»MYTHOR war mein Einstieg in die Vielseitigkeit der Autorenlaufbahn« – Teil 2 Interview mit Hubert Haensel zur E-Book-Version von MYTHOR

30. Oktober 2015

Die Fantasy-Serie »Mythor« erschien ab 1980 im damaligen Pabel-Verlag. Sie war der zweite Versuch, im Fantasy-Bereich eine Romanheftserie zu etablieren, und erreichte insgesamt 192 Romane.

Im Herbst 2015 hat der Pabel-Moewig Verlag damit begonnen, die klassische Serie in Form von E-Books zu veröffentlichen. Aus diesem Grund führten wir ein Interview mit Hubert Haensel. Der Autor gehört heute zum Autorenteam von PERRY RHODAN, der größten Science-Fiction-Serie der Welt, und ist unter anderem für die sogenannten Silberbände verantwortlich.

Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen. Gestern erschien der erste Teil, heute kommt der zweite. Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen stellte Klaus N. Frick.

MYTHOR Band 56 E-Book-CoverKlaus N. Frick: Gab es Figuren in deiner Autorentätigkeit, die du besonders gern mochtest?

Hubert Haensel: Ja, natürlich. Da nenne ich an erster Stelle die Amazone Burra, die ihren Auftritt in Band 56, »Die Amazonen von Vanga«, hatte. Dass ich Burra erwähne, liegt wohl vor allem daran, dass ich als Autor diese Figur aufbauen durfte. Wieso gerade ich? Ich weiß nicht, ob es Zufall war oder ob der Exposéautor mich so gut einschätzen konnte. Jedenfalls lag mir diese Figur vom ersten Moment an. Ich durfte ihre Lebensgeschichte schildern, wie sie zu der Kriegerin wurde, die sie war. Burra kam (oder hab ich das unbewusst so hingedreht?) meinem Faible für Samurais entgegen.

Ich habe mir damals ein Samuraischwert zugelegt. Das Schwert hängt noch heute griffbereit im Arbeitszimmer, ich habe es auch in diesem Moment im Blickfeld. Wie mancher Fantasyzeichner reale Personen für seine Bilder arrangiert, so habe ich mit dem Schwert Kampfszenen geübt. Oder besser gesagt: einzelne Hiebe, mit denen ich die Heldin kämpfen ließ. Der Spalthieb von unten ist eigentlich darauf zurückzuführen.

Was schildert Burra besser als der erste Satz, mit dem ich diesen Roman beging: »Das Schwert in deiner Hand ist Leben, ist Leib und Seele zugleich – hüte es wie deinen Augapfel und verbanne, während du es führst, jeden Gedanken an den Tod.«

Und weil eben von Leserreaktionen die Rede war. Besonders stolz bin ich heute noch darauf, dass Dr. Helmut Pesch mich aufgrund des Manuskripts darauf ansprach, dass ihm der Burra-Roman besonders gut gefallen habe. Dr. Pesch hat seinerzeit die Detailkarten für die Romane erstellt und war schon deswegen frühzeitig über alles informiert.

Klaus N. Frick: Hattest du eigentlich schon vorher Erfahrung mit Fantasy-Literatur, oder kam das alles einem Sprung ins kalte Wasser gleich?

Hubert Haensel: Ich habe Fantasy als Leser gern gelesen, allerdings doch deutlich mehr Science Fiction, sonst hätte ich meine schriftstellerische Laufbahn auch nicht mit SF begonnen. Insofern war es doch ein Sprung ins kalte Wasser. Die Schreibweise ist anders, doch die Fantasy bietet die unterschiedlichsten Variationen, ob nun kriegerisch hart, verspielt romantisch oder eher zauberhaft mysteriös. MYTHOR war und ist für mich eine ideale Mischung.

Klaus N. Frick: Wie hast du damals die Einstellung der MYTHOR-Serie erlebt?

MYTHOR Band 193 E-Book-CoverHubert Haensel: Mit zwiespältigen Gefühlen. Vor allem war ich schlichtweg traurig. Wie kann es anders sein, wenn man über Jahre hinweg als Autor mit den Romanfiguren gelebt, geliebt, gelacht und gekämpft hat? Zu der einen oder anderen Figur bestand außerdem eine Verbindung als wäre sie ein eigenes Kind gewesen. Burra zum Beispiel.

Und Gerrek, den Beuteldrachen, habe ich noch gar nicht erwähnt. Er war für mich so etwas wie der Gucky der Fantasy, mit sehr viel Potenzial. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr blüht er in meiner Erinnerung wieder auf. MYTHOR war eine Serie, die es verdient, endlich wieder auf den Markt gebracht zu werden.

