Arbeitsabläufe und Ziele NEO-Werkstattnotizen von Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer

6. August 2015

Abwechselnd kommen hier einige Notizen, die Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer während ihrer Arbeit an den Exposés zu PERRY RHODAN NEO verfasst haben. Die Einblicke in die Arbeit der beiden Autoren findet die PERRY RHODAN-Redaktion stets interessant

Rüdiger SchäferRüdiger Schäfer:
Michael und ich arbeiten sehr effektiv zusammen. Ich nenne ihn gern meinen »kreativen Katalysator«, denn sehr häufig sind es seine Impulse und Kommentare, die bei mir neue Ideen und Handlungslinien inspirieren. Oft erstelle ich das grobe Gerüst eines Exposés oder Datenblatts und schicke es ihm elektronisch (meistens mit vielen Fragen gespickt, die ich rot markiere). Michael schreibt dann seine Kommentare in Blau einfach in den Text hinein und schickt ihn wieder an mich zurück. Ich mache aus allem einen neuen Entwurf, und es geht in die nächste Runde. Dieses Hin und Her hält so lange an, bis das Dokument fertig ist und keiner von uns mehr etwas hinzufügen möchte.

Ein wesentlicher Faktor unseres harmonischen Teamworks sind die persönlichen Treffen. Da meine Mutter in der Nähe von Hannover wohnt und ich sie alle vier bis sechs Wochen besuche, verbinde ich das auch immer mit einem Zwischenstopp bei Michael. Da kann man viel intensiver und besser diskutieren als per Mail.


Michael H. Buchholz:
Michael H. BuchholzEin typischer Tag beginnt gegen sechs Uhr mit den ersten Mails zwischen Rüdiger und mir und den jeweils aktuell schreibenden Autoren, die mit Fragen und klugen Vorschlägen kommen. Bis Mittag sitze ich an den Exposés und Datenblättern und an den Romanen, die ich selber beizusteuern habe. Der Nachmittag ist dem Lesen und Nachhaken vorbehalten: dem der eingehenden Manuskripte, dem der fortgeschriebenen Exposés, ergänzt mit dem Anfügen von Kommentaren, dem Abstimmen bei den einzelnen Romananschlüssen. Die letzten Mails gehen so bis 18 Uhr hin und her. Am Wochenende ebenso wie unter der Woche.

Seit Beginn des Jahres (wir stehen jetzt Ende Juni) habe ich keinen einzigen NEO-freien Tag mehr gehabt. Zwei zwischengeschobene USA-Aufenthalte von Rüdiger verdoppeln noch mal das Pensum in dieser Zeit. Kurz und gut: Es hilft sehr, Fan zu sein. Und ohne den Teamgeist, der uns alle trägt, wäre es nicht zu schaffen! Wie Frank Borsch das alles allein bewältigt hat, ist mir ein bleibendes Rätsel.


Rüdiger Schäfer:
Wo wir mit NEO hinwollen? Das ist im Moment noch nicht eindeutig in klare Worte zu kleiden. Frank hat in den letzten vier Jahren einen Wahnsinnsjob gemacht, und mein Respekt vor seiner Arbeit ist in den Wochen der eigenen Exposéarbeit fast ins Unendliche gewachsen. Es mag für den ein oder anderen übertrieben klingen, aber ich bin froh und dankbar, dass ich mit einem Schriftsteller seines Formats so lange und so eng zusammenarbeiten durfte. Dadurch – und durch die gleichfalls ebenso konstruktive wie professionelle Betreuung durch Redaktion und Lektorat – habe ich unheimlich viel gelernt, und das hilft mir nun natürlich auch in der neuen Rolle als Exposéautor.

Unser Ziel ist, NEO nach Möglichkeit zu verschlanken, ein bisschen von dem Ballast abzuwerfen, der sich nach 100 Romanen zwangsläufig angesammelt hat. Wir wollen den Fokus in jeder Staffel auf eine überschaubare Anzahl von Figuren und Handlungsebenen legen. Wir wollen Fragen stellen – und die meisten davon am Ende einer Staffel beantworten. Und das alles, ohne den kosmischen Hintergrund, den sogenannten »Sense of Wonder«, aus den Augen zu verlieren. Vielleicht ist so etwas unmöglich, aber wir glauben fest daran, dass wir es hinkriegen werden …


Michael H. Buchholz:
Ich kenne jetzt (Ende Juni 2015) drei der Romane der neuen Staffel und die Exposés der vier folgenden Bände. Dazu stecken Rüdiger und ich derzeit mitten in der Arbeit am Staffelfinale und zugleich in der Konzeption des zweiten Zyklus (NEO 111 bis 120). Gemessen an dem, was wir bisher erreicht haben, sind wir dem, was Rüdiger eben sagte, ganz mächtig auf der Spur. Ich habe ein gutes Gefühl dabei und freue mich, die neue Staffel demnächst auch den Lesern zu präsentieren.

Am schönsten fände ich es, wenn es irgendwo da draußen einen etwa Vierzehnjährigen gibt, der mit Band 101 seinen ersten PERRY RHODAN NEO liest und der dieser Tage – wie ich vor unfassbaren 44 Jahren – beschließt, dabei zu bleiben. Sollte es dich geben, so melde dich gern beim Verlag. Ein von mir und Rüdiger signierter Roman ist dir auf jeden Fall sicher ...