»Mehr als eine schlaflose Nacht beschert ...« – Teil zwei Ein Interview mit Verena Themsen zum PERRY RHODAN-Band 2900

31. März 2017

Der Einleitungsband für den aktuellen PERRY RHODAN-Zyklus kam am 17. März 2017 in den Handel; er stammte von Verena Themsen und trug den Titel »Das kosmische Erbe«. Wieso kam es zu diesem Band, und welche Empfindungen hatte die Autorin bei ihrer Arbeit?

Diese Fragen stellte ihr der Autorenkollege Michael Marcus Thurner in einem Interview. Wegen seiner Länge veröffentlichen wir es in zwei Teilen – gestern kam Teil eins, heute ist der zweite Teil an der Reihe.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zu deiner Rolle als Technikerin im PERRY RHODAN-Autorenteam. Du füllst in gewisser Weise eine Lücke, die der 2015 verstorbene Rainer Castor hinterlassen hat. Du beschäftigst dich also mit den technischen Komponenten der Serie. Rainer ist natürlich nicht Eins zu Eins zu ersetzen; aber hast du dich schon in deiner Rolle eingefunden? Was erledigst du denn alles für die Expokraten im Hintergrund?

Verena Themsen: Soweit bin ich bestenfalls ein müder Schatten von dem, was Rainer war. Das liegt natürlich zum einen daran, dass ich im ersten Jahr nach seinem Tod noch Vollzeit gearbeitet habe, und auch jetzt noch nur einen Tag mehr für PERRY RHODAN habe. Zum anderen bin ich erst deutlich später zur Serie gestoßen und habe immer noch große Lücken in meinem Wissen. Rainers System der Datenablage war aber definitiv auf jemanden ausgelegt, der genau wusste, wo er was suchen musste.

Außerdem habe ich von Rainer nicht nur die Datenarbeit übernommen, sondern auch die Betreuung der Risszeichner. Tatsächlich macht diese Betreuung mir nach einer anfänglich etwas stressigen Einarbeitungsphase zum Glück nicht mehr viel Arbeit; die Zusammenarbeit mit den Zeichnern funktioniert reibungslos und großartig. Ich bin sehr froh, das übernommen zu haben, weil es sich exzellent mit der Datenarbeit ergänzt und ich dadurch auch gleich einige Spezialisten zur Hand habe, die mir weiterhelfen können, wenn ich mal an die Grenzen dessen komme, was Rainers Texte mir vermitteln können.

Für die Exposéfabrik mache ich inzwischen nach einer längeren Einarbeitungsphase fast das volle Paket – Ergänzung von Daten in den Exposés, Überprüfung der bereits darin vorhandenen Daten, Überprüfung auf innere Logik und die Logik innerhalb des Zyklus und den Rechtschreibfehler-Exorzismus. Ich greife aber zum Beispiel auch ein, wenn mir Passagen unklar formuliert erscheinen, und mache Vorschläge zur Verbesserung.

Die zyklusübergreifende Serienlogik muss ich nach wie vor Michael Thiesen überlassen, da ich wie gesagt in der Hinsicht noch Lücken habe. Auch bei den anderen Sachen musste ich mich erst herantasten: Was ist zu viel, was zu wenig, wo muss ich besonders aufpassen ... solche Dinge. Aber ich denke, inzwischen habe ich es im Griff.

Michael Marcus Thurner: Du bist jetzt auch schon bald sechs Jahre bei PERRY RHODAN im Autorenteam. Wie siehst du deine Rolle in der Mannschaft, wo liegen schriftstellerisch deine Stärken?

Verena Themsen: *lacht* Meine Stärke liegt im Kreieren von Weißräumen. Nein, natürlich nicht; aber tatsächlich ist das eine Schwäche, die aus meiner Stärke resultiert: Ich krieche so sehr in meine Figuren hinein und bin so stark damit beschäftig, was sie wie und warum sagen, tun und denken und wie sich all das anfühlt, dass ich manchmal vergesse, sie auch in einer plastischen Umgebung zu platzieren. Aber dafür haben wir ja zum Glück Redakteure und Lektoren, die diese Passagen dann entsprechend rot markieren und mich noch mal an die Arbeit schicken ...

Michael Marcus Thurner: Du legst seit etwa einem Jahr die Gewichtung stärker aufs Romanschreiben und hast von deinem Brotberuf als Ingenieurin im Spezialmaschinenbau Zeit weggeknapst. Geht bei dir die Lebensplanung denn in Richtung Vollzeit-Autor?

Verena Themsen: Tatsächlich knapse ich erst seit Anfang diesen Jahres Zeit von meinem Hauptberuf ab. Davor lief die Schreibarbeit zu hundert Prozent in meiner Freizeit ab. Was die Zukunft bringt, müssen wir sehen. Immerhin habe ich eine Familie zu ernähren und ein Haus abzubezahlen. Das muss alles gesichert sein, sonst kann ich nicht ruhig schlafen – und unausgeschlafen schreibt es sich schlecht.

Michael Marcus Thurner: Hast du über die Mitarbeit bei PERRY RHODAN hinaus denn Pläne als Autorin? Gibt es »dieses eine« Buch, das du unbedingt schreiben möchtest? Liegen streng geheime Unterlagen dazu bereits in deiner Schublade?

Verena Themsen: Eine Schublade reicht dafür schon lange nicht mehr aus. Ich habe einen ganzen Haufen Ideen ... Und natürlich gibt es da diese eine Welt mit ihren Geschichten, die eigentlich alle gerne mal in professionellerer Form erzählt werden möchten. Im Moment ist es aber so, dass meine Zeit auch nach der Stundenreduzierung in der Firma mit der Arbeit für PERRY RHODAN komplett angefüllt ist. Das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern.

Aber eines Tages ...