Die Einstellung hat mich umso schwerer getroffen, als ich zu diesem Zeitpunkt an einem MYTHOR-Roman schrieb. Ich durfte diesen Roman zwar zu Ende bringen, doch blieb das Manuskript unveröffentlicht. Trotz des Wissens um die bevorstehende Einstellung habe ich den Roman mit Freude geschrieben. Es war Band 193, »Nykerien erwacht«.

Zu jener Zeit ging die Planung schon über Band 200 hinaus. Werner Kurt Giesa hatte viel Material zusammengestellt, und wir haben uns oft darüber unterhalten.

Klaus N. Frick: Immerhin wurde dein letzter Roman im Rahmen der Zeitschrift »Magira« publiziert. Weißt du noch, wie das kam?

Hubert Haensel: Ohne in den alten Unterlagen nachzuschlagen, die irgendwo »sicher« abgelegt sind: Ich entsinne mich, dass ich darauf angesprochen wurde, ob ich einverstanden wäre, wenn mein bis dahin unveröffentlicht gebliebenes Manuskript im Rahmen von »Magira« abgedruckt würde. Natürlich hatte ich nichts dagegen. In dem Magazin wurden auch die Folgeexposés bis 199 veröffentlicht, nicht aber die Unterlagen von Werner Kurt Giesa, wie die Serie hätte weitergehen können. Ob davon überhaupt noch etwas existiert, kann ich leider nicht sagen.

Klaus N. Frick: Verfolgst du eigentlich heute noch, was sich in Sachen Fantasy tut? Das Genre ist in den vergangenen dreißig Jahren geradezu explodiert, was Beliebtheit und Verkaufszahlen angeht.

Hubert Haensel: Ich habe immer noch ein Faible für die Fantasy, wenngleich mir schlicht die Zeit fehlt, mich intensiv damit zu befassen. Aber das eine oder andere Werk lege ich mir für meine Sammlung zu in der Hoffnung, es eines Tags lesen zu können. Auch Fantasy-Filme sehe ich hin und wieder, und – wen wundert es, nach dem, was ich zu Burra gesagt habe? – japanische Filme waren schon immer meine Favoriten. Zu MYTHOR-Zeiten habe ich mir mehrfach »Das Schwert des gelben Tigers« angesehen. Natürlich hatte ich damals mein Augenmerk besonders auf den Kampfszenen.

Zum Thema Lesestoff muss ich noch etwas loswerden. Der lapidare Spruch, dass früher alles besser war, stimmt zwar keineswegs immer, in dem Fall aber doch. Chefredakteur Kurt Bernhard, die oberste Instanz bei MYTHOR, forderte uns Autoren damals frühzeitig auf, beim Thema Fantasy stets aktuell zu sein und mitzulesen, was auf den Markt kam. Wir sollten uns im Monat mehrere Taschenbücher kaufen und die Rechnungen dafür dem Verlag einreichen – eine Bitte, die ich gar nicht abschlagen konnte. Die Kollegen ebenso wenig. Kurt Bernhards Absicht dahinter war schon klar: Wir sollten uns permanent selbst hinterfragen und beständig weiter optimieren.

Klaus N. Frick: Hand aufs Herz ... wenn heute jemand eine MYTHOR-Fortsetzung planen würde, wie wäre das für dich?

Hubert Haensel: Ich würde mitmachen. Ein spontanes »Ja«! Weil es mich ungemein reizen würde, wieder einen Fantasy-Roman zu schreiben. Und weil Abwechslung immer hilft, eingefahrene Gleise zu verlassen, neue Ideen und neuen Schwung zu entwickeln. Vor allem aber, weil ich Mythor, Burra, Gerrek und viele andere nicht vergessen kann.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die Antworten!

Hubert Haensel: Sehr gern geschehen. Jedem, der diese Zeilen liest und der sich für Fantasy oder auch nur für Abenteuer und Action interessiert, lege ich es ans Herz, sich mal in die MYTHOR-Serie einzulesen. Ich bin sicher, es lohnt sich.

 

 


MYTHOR Band 1 E-Book-Cover
Mittlerweile gibt es die MYTHOR-Bände 1 bis 99 bei allen bekannten E-Book-Shops wie Amazon, beam eBooks, eBook.de und readersplanet. Die Einzel-E-Books kosten jeweils 1,49 Euro.

Selbstverständlich gibt es die MYTHOR-Romane auch als E-Book-Pakete. Paket 1 enthält die Romane 1 bis 49, Paket 2 umfasst die Romane 50 bis 99. Die Pakete kosten jeweils 49,99 Euro.