann und in den nächsten aktuellen Zyklus einstieg, als der anfing.
Als NEO auf den Markt kam, fand ich die Idee sehr schön, habe den ersten Band jedoch nicht gelesen. Ich fürchtete, es könnte mir gefallen – und ich hatte ohnehin so wenig Zeit. Beim WeltCon in Mannheim hat man mich dann aber zur Lektüre gezwungen (durch perfides kostenloses Auslegen des ersten Bandes!). Ich hab ihn nachts im Hotel geradezu verschlungen! Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt auch auf der anderen Seite der Buchdeckel mitspielen darf.

Christian Montillon: Ich weiß genau, was du meinst. Wie muss man es sich vorstellen, wenn man vor der Aufgabe steht, einen NEO zu schreiben? Welche Schritte bist du gegangen, ehe du das erste Wort deines Manuskripts geschrieben hast?

Oliver Fröhlich: Der erste Schritt bestand im Hochfahren des Computers. Nein, stimmt nicht, es ging schon eher los! Zuerst gab es verschiedene Telefonate mit Frank Borsch über die Handlung des Exposés.  Als die endgültige Version feststand, druckte ich es mir aus, las es über mehrere Tage hinweg ein paarmal durch und machte mir Notizen, an welchen Stellen man das Handlungsgerüst mit Fleisch füllen könnte. Wenn man so will, habe ich es im Hinterkopf irgendwo vor sich hin gären lassen. Als dann der Gärungsdruck drohte, mir den Schädel zu sprengen, hab ich zu tippen begonnen.

(Soweit für heute. Der zweite Teil des Interviews folgt morgen.)