»PERRY RHODAN NEO ist eine packende Vision« Helmut Ehls im Interview

24. Juli 2014

Wenn PERRY RHODAN NEO 75 erscheint, freuen sich auch die Mitarbeiter der Serie über diesen Wendepunkt. Einer der wichtigsten NEO-Mitarbeiter, der aber in der öffentlichen Wahrnehmung stets im Hintergrund bleibt, ist Helmut Ehls. Der in Freiburg lebende Lektor und Autor sorgt für die sprachliche und inhaltliche Kontinuität der Serie.

Die Fragen an den Lektor stellte Klaus N. Frick, der Redakteur der Serie.


Klaus N. Frick: Kannst du dich noch daran erinnern, wie es für dich am Anfang war, als NEO herauskam?

Helmut Ehls: Ich war sehr gespannt auf die Serie, das Timing auf dem WeltCon bot ja die perfekte Dramaturgie. Als Filmfan seh’ ich haufenweise Remakes. Manche Werke wie aktuell »Godzilla« oder »Invasion der Körperfresser« sind sehr gelungene Variationen, auf andere wie »Krieg der Welten« hätte man verzichten können. In der Literatur gibt es ja eher Fortsetzungen als Remakes, aber besonders der Stoff der PERRY RHODAN-Bände 1 bis 19 ist eine wirklich grandiose Geschichte, ist großes Kino, das eine Neuinterpretation und Modernisierung nach 50 Jahren fast schon fordert. Manchen Aspekten war der Zeitgeist in den frühen 60er-Jahren ohnehin nicht aufgeschlossen.

Natürlich sorgt so eine Parallelerzählung auch für Irritation und polarisiert, das ist klar. Aber eigentlich müsste, um ein Beispiel zu nennen, allein das Thema Fantan und ihr Besun jeden Altleser ködern …


Klaus N. Frick: Und wie war's, als du dann deinen ersten NEO-Roman redigieren konntest?

Helmut Ehls: Das war der Quantensprung, und gleich mit einem so außergewöhnlichen Roman voller überraschender Wendungen: Band 22 von Wim Vandemaan. Das Problem war nicht das Redigieren, das hatte ich schon vor ein paar Jahren bei der ATLAN-Serie gelernt. Aber die Umstellung vom Fan-Lesen zu nüchtern-sachlichem, viel langsamerem Lesen – und die Aufmerksamkeit auf völlig andere, weniger prickelnde Dinge zu richten – war doch überraschend groß, und der Prozess hat ein paar Wochen gedauert. Als Sofortumschalter geh’ ich wohl nicht mehr in die Geschichte ein.


Klaus N. Frick: Was bedeutet PERRY RHODAN NEO für dich? Gibt es besondere Empfindungen?

Helmut Ehls: NEO ist nun in erster Linie ein Job. Es ist ein völlig anderes Gefühl, wenn ich ein Heft der Erstauflage lese. Noch merkwürdiger ist es, wenn ich einen Roman der Originalserie mit einem entsprechenden NEO vergleiche, hab’ ich aber nur einmal gemacht: »Eiswelt in Flammen«, ich wusste gar nicht mehr, wie sehr sich die Serie gewandelt hat. Es entsteht also manchmal ein seltsames Spannungsfeld zwischen der idealisiert empfundenen Urserie, zwischen nostalgischem »future retro« und dem vergleichsweise realistischen Zukunfts-Szenario bei NEO.

Oder vom neugierig erwarteten Exposé bis zum Termindruck der Abgabe, vom persönlichen Kontakt zu den Autoren bis zu Erkenntnissen zum eigenen Schreiben: Den Entstehungsprozess zu erleben, daran teilzuhaben, macht Spaß.


Klaus N. Frick: Auf welche Details achtest du besonders, wenn du einen NEO-Roman redigierst?

Helmut Ehls: Nach Frank Borsch und dir bin ich ja Leser Nummer drei (wenn man den Autor und etwaige Testleser ausklammert), d.h., die inhaltliche Ebene ist soweit ziemlich perfekt geregelt, eher selten ist da noch was zu korrigieren. Wichtig ist zu checken, dass die Erzählperspektive eingehalten ist. Bei NEO vermeiden wir ja das »Allwissende«, dafür nimmt der Leser tiefer das Erleben der Figur wahr. Natürlich gibt es auch die typischen Flüchtigkeitsfehler. Mein Hauptaugenmerk liegt also im sprachlichen Bereich, vor allem Wortwiederholungen fallen auf und allzu umständliche Sätze sind umzuformulieren.


Klaus N. Frick: Wenn du die Chance und das Geld hättest, NEO zu verfilmen – welche Episoden würdest du besonders herausgreifen?

Helmut Ehls: Im Gegensatz zum legendären Perry Rhodan-Kinofilm, der bei aller berechtigten Kritik und den peinlichen Unstimmigkeiten, die nach Jahren aber komisch rüberkommen wie das Bügeleisen auf der ORION, dramaturgisch erstaunlich gut funktioniert, also spannend erzählt ist – mehr Abenteuerfilm zwar als Science Fiction –, würde ich bei NEO eher an eine TV-Serie denken, die ersten drei Staffeln, 24 Bände, als Zehn-Teiler verdichtet.


Klaus N. Frick: Als du in den 70er-Jahren deine ersten Fan-Zeitschriften veröffentlicht hast, konntest du dir damals vorstellen, irgendwann mal in die PERRY RHODAN-Arbeit eingebunden zu sein?

Helmut Ehls: Als Lektor definitiv nicht. Aber tatsächlich hab ich damals geliebäugelt, einen Terra Astra-Roman zu schreiben. Nachdem Roland Rosenbauer mit seinem »Kälteschläfer« vorgelegt hatte, fing ich mit den ersten Notizen an; ermutigt durch einen Preis beim Psi-Story-Wettbewerb (PERRY RHODAN-Taschenbuch 175), kam es aber nur zu einer Story im Terra Astra-Band »Das andere Ich«, einer von Willi Voltz herausgegebenen Anthologie. Mit dem Wegzug nach Osnabrück, dem Studium der Medienwissenschaft, hat dann eine gut zehn Jahre lange Weltraumpause begonnen, aber irgendwann waren die »Star Trek«- und »Alien«-Movies nicht mehr zu ignorieren, und plötzlich – eines schönen Montages, mit grippaler Matschbirne am Kiosk des Einkaufszentrums auf der Suche nach dem »Spiegel«, fällt mein Blick auf Perry Rhodan Band 1648, »Die Spiegelgeborenen« … und ich war wieder dabei.


Klaus N. Frick: Vielen Dank für das Interview.

Helmut Ehls: Ebenfalls.