»Mehr als eine schlaflose Nacht beschert ...« – Teil eins Ein Interview mit Verena Themsen zum PERRY RHODAN-Band 2900

30. März 2017

Der Einleitungsband für den aktuellen PERRY RHODAN-Zyklus kam am 17. März 2017 in den Handel; er stammte von Verena Themsen und trug den Titel »Das kosmische Erbe«. Wieso kam es zu diesem Band, und welche Empfindungen hatte die Autorin bei ihrer Arbeit?

Diese Fragen stellte ihr der Autorenkollege Michael Marcus Thurner in einem Interview. Wegen seiner Länge veröffentlichen wir es in zwei Teilen – heute ist Teil eins an der Reihe, morgen folgt der zweite Teil.

Michael Marcus Thurner: Verena, erst einmal Gratulation dazu, dass du den Jubiläumsband PERRY RHODAN 2900 schreiben durftest. Wann und unter welchen Voraussetzungen ist denn Chefredakteur Klaus N. Frick mit dieser Bitte auf dich zugekommen? Ist dieser Roman sozusagen die Belohnung für permanent gute Leistungen als Teamautorin?

Verena Themsen: Oh je, du erwartest doch jetzt nicht ernsthaft von mir, dass ich mich selbst beweihräuchere? Das, lieber Michael, lässt meine angeborene und wohlgepflegte Scham nicht zu. Wer wissen will, warum ich diesen Roman angeboten bekommen habe, soll lieber den fragen, der das getan hat – oder aber den Roman einfach so genießen.

Wann hat mich Klaus gefragt ... du liebes bisschen, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Zu der Zeit ist so vieles passiert, und auch wenn die Tatsache an sich natürlich herausstach, sind die Umstände für mich in den Nebeln der Geschichte versunken.

Entweder war es eines dieser berüchtigten angekündigten Telefonate, bei denen man sich vorher immer fragt, ob man etwas geschenkt bekommt oder eingeschenkt bekommt, oder aber es war bei einem Besuch in der Redaktion, als ich eigentlich wegen der Zukunft der Datenarbeit dort war. Ich weiß es ehrlich nicht mehr ...

Michael Marcus Thurner: Einen Jubiläumsband zu schreiben, das ist gleichermaßen Freude und Qual. Man darf den Stammleser in eine neue Umgebung begleiten und ihm einen neuen Handlungsstrang präsentieren. Andererseits muss der Roman auch verständlich für Neu- und Wiedereinsteiger sein. Wie bist du mit diesen Schwierigkeiten umgegangen?

Verena Themsen: Tatsächlich hat mir diese Problematik mehr als eine schlaflose Nacht beschert und meine Nerven arg strapaziert. Es lastet ja auch eine Menge Verantwortung auf dem, der die ersten Seiten eines ganzen neuen Zyklus schreibt. Es ging dieses Mal nicht mehr nur darum, ob mein Roman gelesen wird, sondern auch um die 99 folgenden Romane der anderen Kollegen.

Jede Szene musste ich auf Eignung für beide Enden des Leserspektrums prüfen und daraufhin schleifen.

Wir möchten natürlich möglichst alle Interessierten in das Geschehen reinziehen. Da wurde die Schere mehr als einmal angesetzt, und von der ersten Version ist am Ende tatsächlich so gut wie nichts übrig geblieben.

Ich glaube, wenn es nicht einen Endtermin gegeben hätte – der natürlich bei all dem Ringen um die besten Worte viel zu rasch kam – würde ich heute noch dran sitzen.

Michael Marcus Thurner: Es ist wohl kein großes Geheimnis, dass Perry Rhodan selbst in Band 2900 im Mittelpunkt des Geschehens steht. Wie kommst du mit ihm als Figur zurecht?

Verena Themsen: Perry ist immer eine Herausforderung, gerade heutzutage, wo die Leser keine Rollenklischees mehr serviert bekommen wollen, sondern Charaktere mit Tiefgang und Entwicklung. Aber wie viel Entwicklung ist bei einem Mann mit dreitausend Jahren Lebenserfahrung noch drin? Und wie tief kann man das, was in solch einem Menschen vorgeht, wirklich ausloten? Eigentlich ist es unvorstellbar.

Trotzdem versuchen wir natürlich immer wieder, uns dem anzunähern, und tatsächlich ist es ja auch wichtig, dass wir uns nicht zu sehr auf diesen Aspekt der relativen Unsterblichkeit einlassen. Perry muss fassbar bleiben, begreifbar, nachvollziehbar. Das alleine verbietet schon, dass man seiner Lebenszeit allzu viel Gewicht bei der Schilderung seiner Persönlichkeit beimisst.

Am liebsten gehe ich aber den anderen Weg: Ich schildere ihn gerne von außen, durch die Augen seiner Wegbegleiter, die uns »Normalmenschen« näher stehen. Das macht es leichter, gleichzeitig seine besondere Ausstrahlung rüberzubringen und merken zu lassen, dass er trotzdem im Umgang mit seiner Umwelt ein Mensch geblieben ist.

Michael Marcus Thurner: Deine eigentliche Lieblingsfigur ist meines Wissens Atlan. Was macht ihn denn aus? Warum findest du ihn spannender als andere Protagonisten?

Verena Themsen: Ungefähr aus den gleichen Gründen, weshalb ich lieber nach Wien fahre als nach Frankfurt. Natürlich ist Frankfurt ein lebendiges Zentrum, ein Knotenpunkt, an dem immer viel geschieht. Aber ihm fehlt das postmonarchische Flair, das gepaart mit der sprichwörtlichen wienerischen Morbidität diese Stadt so besonders und liebenswürdig macht.

Frankfurt ist Kopf, Wien ist Herz. Perry hat sich klare moralische Regeln verordnet, agiert meist wohlüberlegt und ethisch hochstehend. Atlan dagegen ist durchaus auch einmal bereit, den Zweck die Mittel heiligen zu lassen, was ihn überraschender macht, weniger berechenbar. Er ist emotionaler, handelt dabei aber immer noch mit messerscharfem Verstand. Und diese Kombination spricht mich an.

Mal ganz davon abgesehen, dass er verdammt gut aussieht ...