»MYTHOR war mein Einstieg in die Vielseitigkeit der Autorenlaufbahn« – Teil 1 Interview mit Hubert Haensel zur E-Book-Version von MYTHOR

29. Oktober 2015

Die Fantasy-Serie »Mythor« erschien ab 1980 im damaligen Pabel-Verlag. Sie war der zweite Versuch, im Fantasy-Bereich eine Romanheftserie zu etablieren, und erreichte insgesamt 192 Romane.

Im Herbst 2015 hat der Pabel-Moewig Verlag damit begonnen, die klassische Serie in Form von E-Books zu veröffentlichen. Aus diesem Grund führten wir ein Interview mit Hubert Haensel. Der Autor gehört heute zum Autorenteam von PERRY RHODAN, der größten Science-Fiction-Serie der Welt, und ist unter anderem für die sogenannten Silberbände verantwortlich.

Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen. Heute erscheint der erste Teil, morgen folgt der zweite. Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen stellte Klaus N. Frick.

MYTHOR Band 21 E-Book-CoverKlaus N. Frick: Du bist mit Heft 21 in die MYTHOR-Serie eingestiegen. »Der Schwefelfluss« war dein erster Roman. Wie kam das eigentlich?

Hubert Haensel: Es kam für mich überraschend und fast schon etwas unheimlich. Vor allem war es eine Chance, die ich mir einfach nicht entgehen lassen konnte. Im November 1978 war mein erster TERRA ASTRA-Roman, Nummer 369 mit dem Titel »Das Geisterschiff«, erschienen.

Sehr schnell stellte mir Günter M. Schelwokat, seinerzeit Redakteur und Lektor, die Frage, ob ich die PERRY RHODAN-Schwesterserie ATLAN kennen würde. Da ich dies bejahte, folgte nach meinem dritten Roman für TERRA ASTRA schon im November 1979 mein erster ATLAN-Roman. Natürlich wurde ich anschließend zu meiner ersten der jährlichen ATLAN-Konferenzen nach München eingeladen. Als Neuling ging ich das mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht an.

Im Umfeld der Konferenz brachte Günter Schelwokat das neueste Verlagsprojekt zur Sprache, die Fantasy-Serie MYTHOR. Ich erfuhr, dass die ersten Exposés schon von William Voltz geschrieben wurden und bis einschließlich Nummer 20 fertig waren. Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sein würden, dass die Serie weiterlaufen könne, wurden weitere Autoren benötigt.

MYTHOR Band 22 E-Book-CoverSchelwokat fragte mich, ob ich auf dem Fantasy-Sektor Ambitionen hätte. Und ob ich die hatte! Schließlich las ich neben SF seit einigen Jahren auch Fantasy und konnte spontan »Conan« nennen, ebenso »Almuric« von Robert E. Howard, außerdem »Brak, der Barbar« von John Jakes und einige andere. Günter M. Schelwokat meinte schließlich, dass ich mit einem Exposé in den 20er-Bänden rechnen dürfe. Dass es dann sofort ein Doppelband werden würde, noch dazu die Nummern 21 und 22, konnte ich zu der Zeit nicht ahnen, auch nicht in den Monaten, die bis dahin vergingen.

Die Romane zu schreiben war dann doch ziemlich anders als Science Fiction. Es hat nicht nur Spaß gemacht und war eine neue Erfahrung, ich habe dabei zugleich »Blut geleckt« und sehr gern für MYTHOR geschrieben.

Klaus N. Frick: Du warst damals ja noch ein junger Autor; geschrieben hast du wohl noch während der Ausbildung? Oder warst du schon in der »richtigen Arbeit«?

Hubert Haensel: Meine Lehrzeit war bereits 1970 zu Ende, insofern hatte ich den Rücken frei. Mein erstes MYTHOR-Manuskript habe ich im März 1980 beendet; im Hauptberuf war ich also gefestigt und konnte mich in der Freizeit voll auf die Serie konzentrieren.

Meine Ehefrau hat wohl schon geahnt, dass mein Hobby allmählich ausarten und immer mehr Zeit einfordern könnte. Andererseits kam das zusätzliche Einkommen gerade recht, da Gudrun nach der Geburt unseres ersten Kindes im Herbst 1980 nicht mehr arbeitete. Letztlich fand sie zu Hause Zeit, meine Manuskripte nach meinen handschriftlichen Korrekturen ins Reine zu schreiben. Zu jener Zeit gab es eben noch keinen PC mit so angenehmen Funktionen wie »einfügen« und »löschen«.

Klaus N. Frick: Danach folgten zahlreiche weitere Romane, die bei den Lesern – ich erinnere mich gut – auch wohlwollend aufgenommen wurden. Hast du die Leserreaktionen bemerkt?

Hubert Haensel: Da ich gerade von PC sprach: Es gab kein Internet mit diversen Foren und keine Verlags-Homepage, folglich auch keine Leserreaktionen zeitgleich quasi vom anderen Ende der Welt. Dafür kamen Leserbriefe, wenngleich zunächst eher spärlich, jeweils soweit ich das erkennen konnte. Anfangs blieben Reaktionen demnach eher auf mein näheres Umfeld beschränkt, auf meinen Freund Dieter, der als eingefleischter Fantasy-Fan natürlich jeden meiner MYTHOR-Romane las.

Wir saßen oft stundenlang zusammen und diskutierten Handlungsmöglichkeiten und Ideen; er kritisierte auch, war mir für meinen Geschmack aber manchmal zu voreingenommen-entgegenkommend. Nein, das soll keine Aufforderung sein, nur um der Kritik wegen zu kritisieren. Und natürlich traf ich auch schon mal am Bahnhofskiosk den einen oder anderen mir bis dahin Unbekannten mit einem MYTHOR-Roman in der Hand, was ich stets als willkommene Gelegenheit sah, denjenigen anzusprechen. Im Übrigen habe ich immer versucht, meine Romane so zu schreiben, dass ich sie als Leser selbst gern gelesen hätte.

Später kamen die MYTHOR-Fanclubs. Gern erinnere ich mich an die Zeit, als zwei Fans mitsamt gläsernem, ziseliertem Lichtschwert im perfekten Eigenbau zu Besuch kamen und unter anderem die Aussicht auf das Schloss meiner Heimatstadt genossen.

 

 


MYTHOR Band 1 E-Book-Cover
Mittlerweile gibt es die MYTHOR-Bände 1 bis 99 bei allen bekannten E-Book-Shops wie Amazon, beam eBooks, eBook.de und readersplanet. Die Einzel-E-Books kosten jeweils 1,49 Euro.

Selbstverständlich gibt es die MYTHOR-Romane auch als E-Book-Pakete. Paket 1 enthält die Romane 1 bis 49, Paket 2 umfasst die Romane 50 bis 99. Die Pakete kosten jeweils 49,99 Euro.