Arkons Ende – oder wie man ein Imperium meuchelt (Teil eins) Ein Zwiegespräch zwischen Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz

11. Mai 2016

Anmerkung der Redaktion: Zwei Autoren sind für die Exposés von PERRY RHODAN NEO verantwortlich – Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz haben mit Band 101 diese Arbeit übernommen und prägen seitdem die »zweite Epoche« der Serie. Mit Band 121 steigen die beiden Autoren in eine neue Handlungsstaffel ein, die den Namen »Arkons Ende« tragen wird.

In einem per Mail geführten Zwiegespräch erinnern sie sich an die Vorarbeiten ... wegen seiner Länge bringen wir das Gespräch in zwei Teilen. Heute ist Teil eins dran, morgen folgt Teil zwei.


Rüdiger SchäferRüdiger Schäfer: Den Gedanken an ein in Trümmern liegendes Großes Imperium hatte ich schon ziemlich früh während unserer Diskussionen um die Methan-Staffel. Mir war klar, dass die Entscheidungsschlacht zwischen den Methanatmern und den Arkoniden früher oder später kommen musste – wir hatten sie schließlich schon in den Bänden vor NEO 101 immer wieder heraufbeschworen.

Der Angriff der Allianz auf Arkon ist ja auch zwingend logisch, denn die Arkoniden repräsentieren die mit Abstand mächtigste Gruppierung der Milchstraße. Offen war nur, wie heftig es das Imperium treffen würde – und was danach noch von ihm übrig sein würde.


Michael H. Buchholz: Ich erinnere mich. Einer der ersten Sätze von dir, kaum dass wir die Expo-Arbeit begonnen hatten, lautete: »... und dann machen wir Arkon platt!« Aber das war zugegeben lange vor den Überlegungen, wie das im Einzelnen überhaupt möglich sein könnte.

Im Übrigen ist der Methankrieg in den ersten hundert Bänden das Damoklesschwert gewesen, das beständig über den Arkoniden schwebte. Wir treten hier sozusagen ein thematisches Erbe an, wenn wir in »unserer« dritten Staffel Arkons Ende zelebrieren.


Rüdiger Schäfer: Im Vorfeld der Planungen gab es ziemlich viele Fragen zu klären. Wie viel Arkon-Bashing durften wir den Lesern zumuten? Welche Rolle sollte Atlan spielen? Was war mit Theta? Wo war Ishy Matsu in den letzten elf Jahren abgeblieben und warum hatte man nichts mehr von ihr gehört?

Ich glaube, wir haben ein paar sehr überraschende Antworten gefunden. Mit der Staffel »Arkons Ende« werden das Perry- und das Neoversum noch deutlicher auseinander driften. Die Unterschiede werden noch offensichtlicher zutage treten.


Michael H. BuchholzMichael H. Buchholz: Als ich etwa vierzehn Jahre jung war, las ich den PR-Roman 199 von Kurt Brand. Er heißt nicht zufällig »Arkons Ende« ... Damals haben mich die geschilderten Ereignisse erschüttert, und sie sind mir, wenn auch nur äußerst diffus, als bedeutender Einschnitt in der PR-Historie in Erinnerung geblieben.

Die Gelegenheit, jetzt dieses traumatische Geschehen selbst und in unserer Serie schildern zu können, war unglaublich verlockend. Denn wie es der Zufall wollte, sollte ich den Eröffnungsroman der Staffel um »Arkons Ende« schreiben dürfen. PERRY RHODAN-Band 199 hat mich als Jugendlicher jedenfalls so beeindruckt, das wollte ich schon immer mal übertreffen.

Ich verbot mir übrigens selbst, den Roman 199 noch einmal zu lesen, um mich gar nicht erst der Gefahr auszusetzen, die Dinge etwa ähnlich anzugehen. Erst nach der Niederschrift von NEO 121 wollte ich mir das Vergnügen gönnen.

Inzwischen ist mein Roman beendet, und ich habe die Lektüre nachgeholt. Ich gebe zu, ich war verblüfft. Die Zahl der Invasoren war gleich, ein technischer Trick spielte schon damals eine gewisse Rolle, und auch die Angreifer waren nicht die eigentlichen Drahtzieher. Damit aber erschöpfen sich alle Vergleichbarkeiten.

Und zu meiner Ehrenrettung: Die Zahl der Angreifer, zwischen 80.000 und 100.000 Schiffe, setzte Rüdiger ins Exposé. Unser eigentlicher Drahtzieher steht schon seit einem Jahr fest, und mein technischer Trick ist bei weitem nicht so entscheidend wie es seinerzeit die ominösen brandschen »Halman-Kontakte« waren.


Rüdiger Schäfer: Natürlich wird es neben all der Aufregung um Arkon auch neue Mosaikstücke zum großen Überbau geben. Wir werden unsere geliebten Wissenschaftler um Eric Leyden wiedersehen – inklusive Kater Hermes, dessen Popularität mich noch immer einigermaßen sprachlos macht. Vielleicht werden Ishy Matsu und Tuire Sitareh unser neues Traumpaar ... Außerdem spielt Thora einmal mehr eine große Rolle – und natürlich Crest, mit dem wir noch wahrhaft Großes vorhaben. Am Ende der Staffel werden einige Leser ganz sicher schockiert sein!

Besonders freue ich mich aber darauf, ein uraltes PR-Rätsel zu klären, denn wir werden in NEO die Ursprungswelt der Maahks kennenlernen. Den entsprechenden Roman habe ich mir selbst vorbehalten und bin schon ganz kribbelig …


Michael H. Buchholz: Mir geht es ähnlich, was die Fortsetzung der Attentatsstory um Reginald Bull aus der Methan-Staffel betrifft. Diese kleine Untergeschichte, die in Band 108 begann, verlangt nach ihrer Auflösung. Romane, die auf der Erde spielen, liegen mir ohnehin, also habe ich mir meinerseits den betreffenden Roman reserviert. Ich will nicht zu viel verraten, aber es gibt tatsächlich Bezüge zwischen Bulls Erlebnissen und den Geschehnissen um die Leerfischer.

Ich finde es faszinierend, wenn kleine Dinge, die auf der Erde geschehen, mit weit entfernten großen Ereignissen auf die eine oder anderer Weise verschränkt sind. Dies, unter anderem, macht für mich den viel beschworenen Sense of Wonder aus.