»Raus aus der Komfort-Zone – rein ins NEO!« Ein Interview mit Uwe Voehl

29. April 2014

Uwe Voehl gehört seit vielen Jahren zu den Autoren, die im deutschsprachigen Raum in verschiedenen Bereichen der Unterhaltungsliteratur ihre Romane veröffentlichen. Von ihm gibt es Krimis und Horror-Geschichten, aber auch Science Fiction; er lektoriert und ist als Redakteur der E-Book-Reihe HORROR FACTORY verantwortlich. Mit seinem Roman »Kampf um Ker’Mekal«, der als Band 68 der Serie PERRY RHODAN NEO erschienen ist, hat Uwe Voehl nun auch einen Beitrag zum »erweiterten« Perryversum beigesteuert.

Aus diesem Grund führte Klaus N. Frick ein Interview mit dem Autor. Fragen und Antworten wurden per Mail formuliert.


Klaus N. Frick: Seit du zum ersten Mal professionell mit dem Pabel-Moewig Verlag – genauer gesagt, einem seiner Vorläufer – zusammengearbeitet hast, sind gut 35 Jahre vergangen. Hättest du dir damals vorgestellt, im Jahr 2014 einen Roman für eine neue PERRY RHODAN-Serie zu verfassen?

Uwe Voehl: Nein, das waren für mich ja alles Helden, also die Autoren. Meine ersten Arbeiten für den damaligen Pabel-Verlag war eine Anthologie, »Die Galgenpuppe«, im Anschluss dann Romane für die »Vampir«-Romanheftreihe.

Ich schrieb schon sehr früh, damals unter anderem für die gängigen Fanzines. Kennt noch jemand »World of Wonder«? Das gab damals Elmar Wohlrath heraus, der heute zusammen mit seiner Frau unter dem Pseudonym Iny Lorentz Bestseller wie »Die Wanderhure« schreibt. Jedenfalls veröffentlichte ich darin meine allererste Geschichte. Eine Horror-Story mit dem Titel »Es lebe der Tod!« Was war ich damals aufgeregt, als sie erschien.

Ungefähr genauso aufgeregt bin ich aber, wie mein NEO ankommen wird. Immerhin schreibe ich sonst eher Krimis oder Horrorromane. Ich sage aber hier ganz offen: Von mir aus braucht es nicht bei dem einmaligen Gastspiel zu bleiben. Ich bin lernfähig ...


Klaus N. Frick: Du hast viel mit Ernst Vlcek zusammengearbeitet, dem langjährigen PERRY RHODAN-Exposéautor. Wie war euer Verhältnis?

Uwe Voehl: Ich war immer sein begeisterter Verehrer. Als ich meinen ersten Roman für »Dorian Hunter« schrieb, der ja auf der »Dämonenkiller«-Romanserie basiert, bat ich ihn um ein signiertes Foto, das ich als Inspiration über meinen Schreibtisch hing. Die »Dorian Hunter«-Romane, die ich mit Ernst zusammen schrieb, gehören zu meinen besten.
 
Die Zusammenarbeit mit Ernst war so etwas wie die Erfüllung eines Wunschtraums. Immerhin habe ich als Jugendlicher die »Dämonenkiller«-Hefte verschlungen. Wir hatten seit den späten siebziger Jahren immer wieder kollegialen Briefkontakt.

Mein Wunsch, Ernst kennenzulernen, ging aber erst viel später im Rahmen einer Zaubermond-Autorenkonferenz in Erfüllung. Er war auch da für mich der Star, aber einer zum Anfassen. Und er war mit einer Begeisterung dabei, die ansteckte: Er führte uns zum Beispiel durch halb Wien und zeigte uns die Stätten seiner Inspiration. Oder überredete Kurt Luif, zu uns zu stoßen und einfach von früher zu erzählen. Das waren unvergessliche Momente.

Ich werde leider auch nie vergessen, wie Ernst mir seinen letzten »Dorian Hunter«-Roman schickte, damit ich meine Teile einbauen und alles angleichen sollte (er hatte die Vergangenheitspassagen, ich die Gegenwartspassagen geschrieben).  Seine Abschiedsworte lauteten: »Ich habe meine Arbeit getan.« Kurz darauf starb er.


Klaus N. Frick: Zu PERRY RHODAN NEO: Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht einfach für dich war, mit dem komplexen Universum zu arbeiten. Wie bist du mit dem Exposé und seinen Vorgaben klargekommen?

