»Man sucht sich seine Berufung nicht aus« – Teil zwei Ben Calvin Hary im Interview

16. Februar 2016

Mit seinem Roman »Die Kristallzwillinge«, der als dritter Band unserer Miniserie PERRY RHODAN-Arkon erscheint, hat sich für Ben Calvin Hary ein Traum erfüllt: Sein erster professioneller Roman wurde veröffentlicht.

Aus diesem Grund führte Michael Marcus Thurner, der PERRY RHODAN-Teamautor, ein Interview mit dem neuen Kollegen. Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen: Gestern brachten wir Teil eins, heute ist Teil zwei dran.

Michael Marcus Thurner: Die Anforderungen an ein Profi-Manuskript sind hoch. Bei PERRY RHODAN gibt es einige Verlagsmitarbeiter, die sich um einen Text kümmern, bevor er für den Druck freigegeben wird. Wie fühlte sich dieses »Mehr« an Aufwand denn an?

Arkon-Cover Band 3 von Dirk SchulzBen Calvin Hary: Das war schon eine enorme Umstellung. Zunächst mal ist man es nicht gewöhnt, dass so viele Menschen mit so vielen unterschiedlichen Meinungen deinen unfertigen Text in die Mangel nehmen. Die haben ja alle ein Interesse daran, dass dein Roman gut wird. Sie sind mitunter schonungslos ehrlich, wenn sie finden, dass dem nicht so ist. Wer sich das zu Herzen oder gar persönlich nimmt, hat den Beruf verfehlt. Der wäre vielleicht am Fließband bei ZF glücklicher denn als Autor. Da braucht’s professionellen Abstand zur eigenen Arbeit.

Zum Glück bin ich aus meiner Radiozeit diese Form der Feedbackkultur gewöhnt. Du moderierst keine Radiosendung bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, ohne dass man dich im Anschluss auseinander nimmt. Das nennt sich »Aircheck« und ist so eine Mischung aus Kritik, Inquisition und ritueller Demütigung. Heftroman-Redaktion und -Lektorat sind im Endeffekt nicht wirklich weit davon entfernt. Aber das kann einen als Kreativen nur voranbringen.

Michael Marcus Thurner: Du hast zwei sehr interessante Charaktere in die Handlung eingeführt, die titelgebenden Kristallzwillinge. Konntest du viele eigene Ideen in die Gestaltung der beiden Figuren einarbeiten?

Ben Calvin Hary: Da war ich relativ eng ans Datenblatt gebunden. Zumal ich die späteren Exposés beim Schreiben meines Romans noch nicht kannte und daher nicht wusste, welches »Erbe« ich meinen Mitautoren hinterlassen durfte. Also hielt ich mich ziemlich klar an Marcs Vorgaben. Wobei einer der beiden Brüder in Band Zwei schon kurz auftaucht.

Ich habe mich per Mail mit Susan Schwartz abgesprochen, damit sich unsere Charakterisierungen der Figur nicht zu sehr voneinander unterschieden. Das war übrigens das spannendste Novum für mich – das Stricken meines Textes in Abhängigkeit von der noch im Entstehen begriffenen Arbeit anderer Autoren. Schreiben ist normalerweise ein recht einsames Handwerk, hier aber ist es Teamarbeit. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Michael Marcus Thurner: Perry Rhodan ist wohl eine der schwierigsten Figuren überhaupt – und Gucky ist auch nicht viel leichter zu beschreiben. Wie bist du mit den beiden zurechtgekommen?

Ben Calvin Hary: Beide sind sauschwer zu schreiben. Vor allem aber Perry. Es ist überraschend, wie wenig die Hauptfigur der größten Science-Fiction-Serie der Welt trotz über fünfzigjähriger Geschichte ausdefiniert ist. Ich könnte dir aus dem Stand zehn Charaktereigenschaften für jeden Unsterblichen nennen. Aber Perry?

Die Figur hat sich im Laufe der Serie ja auch völlig verändert. In den ersten zehn Jahren war er, mit heutigen Augen betrachtet, ein launischer Machtmensch mit trockenem Humor und, je nach Autor, mitunter divenhaften Allüren. Diese Aspekte sind in den modernen Romanen nicht mehr vorhanden. Nun haben wir einen Gutmensch im besten und positivsten Sinne, der kompromisslose Tatendrang der frühen Jahre ist gelegentlichem Zaudern gewichen.

Den, wie ich finde, richtigen Zugang zur Figur hat Klaus N. Frick für mich schön auf den Punkt gebracht: Als »Tatmensch mit Herz und Verstand«. Das ist durchaus eine Vorgabe, mit der man arbeiten kann.

Dir als erfahrenem RHODAN-Autor muss ich auch nicht sagen, was für ein Problem Gucky unter Storytelling-Aspekten darstellt. Der Mausbiber ist ein wandelndes Plothole. Wie will man Spannung aufbauen mit so einer Figur an Bord? Was bringt es, den Helden in ein brennendes Raumschiff oder in eine blockierte Luftschleuse zu stecken, wenn Captain Supermaus jede Bedrohungssituation in Nullzeit auflösen kann? Als Autor sucht man permanent nach Ausreden, warum Zauberkraft X ausgerechnet dann nicht funktioniert, wenn der Einsatz wirklich Sinn manchen würde. Das klingt banal, aber man darf das nicht unterschätzen. So etwas raubt einem beim Schreiben echt unnötig Zeit.

Nachdem das gesagt wäre: Ich liebe Gucky über alles. Als Leser. Als Autor kann ich mit unserem Kollegen Robert Corvus mitfühlen, der zu PERRY RHODAN-Stardust-Zeiten die, Zitat, »Weltraumratte«, am liebsten in die ewigen Jagdgründe geschrieben hätte. So wundervoll die Figur auch für den Leser ist, den Autoren hat Clark Darlton seinerzeit einen echten Bärendienst erwiesen.

Michael Marcus Thurner: Du sagst ganz offen, dass die Profi-Schriftstellerei dein Ziel ist. Gibt es bereits Pläne, Angebote, Visionen, was deine Zukunft betrifft?

Ben Calvin Hary: Pläne: ja. Visionen noch sehr viel mehr. Aber natürlich muss ich abwarten, was sich aus meiner Arkon-Mitarbeit an Angeboten konkret ergibt. Der Wunschtraum wäre natürlich, weiter und noch viel mehr PERRY RHODAN schreiben zu dürfen. Diese Entscheidung treffe jedoch nicht ich. Und es gibt außerdem viele Serien, an denen ich mindestens eben so gerne mitschreiben würde. Offen bin ich für buchstäblich alles.

Und dann gibt es eine Reihe eigener Projekte, die ich gern vorantreiben möchte. Einer meiner Langromane liegt zur Zeit beim Lektor und wird, wenn nichts dazwischen kommt, im Herbst oder Winter 2016 unter dem Titel »Koshkin und die Kosmos-Kommunisten« in einem kleinen aber feinen Genreverlag erscheinen.

Ein anderes Projekt hat den Arbeitstitel »Ein Zimmer auf dem Mars«. Ich überlege gerade, das vielleicht als kickstarterfinanziertes Selfpublishing-Projekt zu veröffentlichen. Da käme dann jeden Monat ein Kapitel als E-Book, also ein Fortsetzungsroman in Gestalt einer Kurzgeschichtenreihe. Aber ich bin mir noch nicht sicher. Das wird ein Roman mit einem starken, aktuellen gesellschaftlichen Bezug, für den ich sicher auch einen Verlag finden kann.

 


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