»Versuchen was mir Spaß macht« – Teil eins Ein Interview mit Kai Hirdt, Autor bei PERRY RHODAN NEO und den PERRY RHODAN-Comics

3. Dezember 2015

Innerhalb kurzer Zeit wurde Kai Hirdt zu einem wichtigen Mitstreiter für die größte Science-Fiction-Serie der Welt: Er schrieb Romane für PERRY RHODAN NEO und sorgte dafür, dass der PERRY RHODAN-Comic einen neuen Start erlebte. Im Jahr 2016 wird man weitere Romane und Beiträge des Schriftstellers zu lesen bekommen.

Grund für Michael Marcus Thurner, mit Kai Hirdt ein Interview zu führen; die Fragen und Antworten wurden per E-Mail erarbeitet. Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen: heute Teil eins, morgen Teil zwei.

Michael Marcus Thurner: Du schreibst eifrig bei PERRY RHODAN NEO mit. Mit Band 110 hast du bereits den dritten Roman in der laufenden »Methans«-Staffel verfasst. Und dann auch gleich den Abschlussband ... Wie groß waren denn die handlungstechnischen Herausforderungen bei »Der Kopf der Schlange«? Musstest du viel Mehrarbeit investieren, um alle Handlungsstränge zusammenfassen zu können?

NEO-Cover Band 110 von Dirk SchulzKai Hirdt: Na ja, ein paar Fäden lassen wir ja noch offen, und ein paar Rätsel nehmen wir in die nächste Staffel mit. Aber es stimmt schon, ich hatte ziemlich viele lose Enden einzufangen und zusammenzuführen. In meinem Exposé standen allein zwei Seiten mit Hinweisen, welche Themen noch einmal aufgenommen werden sollten. Wenn ich meinen Job gut gemacht habe, merkt man das dem fertigen Roman aber nicht an.

Michael Marcus Thurner: Wie intensiv bist du in die Arbeit der Expo-Autoren Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz eingebunden? Kannst du eigene Ideen liefern?

Kai Hirdt: Wir stehen in ständigem Austausch. Ich bekomme ein fertiges Roman-Exposé, kann aber durchaus meine eigenen Ideen einbringen. Manchmal baue ich Nebenhandlungsstränge ein, wenn ich das Gefühl habe, da fehlt noch etwas zum runden Roman. Das mache ich meist komplett in Eigenregie.

Wenn ich das Gefühl habe, man könnte noch was aus der Geschichte rausholen, wenn man etwas am Exposé änderte, dann spreche ich das ab. Meistens ist das kein Problem, außer, Michael und Rüdiger haben noch was ganz anderes mit den Figuren vor, wovon ich nichts wusste.

Und zum Teil tauschen wir uns über Winzigkeiten aus, die so ein bisschen den Zuckerguss ausmachen. Michael stellt beispielsweise oft tiefgreifende sprachhistorische Überlegungen an, wie etwas auf liduurisch heißen müsste und wie sich das in welche heutige Sprache gerettet haben könnte. Da melde ich mich zum Teil mit »Okay, ich brauche dieses liduurische Artefakt für meine Handlung, erfinde mir mal einen Namen dafür«.

Michael Marcus Thurner: Wie geht es mit dir weiter? Wirst du weiterhin regelmäßig NEO-Romane schreiben? Hast du bereits einen Fahrplan für die nächste Staffel bekommen?

Kai Hirdt: In der nächsten Staffel steuere ich zwei Romane bei. Im Moment schreibe ich Band 114, und dann bin ich entweder für die 117 oder die 118 vorgesehen. Wenn’s dabei bleibt, dass ich jeden vierten NEO schreibe, bin ich happy, mir macht die Serie nämlich richtig Spaß.

Michael Marcus Thurner: Du bist als Autor in kürzester Zeit von Null auf Hundert durchgestartet, herzliche Gratulation dazu! Du warst davor im Public Relation-Bereich tätig. Warum dieser Umstieg? Das Autorendasein bietet ja doch einige Unwägbarkeiten …

Kai Hirdt: Einen Tag die Woche arbeite ich auch noch als PR-Berater. Aber es stimmt schon, dass war ein ziemlich heftiger Schwenk. Dazu muss man wissen, dass ich eigentlich schon immer Heftroman-Fan war und ich immer gern als Autor in diesem Bereich gearbeitet hätte. Aber einmal muss man sich das trauen, als Schriftsteller sein Geld zu verdienen, und dann muss man auch noch den Einstieg schaffen ...

Also wurde es erst einmal die bürgerliche Karriere. Aber da ging es irgendwann für mich nicht mehr voran. Ich bin gewissermaßen an die Schwelle gestoßen, wo man mit guter Arbeit allein nicht mehr weiter kam, sondern nur noch à la Stromberg Fortschritte machen konnte. Das war keine Option für mich. Also hab ich gesagt: »Dann kann ich auch das versuchen, was mir tatsächlich Spaß macht.«

(Hat ja zum Glück funktioniert.)

Michael Marcus Thurner: Kannst und möchtest Du ein wenig über die neue zehnteilige NEO-Staffel mit dem Titel »Die Posbis« verraten, was über die titelgebenden Posbis hinausreicht?

Kai Hirdt: Es ist natürlich alles ein bisschen anders als in der Erstauflage. Dort sind die Posbis als völlig neuer Faktor im Geschehen aufgetaucht. Bei uns sind sie nur ein weiterer Aspekt des großen Rätsels, an dem wir seit Band 101 arbeiten und sicher noch einige Staffeln arbeiten werden. Aber es ist ganz sicher schon ein völlig neuer, klar abgetrennter Handlungsabschnitt. Die CREST geht durch einen Sonnentransmitter, kommt weit, weit entfernt vom bisherigen Geschehen wieder heraus und muss die dortigen Probleme lösen.

Was kann ich noch sagen? Das Team Leyden bleibt uns erhalten – mit diesen Figuren habe ich immer einen Heidenspaß. Und Perrys Sohn, Tom Rhodan, ist an Bord der CREST, im zarten Alter von acht Jahren. In dem Roman, den ich gerade schreibe, spielt er eine wichtige Rolle. Das dürfte dann auch endgültig alle beruhigen, die befürchten, dass wir aus ihm einen neuen Thomas Cardif machen wollen. Nö, wollen wir nicht.