Alexander Huiskes trifft das Neoversum Ein Interview zum Erscheinen von PERRY RHODAN NEO 21

4. Juli 2012

Wenn am 6. Juli 2012 der Roman »Der Weltenspalter« in den Handel kommt, gibt ein neuer Autor seinen Einstand bei PERRY RHODAN NEO. Es ist Alexander Huiskes, der bisher durch Beiträge für PERRY RHODAN-Action und PERRY RHODAN-Extra in Erscheinung getreten ist.

Sein Roman, der als Band 21 der NEO-Serie erscheint, ist Grund genug, dem Autor einige Fragen zu stellen. Das Interview führte PERRY RHODAN-Redakteur Klaus N. Frick.

Klaus N. Frick: »Der Weltenspalter«, über dessen Inhalt wir aus gutem Grund an dieser Stelle noch nichts verraten wollen, ist dein Einstieg in das Neoversum. Du begleitest als Leser und Lektor seit Jahren die Serie. Wie fühlt sich diese neue Sicht auf PERRY RHODAN für dich an?

Alexander Huiskes: Im Grunde liefert ja jeder Roman eine neue Sicht – was in der Erstauflage manchmal schwierig sein kann, weil man aufpassen muss, keine etablierten Klischees und feststehenden Sachverhalte zu ändern: Da laufen eben im Regelfall weder Robbis noch Helferlein rum, sondern Roboter – und Mediker, keine Ärzte. Bestimmte Völker und Planeten haben definierte Parameter, die zu beachten sind. Bei NEO ist es hingegen so, dass alles auf dem Prüfstand steht und ich eine ganz neue Balance zu erspüren habe, mit welchen Elementen ich spielen kann, welche neu zu erfinden und welche beizubehalten sind.
NEO zu schreiben ist, wie in einen Garten zurückzukehren, in dem man als Kind oft gespielt hat, der aber völlig überwuchert (oder Kahlschlag zum Opfer gefallen) ist. Und man versucht, eine idealisierte Erinnerung zu schaffen, in der man sich aber auch viele Jahre später zuhause fühlen kann. Das ist extrem spannend. Zumal wir versuchen können, bestimmte Elemente, die erst sehr spät in die Serie eingeführt wurden und dann vom damaligen Zeitpunkt an gewissermaßen rückwärtsgewandt begründet wurden – Carfesch ist da beispielsweise zu nennen –, schon früher zu etablieren und damit mehr inhaltliche Tiefe zu erreichen. Hinzu kommt, dass man in einem NEO-Roman viel mehr Platz hat als in einem normalen Heftroman und daher ganz anders an Themen und Figuren herangehen kann.

Klaus N. Frick: Mit Crest, Tatjana Michalowna und Trker-Hon hast du drei sehr unterschiedliche Charaktere, die in deinem Roman auftauchen. Gibt’s oder gab’s dabei eine Lieblingsfigur für dich? Und wenn ja, warum?

Alexander Huiskes: Crest finde ich toll, weil ich seinerzeit bei seinem Tod mitgelitten habe – und weil wir seiner Krankheit bei NEO mehr Platz einräumen können als im klassischen Perryversum; nicht zuletzt dadurch wird sie auch nachvollziehbarer, sein Schicksal geht einem näher. Und ob er wirklich geheilt werden kann …?
Tatjana finde ich hingegen erst großartig, seit ich sie für PERRY ACTION recherchiert habe; zuvor war sie für mich als Quantité negliable im Personarium verschwunden. Nun, bei NEO, ist sie wieder anders als damals und wird dadurch ausgesprochen reizvoll.
Und Trker-Hon – ich hatte beim ersten Lesen des Datenblattes bereits eine Vorstellung davon, wie er agiert und funktioniert … als ich dann aber sukzessive die vorangegangenen Romane bekam, musste ich die Hälfte wieder rückgängig machen, damit die »Continuity« der Figur stimmt. Dafür kamen andere Sachen hinzu, die dem Topsider durchaus ebenfalls gut taten.
Daher ist keine der drei DER Favorit. Das Spannendste war allerdings, eine Handlung hinzubekommen, die von drei normalerweise nur als Sidekicks oder Mentoren eingesetzten Figuren lebt – und diese als Helden zu etablieren.

Klaus N. Frick: Du bist berufstätig und das nicht zu knapp, hast eine kleine Familie, redigierst PERRY RHODAN – wie hast du es geschafft, einen NEO-Roman zu schreiben? Wann schläfst du eigentlich?

Alexander Huiskes: Das fragt meine Frau mich auch manchmal. Allerdings merkt sie es an den Begleitgeräuschen, sodass ich selten antworten muss. Ich habe den Vorteil, schnell einzuschlafen und dann intensiv und tief durchzuschnarchen, allerdings nie richtig lange schlafen zu müssen. Wenn unser Kind da ist, wird sich das wahrscheinlich ändern (das behaupten zumindest alle), aber derzeit könnte mich während des Schlafens so gut wie nichts wecken. Hinzu kommt, dass ich bei einigen Arbeiten sehr gut entspannen kann, das ist dann besser als schlafen.

Klaus N. Frick: Topsider, Arkoniden, Fantan und dazu noch zwei weitere außerirdische Völker – ganz schön viel für einen Roman. Wie verliert man da als Autor nicht den Überblick?

Alexander Huiskes: Jedes der auftretenden Völker ist sehr leicht von den anderen zu unterscheiden. Außerdem recherchiere ich vorher ziemlich viel zu allen möglichen Aspekten der auftretenden Völker, um jedem gerecht zu werden (außerdem finde ich es spannend, ein möglichst konkretes Bild vor mir zu haben, ich skizziere auch immer alles und hefte die Bildchen dann an den Monitor).
Am schwierigsten und leichtesten zugleich waren dabei die Fantan – sie luden mich anfangs geradezu zu komischen Elementen ein, sodass das Schreiben sehr schnell ging, aber beim zweiten Durchgang flog das Meiste wieder raus, weil ich schließlich keine Witzfiguren aus ihnen machen wollte. Außerdem ist das Geschehen sehr dramatisch für … äh … die Betroffenen.

Klaus N. Frick: Du hast zwei Handlungsebenen: einmal die Erde und ihre Umgebung, einmal eine fremde Welt, deren Namen wir hier nicht verraten dürfen. Die Stimmung auf dieser fremden Welt ist streckenweise ein bisschen depressiv – war das Absicht?

Alexander Huiskes: Absolut. Zumal das Exposé es auch so vorgab. Aber ich fand es wunderbar, mal diese elegische Seite des Neoversums zu zeigen. Dabei besteht leider auch die Gefahr, sich in dieser Depressivität zu verlieren … und Tempo aus der Handlung zu nehmen. Zum Glück gibt es da noch einen Redakteur, der so etwas merkt und extrem hilfreiche Tipps gibt, wenn man feststeckt.

Klaus N. Frick: Und wenn du eine Filmmusik für deinen Roman auswählen könntest – was würdest du dann wählen?

Alexander Huiskes: Ich höre beim Schreiben bestimmter Szenen oft Musik, deren Stimmung mich trägt, bei anderen brauche ich eher absolute Stille. Im Roman selbst taucht eines der Lieder auf, die ich gehört habe – es passt ganz wunderbar zu der oben erwähnten fremden Welt und ist eigentlich kein richtiges Lied: »Pippins Lied« aus dem Herrn der Ringe – woraus wir auch erfahren, dass Tatjana die Trilogie einst mit ihrem Vater ansah …

Klaus N. Frick: Ich danke für die Antworten!