»Mein Berlin im Jahr 2037« Frank Böhmert im Interview zu seinem PERRY RHODAN NEO-Roman

7. August 2014

Am 15. August 2014 kommt ein besonderer Science-Fiction-Roman in den Handel: Er stammt von Frank Böhmert, spielt in Berlin und im Jahr 2037 und liefert einen ganz besonderen Blick auf die deutsche Hauptstadt in naher Zukunft. »Berlin 2037«, so der Titel des Romans, erscheint als Band 76 der Serie PERRY RHODAN NEO.

Grund genug, ein kurzes Interview mit dem Autor zu führen. Die Fragen stellte Klaus N. Frick, der Redakteur der Serie.

Klaus N. Frick: Dein letzter Beitrag für die PERRY RHODAN-Serie erschien im Jahr 2006. Warum die lange Pause?

FranNEO-Cover Band 76 von Dirk Schulzk Böhmert: Ich habe damals innerhalb von, ich glaube, vier Jahren sechs Romane zum RHODAN-Kosmos beigetragen. Ganz schön viel für einen Gastautor! Die Geschichten sind richtig gut angekommen, und das Schreiben hat mir Spaß gemacht, aber es hat diesen Nicht-Serienleser hier ehrlich gesagt auch geschlaucht.

Da wollte ich erst mal dringend ein paar eigene Projekte vorantreiben – vor allem meine Reihe mit zeitgeschichtlichen Romanen, von denen der erste, »Bloß weg hier!«, bereits erschienen ist und der zweite, wenn alles klappt, bis Jahresende durchgeschrieben sein wird. Außerdem bin ich inzwischen ein gefragter Jugendbuchübersetzer, der fast so viele Projekte ablehnen muss, wie er annehmen kann.

Aber mit PERRY RHODAN NEO hatte ich sozusagen noch eine Rechnung offen: Chefautor Frank Borsch hatte mich schon damals während der Konzeption angefragt, ob ich da nicht mitschreiben möchte. Er und Außenlektor Helmut Ehls haben mich seither mit sanftem Nachdruck immer wieder bearbeitet – bis ich weichgeklopft war …

Klaus N. Frick: Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit zurück zu PERRY RHODAN zu kommen, auch wenn es »nur« NEO ist?

Frank Böhmert: Der Ausflug in das Neoversum war für mich genau richtig – ich schätze es sehr, dass die Romane in der nahen Zukunft spielen. Ein paar Erfindungen und der Besuch von Außerirdischen, das ist mir fantastisch genug; ich brauche eigentlich keine unendlichen Weiten. Insofern stellt mein NEO-Band die Rückkehr zu einer Spielart von PERRY RHODAN dar, die mir sehr liegt.

Klaus N. Frick: Dein Roman spielt in Berlin – das ist ja ein richtiges Heimspiel für dich. Hast du autobiografische Themen verarbeitet?

Frank Böhmert: Nicht dass ich wüsste. Unbewusst vielleicht schon. Aber zum Beispiel die Subkultur, in der sich die beiden menschlichen Hauptfiguren bewegen, ist mir eigentlich sehr fremd; ich trage ja nicht einmal Piercings oder Tattoos. Aber wenn man sich als einigermaßen weltoffener Mensch tagtäglich in dieser Stadt bewegt, dann lernt man natürlich auch Leute mit noch ganz anderen Körpermodifikationen kennen …

Klaus N. Frick: Mit dem Tempelhof-Areal und einigen Gebäuden machst du ja eine echte Berlin-Science-Fiction. Wie utopisch und realistisch sind diese Ausblicke?

Frank Böhmert: Sie sind sehr utopisch, aber gleichzeitig auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Diese bionischen Hochhäuser gibt es als Entwürfe tatsächlich; einiges davon wird derzeit umgesetzt, vor allem aber im asiatischen und arabischen Raum. Und boloähnliche Strukturen gibt es zum Beispiel in Zürich; die sind sozusagen die Stadtviertel-Version eines alternativen Wohnprojekts. Beides, sowohl die teure bionische Architektur als auch die billigere Bolo-Wohnform, kann ich mir im Berlin der nahen Zukunft absolut als realisiert vorstellen.

Insgesamt stellt das Ganze meinen Beitrag zu positiven Zukunftsvisionen bei PERRY RHODAN NEO dar. Dazu zählt übrigens auch, dass der BER im Roman keine Rolle spielt – der ist da einfach bloß so ein Flughafen, der seit vielen Jahren funktioniert, und darüber verliert natürlich niemand ein Wort.

Klaus N. Frick: Mal ernsthaft – wie siehst du realistischerweise die Zukunft von Berlin? Ist die Stadt dazu verdonnert, dauerhaft arm und sexy zu bleiben?

Frank Böhmert: Berlin ist die lebendigste Stadt Deutschlands, beständig im oft auch krassen Umbruch und Anziehungspunkt für die Jugend von mindestens halb Europa. Daran wird sich auch in den nächsten 25 Jahren nichts ändern.

Arm aber sexy ist ein hübscher Politikerspruch zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt gewesen, mehr nicht. Geld sucht Kreativität, das ist schon fast ein Naturgesetz. Negativ gesehen läuft es auf Gentrifizierung hinaus, positiv gesehen kann man aber sagen: Da, wo die frischen Ideen sind, ist bald auch das Geld – und dann flutschen die nächsten Leute mit den coolen Ideen eben woanders hin; ein fröhliches Bäumchen-wechsel-dich-Spiel quer durch die Berliner Bezirke. Aber nach Berlin wollen sie fast alle … demnächst dann halt nach Adlershof oder so.

In meinem NEO-Roman sagt ein Besatzer irgendwann: »Ich hasse diese Stadt: laut, dreckig, frech und voller dunkler Kellerlöcher.« Eine meiner persönlichen Lieblingsstellen – nur dass ich aus genau denselben Gründen diese Stadt eben liebe.

Klaus N. Frick: Wie geht es nach »Berlin 2037« mit dir und PERRY RHODAN weiter?

Frank Böhmert: Schauen wir mal! Jetzt bin ich erst mal gespannt, wie mein Roman draußen bei den Leuten überhaupt ankommt … in Berlin und natürlich außerhalb.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die schönen Antworten.

Frank Böhmert: Und ich danke für die Gelegenheit zur Selbstdarstellung.