Überall Rebellenführer Ein Interview mit Hubert Haensel zu seinen »tausend Bänden PERRY RHODAN«

16. Mai 2014

Mit seinem Roman »Als Rebell geboren« feierte Hubert Haensel im Jahr 1995 seinen Einstand in der PERRY RHODAN-Serie – der Roman trug die Bandnummer 1752. Davor war er bereits mit ATLAN-Heftromanen und PERRY RHODAN-Taschenbüchern »positiv aufgefallen«; seither bereichert er die laufende PERRY RHODAN-Serie mit seinen Romanen.

»Das Antlitz des Rebellen« kommt nun als Band 2752 in den Handel – wieder ist Hubert Haensel der Autor. Grund für Klaus N. Frick, dem Schriftsteller einige Fragen zu stellen.

Klaus N. Frick: 1000 Bände PERRY RHODAN – so lange bist du nun an der größten Science-Fiction-Serie der Welt beteiligt. Was ist das für ein Gefühl?

Hubert Haensel: Es ist ein sehr schönes Gefühl, letztlich die Verwirklichung eines Jugendtraums. Dabei darf ich mich zu den Altlesern zählen, denn ich bin mit Heft 209 der Erstauflage in die Serie eingestiegen und war sofort begeistert. Seitdem hat mich die Unendlichkeit des Weltraums ebenso wenig wieder losgelassen wie die Begegnung des Menschen mit fremden, andersgearteten Intelligenzen. Ohnehin ist der Weltraum eines der letzten großen Abenteuer, die uns heute noch geblieben sind.

Das PERRY RHODAN-Team gestaltet eine mögliche Zukunft der Menschen, die allerdings in unserer Realzeit erst noch lernen müssen, mit sich selbst zurechtzukommen. Es ist schön, bei dieser Utopie mit dabei zu sein und das eine oder andere Abenteuer unserer Helden formulieren zu dürfen. Allerdings verbirgt sich auch eine gehörige Portion Arbeit hinter dem Schönen, die natürlich wie in jedem Beruf in Stress ausarten kann. Ich fürchte, die Redaktion weiß ein Lied davon zu singen, wenn ich mal hin und wieder (hüstel) über die Terminstränge schlage.

Klaus N. Frick: Du bist 1995 mit einem Roman eingestiegen, in dem es um Rebellen ging. Jetzt ist es wieder ein Rebell, der teilweise im Zentrum der Handlung steht. Zufall oder Absicht?

Hubert Haensel: Schicksal. Fügung. Alles mag zutreffen, nur nicht Absicht meinerseits. Denn die Heftnummer 2752 war vorgegeben, nachdem ich tausend Wochen zuvor als Autor bei PERRY RHODAN einsteigen durfte. (Ich fühle mich versucht, das schöne Wort »Langzeitplan« auszusprechen.)

Dass erneut ein Rebell Teil der Handlung ist, hat die Expofactory zu verantworten. Glaube ich, dass dahinter Absicht steckt? Ich weiß es nicht. Die Figur des Proto-Hetosten Avestry-Pasik wurde sicher schon zu einem Zeitpunkt kreiert, als niemand meinen 1000er im Blick hatte. Oder doch? Wer kennt schon die Wege der Expofactory?

Klaus N. Frick: Gibt es irgendwelche Parallelen bei beiden Romanen, auf die man als Leser achten sollte oder könnte?

Hubert Haensel: O weh, auf diese Frage werden wohl unsere aufmerksamen Leser eher eine Antwort finden als ich selbst. Um das feststellen zu können, müsste ich meinen ersten PERRY RHODAN-Heftroman noch einmal lesen. Als Autor halte ich es so, dass ich den Inhalt meiner Romane möglichst rasch wieder verdränge, damit ich nicht Gefahr laufe, mich zu wiederholen. Allerdings entsinne ich mich dunkel, dass ich vor rund zwanzig Jahren versucht habe, dem Rebellen ein Stück von mir selbst aufzuprägen. Das war diesmal bei Avestry-Pasik nicht der Fall.

Klaus N. Frick: Hast du's eigentlich jemals bereut, dich auf das Abenteuer PERRY RHODAN eingelassen zu haben?

Hubert Haensel: Bislang ein klares Nein. Anfangs bin ich noch vor der enormen Datenfülle zurückgeschreckt, aber daran gewöhnt man sich und lernt, damit umzugehen. Ebenso wenig habe ich bereut, dass ich im Jahr 2002 meinen sicheren Bankberuf aufgegeben und mich der unsicheren Zukunft eines Schriftstellers anvertraut habe.