Uwe Voehl: Das Exposé konnte ich mir besser nicht vorstellen. Auch die gesamten Hintergrundinformationen, die einem NEO-Autor zur Verfügung stehen, sind sicherlich einzigartig. Mit einem Satz: Das Umfeld ist super-professionell. Es versetzt dich als Autor in eine Komfort-Zone, aus der aber zumindest ich schnell wieder herausgeschleudert wurde, als ich begriff, WIE komplex das Universum ist.

Als Leser ist das ja relativ einfach, du nimmst im besten Fall alles hin, was da steht, aber als Autor musste ich zeitweise bei jedem Satz überlegen, ob das denn auch so stimmt, was ich da schreibe. Auf jeden Fall habe ich mir Mühe gegeben, und ich bin sicher, dass auf die Leser ein ziemlich actionreicher NEO zukommt.


Klaus N. Frick: Als eine wesentliche Hauptfigur deines Romans hattest du den Arkoniden Atlan, den viele Autoren ja lieber haben als Perry Rhodan selbst. Hättest du lieber Perry gehabt?

Uwe Voehl: Nein, ich liebe Atlan. Er ist in meinen Augen immer noch der geheimnisvollere Charakter. Auch wie er auf dem Cover von NEO 68 abgebildet ist, also recht wild und kämpferisch, das gefällt mir. Und so sehe ich ihn auch. Gleichzeitig teilt er natürlich mit Perry die große Vision eines universellen Friedens.


Klaus N. Frick: Gibt's eigentlich eine spezielle NEO-Lieblingsfigur für dich?

Uwe Voehl: Die Naats sind mir während des Schreibens ans Herz gewachsen. Sie sind ja die Underdogs der Serie. Ihre Entwicklung als geknechtetes Kriegervolk hin zu einer selbstständigen Nation finde ich sehr spannend. Und der Weg dahin ist ja noch lange nicht abgeschlossen, sondern wurde erst angestoßen.

Das macht es für mich als Autor interessant, an einer Serie wie NEO zu schreiben: Die geschichtlichen und politischen Parallelen zu unserer eigenen Gesellschaft bis hin zu verblüffenden Ähnlichkeiten, was unsere aktuelle Tagespolitik betrifft.


Klaus N. Frick: PERRY RHODAN hat in den vergangenen Jahren große Erfolge mit seinen E-Books erzielt. Du bist bei Bastei-Lübbe für eine E-Book-Reihe verantwortlich. Kannst du dazu ein bisschen erzählen?

Uwe Voehl: Seit einem Jahr läuft dort die Reihe »Horror Factory«. Jeden Monat erscheint ein neues E-Book. Jedes E-Book beinhaltet einen abgeschlossenen Roman. Begonnen wurde die Reihe mit Wolfgang Hohlbein. Mit Michael Marcus Thurner und Christian Montillon haben auch schon zwei PR-Autoren ihre Visitenkarte abgegeben. Ihre Romane gehören zweifelsohne zu den Highlights. Auch an Michael und Christian sieht man, dass der Weg von der SF zum Horror und umgekehrt gar nicht so weit ist.

Wobei »Horror« sich ja immer recht blutrünstig anhört: Mit beiden Autoren schreibe ich auch für »Dorian Hunter« und »Das Haus Zamis«. Ernst Vlcek, einer der Serienväter, bezeichnete die Serie keineswegs als »Horror«, sondern als »Dark Fantasy«. Ich glaube, das trifft es tatsächlich.


Klaus N. Frick: Und wo siehst du die Zukunft des Romangeschäftes? Immer mehr im digitalen Bereich, oder bleibt für die Freunde gedruckter Bücher noch genügend übrig?

Uwe Voehl: Ich spreche jetzt mal allgemein: E-Books sind momentan noch eine Randerscheinung, allerdings eine zunehmend lukrativere. Der Prozentanteil am Markt wird sich stetig erhöhen. Irgendwann wird es für Bücher so aussehen wie heute bei den CDs, denen ja auch schon das Ende prophezeit wird.

Ich selbst habe zwar einen Kindle und weiß dessen Vorteile zu schätzen, bin aber als Konsument immer noch hoffnungslos old-fashioned: Was ich wirklich gut finde, muss ich auch anfassen können. Und Papier hat für mich immer noch etwas sehr Sinnliches. Ich fürchte, das wird sich nie ändern.


Klaus N. Frick: Vielen Dank für die schönen Antworten!