»Menschen sind die besten Bösewichte« Andreas Eschbach und die alternative Sicht auf das Perryversum

28. Juli 2015

Es sind vier Romane in der laufenden PERRY RHODAN-Handlung, die sich mit einer möglichen anderen Realität des Perryversums beschäftigen: »Die falsche Welt«, so der Titel des entsprechenden Vierteilers, wurde von Andreas Eschbach und Verena Themsen geschrieben.

Der Vierteiler bildet eine »Serie innerhalb der Serie«, eine »Welt, die nicht wahr sein darf«, die aber für die Bewohner dieser fiktiven Welt wirklich ist. »Die falsche Welt« erzählt die Geschichte eines Tamaniums und einer Welt Lemuria. Über all dies regiert ein weiser Herrscher – der sogenannte Matan –, der in der Lage ist, sich selbst an verschiedene Stellen seines Reiches materialisieren zu lassen.

Zwei Romane stammen von Andreas Eschbach, der auch zahlreiche Ideen zu dem Vierteiler beisteuerte. Grund genug, ihn endlich zu »Willkommen im Tamanium!« und den Folgebänden zu befragen. Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen stammen von Klaus N. Frick.

Klaus N. Frick: Nach vier Gastromanen für PERRY RHODAN hast du jetzt sogar einen Doppelband geschrieben. Dazu ist dieser Doppelband die Hälfte eines besonderen Vierteilers. Wie kam es denn dazu, dass du einen Gastroman-Zweiteiler verfasst hast?

Andreas Eschbach: Eigentlich dadurch, dass ich mich geweigert habe, alle vier Bände zu scCover Band 2812 von Arndt Drechslerhreiben ...

Begonnen hat alles mit einem Anruf von Wim Vandemaan, er hätte da ein besonderes Projekt, eine kleine Geschichte innerhalb der großen Geschichte, und ob ich nicht mal wieder Lust und Zeit hätte? Nun, ich hatte beides, ich musste ihm nur seinen Wunsch abschlagen, alle vier Bände selber zu schreiben – so viel Zeit hatte ich nun auch wieder nicht. Ich bedauere das gar nicht; die Zusammenarbeit mit Verena Themsen, meiner Co-Autorin, hat nicht nur wunderbar funktioniert, sie war zudem eine schöne Erfahrung, denn normalerweise gibt es derlei bei mir ja nicht.

Klaus N. Frick: War es für dich etwas Besonderes, eine fiktive Zukunft des Perryversums zu schildern?

Andreas Eschbach: Das Besondere war, dass es ja nicht um irgendeine fiktive Zukunft ging, sondern eine, die besonders un-wünschenswert für den PR-Fan sein sollte. Da sprudelten die finsteren Ideen nur so – klar, Perry Rhodan musste in dieser Zukunft tot sein. Gucky musste entsorgt sein. Die Haluter desgleichen. »Weg mit allen Lieblingen!« war das Motto. Gleichzeitig, so schwebte uns vor, sollte es eine trügerisch-verführerische »schöne neue Welt« werden, eine, die auf den ersten Blick »gar nicht so schlecht« aussah.

Klaus N. Frick: Man glaubt bei der Lektüre zu spüren, dass du für das künftige Lemurer-Imperium eine kleine Schwäche entwickelt hast. Bist du auch noch von den Meistern der Insel fasziniert?

Andreas Eschbach: Na klar – das sind doch immer noch die archetypischen Bösen! Und zwar, denke ich, weil sie uns so ähnlich sind. Die Erde der PR-Serie hat zwar viele Gegner kommen und gehen sehen, von denen viele mächtiger und gefährlicher als die Meister der Insel waren – der Cover Band 2813 von Arndt Drechslerin dieser Hinsicht nicht mehr überbietbare Höhepunkt dürfte die Terminale Kolonne TRAITOR sein, die schlichtweg nicht besiegbar ist –, aber die waren alle auch sehr fremd. Anders die MdI, die Tefroder waren, Lemurer, also quasi Menschen wie wir. Menschen geben nun mal die besten Bösewichte ab.

Klaus N. Frick: Das System, das du in diesen zwei Romanen schilderst, ist das einer »positiven Diktatur«: Alle sind glücklich, alle wirken zufrieden, der weise Herrscher regelt alles. Glaubst du, dass eine solche Staatsform existieren könnte?

Andreas Eschbach: Oh, ich denke, das ist immer wieder versucht worden, und manchmal habe ich das Gefühl, dass es gerade mal wieder versucht wird – die weise EU-Kommission entwöhnt uns vom Rauchen, nimmt uns die Glühbirnen weg, damit wir nicht so viel Geld für Strom ausgeben müssen, und was der Bevormundungen mehr sind, die wir uns gefallen lassen.

Der Preis eines Lebens in einer »wohlmeinenden Diktatur« ist eben der, dass man mit dem zufrieden sein muss, von dem der weise Herrscher denkt, dass man damit zufrieden sein müsste. Eigenwillige Vorlieben sind da unerwünscht, von eigenen Gedanken ganz zu schweigen.

Klaus N. Frick: Mittlerweile hast du sechs Heftromane sowie einige kürzere Beiträge für die PERRY RHODAN-Serie verfasst. Was kommt als nächstes? Eine Miniserie, ein ganzer Zyklus, eine Taschenbuch-Trilogie?

Andreas Eschbach: Nein, nein. Irgendwann mal wieder ein Heft, das reicht. Es soll ja ein Hobby bleiben.