Ins Grübeln komme ich erst bei solchen Gelegenheiten wie dem Geburtstag meiner Ehefrau, als ich den ganzen Tag über vor dem PC saß und mit meinem Manuskript erst dann fertig wurde, als abends die letzten Gäste gehen wollten. Aber ich bin mit Herzblut bei der Serie, und genau das wandelt sogar einen solchen Stress ins Positive. Für mich ist PERRY RHODAN ein Teil meines Lebens, seit ich mich an Heft 209 festlas.

Klaus N. Frick: Du bist ja auch für die Bearbeitung der PERRY RHODAN-Silberbände verantwortlich. Ist es schwierig für dich, immer wieder in unterschiedlichen PERRY RHODAN-Epochen tätig zu sein?

Hubert Haensel: Ja und nein; wie alles ist das eine Frage der jeweiligen Gegebenheiten. Ich denke, ich schaffe es ganz gut, von einer Epoche in die andere umzuschalten, ohne dabei sämtliche Personen und die jeweilige Technik durcheinanderzuwerfen.

Eines stelle ich allerdings immer wieder fest: Nachdem ich intensiv mit der Bearbeitung der früheren Heftromane für einen Silberband befasst war, neige ich sehr stark dazu, die Schreibweise von damals zu übernehmen – in gut dreißig Jahren hat sich da nämlich vieles verändert. Da brauche ich etwas Abstand und ein wenig Durchatmen.

Klaus N. Frick: Wir machen uns innerhalb des Autorenteams und der Redaktion bereits ernsthafte Gedanken über Band 3000. Das war 1995 noch unvorstellbar, oder?

Hubert Haensel: Band 3000, das war zur Zeit meines Einstiegs wahrlich Zukunftsmusik. Aber ich will damit keineswegs sagen, dass ich nicht schon im Hinterkopf gehabt hätte, wir könnten Band 3000 eines Tages erreichen. Ich vergleiche das mit der Zeit meines Einstiegs als Leser. Damals war sogar Band 1000 noch sehr weit weg. Aber dann kam Heft 500, und der 1000er stand fast ebenso schnell am Kiosk.

Ich muss sagen, nachdem Heft 2000 erschienen war, hatte und habe ich keine Bedenken, eines Tages auch die Nummer 3000 in Händen zu halten. Bis dahin vergehen nicht einmal mehr fünf Jahre ...

Klaus N. Frick: Und wie stellst du dir die Zukunft der PERRY RHODAN-Serie vor? Wie geht's inhaltlich weiter?

Hubert Haensel: Ich für meinen Teil sehe eines nicht mehr fernen Tages die friedliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit vieler der uns schon bekannten Völker, womöglich des Lebens an sich. Dann wird die Sehnsucht nach immer neuen Erkenntnissen im Vordergrund stehen, der Weg weiter hinaus in die Unendlichkeit, die womöglich keine ist. Und die Schöpfung wird noch eine übervolle Palette an Überraschungen bereithalten.

Klaus N. Frick: Und wie geht es mit der Serie an sich weiter? Den Rahmenbedingungen, dem Format, all diesen Dingen?

Hubert Haensel: Angesichts der rasanten technischen Entwicklung öffnen sich uns bald neue interaktive Wege. Schon in zehn, fünfzehn Jahren erhalten wir den wöchentlichen PERRY RHODAN im automatischen Download, wiedergegeben auf der Bildtapete im Wohnzimmer, die Exklusiv-Version sogar mit holografisch gestalteten handelnden Personen. Die jeweilige Risszeichnung kann über Datenbrille und Augapfel-Projektion zum begehbaren Erlebnis werden. Die Lesungen werden ebenfalls zum visuellen Erlebnis, weil die Personen selbst ihre Dialoge sprechen. Das alles zeichnet sich doch heute schon ab.

In dem Fall könnte sogar ich als eingefleischter Papierfan schwach werden. Ich mag halt noch das Gefühl des Papiers, den Geruch der Hefte, wenn sie schon etwas älter sind, das genüssliche Vor- und Zurückblättern. Aber halt: Seit geraumer Zeit besitze ich auch einen E-Book-Reader für unterwegs.

Eines ist mir auf jeden Fall klar: Jeder wird seinen PERRY RHODAN auf die Weise haben können, die ihm persönlich am besten zusagt und gefällt. Ich freue mich auf die Zukunft von PERRY RHODAN und wünsche unseren Lesern und Fans sehr viel Spaß und Kurzweil mit PERRY RHODAN.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für das schöne Interview!