»Man sucht sich seine Berufung nicht aus« – Teil eins Ben Calvin Hary im Interview

15. Februar 2016

Mit seinem Roman »Die Kristallzwillinge«, der als dritter Band unserer Miniserie PERRY RHODAN-Arkon erscheint, hat sich für Ben Calvin Hary ein Traum erfüllt: Sein erster professioneller Roman wurde veröffentlicht.

Aus diesem Grund führte Michael Marcus Thurner, der PERRY RHODAN-Teamautor, ein Interview mit dem neuen Kollegen. Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen: Heute kommt Teil eins, morgen liefern wir Teil zwei nach.

Michael Marcus Thurner: Ben, wie hat denn alles bei dir begonnen mit der Schriftstellerei? Du arbeitest seit geraumer Zeit als Online-Redakteur für die Saarbrücker Zeitung und warst auch davor schon journalistisch tätig. Nebenbei erledigst du redaktionelle Arbeit und Lektorat bei der SOL, dem Magazin der PERRY RHODAN-FanZentrale. Gab es denn einen Moment, den du benennen könntest, wo du dir gedacht hast: Ich möchte Autor werden?

Arkon-Cover Band 3 von Dirk SchulzBen Calvin Hary: Die Frage ist ein bisschen falsch gestellt. Man sucht sich seine Berufung ja nicht aus. Wenn man Glück hat, findet sie einen. In meinem Fall passierte das glücklicherweise sehr früh, so mit acht oder neun. Das war ein wenig wie bei Grisu dem Drachen: Ich wusste von Anfang an, worin ich gut war und was mir Spaß machte. Und, dass ich etwas davon später mal beruflich machen wollte: Schreiben, Musik oder Malerei. Am besten aber alles auf einmal. Auch heute noch stehen diese Leidenschaften für mich gleichwertig nebeneinander.

Also habe ich lange versucht, Allrounder zu sein. Beruflich hat mir das immer genützt, aber künstlerisch hat es mich nicht weit gebracht. Dass man sich als ausgesprochener Eklektiker auf eines seiner Talente konzentrieren muss, um es darin zur Meisterschaft zu bringen, lernte ich dann erst vergleichsweise spät. Aber zur Kunst gehört immer auch ein Handwerk, das der Künstler lernen und beherrschen muss. Ohne die dafür nötige Hingabe, Zeit und Konzentration wird die Kunst immer ein ambitioniertes Hobby bleiben.

Ich entschied mich also für die Schriftstellerei. Der Rest waren Schweiß, Blut und Tränen. Danach hat es etwa sieben Jahre gedauert, bis erstmals einer meiner Texte veröffentlicht wurde. Das war 2014.

Michael Marcus Thurner: Ein markanter Punkt in deiner Entwicklung war mit Sicherheit »Mein Freund Perry«. Das ist ein Roman, den du für die PERRY RHODAN-Fan-Edition verfasst hast. Dein Held ist ein kleiner, sterbenskranker Junge, der PERRY RHODAN liest. Du vermengst dabei sehr geschickt Realität und Fiktion. Das ist etwas, was ich so bei PERRY noch nicht gelesen habe. Wie ist die Geschichte denn bei den Lesern angekommen?

Ben Calvin Hary: Soweit ich das mitbekommen habe waren die Meinungen überwiegend positiv. Schlechte Kritiken habe ich zumindest keine gelesen. Wobei ich glaube, dass Klaus N. Fricks ausdrückliche Empfehlung des Romans viel zu seiner Rezeption beigetragen hat. Das empfand ich fast schon als Ritterschlag. Wie Rüdiger Schäfer mir im Nachklatsch versicherte: »Lob von Klaus ist selten«, und ich könne mir etwas drauf einbilden.

Viele gaben übrigens nach den ersten Rezensionen offen zu, sie wollten den Roman lieber nicht lesen, denn sie hätten geradezu Angst davor, was der Text mit ihnen anstellt. Das hat mich zuerst überrascht. Aber ich muss zugeben: Der Schluss treibt selbst mir beim Lesen die Tränen in die Augen. Allerdings bin ich auch nah am Wasser gebaut.

Michael Marcus Thurner: Du hast in Folge einige Geschichten zur »Dorgon«-Serie beigetragen (eine Fan-Serie, die im Perryversum angesiedelt ist); auf den Weg zum ersten Profi-Manuskript hat dir dann aber Marc A. Herren geholfen, wenn ich mich nicht irre. Wie ist das zustande gekommen?

Ben Calvin Hary: Erfolg hat immer viele Väter, auch der Erfolg eines Einzelnen. Marc war in meinem Fall ganz bestimmt einer davon, aber auch Christian Montillon, der mich in Garching im September 2015 gemeinsam mit Sabine Kropp quasi rekrutiert hat. Beide, Marc und Christian, haben mich dann so ein bisschen adoptiert, zumindest empfand ich es so. Was ein schönes Gefühl war. Ohne dieses Familiäre wäre der Text sicherlich ein anderer geworden. Bei Christian kam hinzu, dass wir nur etwa zwanzig Minuten voneinander entfernt wohnen, so dass wir uns auch zwischendrin einfach mal treffen und quatschen konnten - das war super hilfreich.

Die meiste Arbeit aber hat vermutlich Klaus Frick in mich investiert. Die professionelle Hingabe und Konstruktivität, mit der er meinen Text immer wieder gegengelesen und verbessert hat und mir ständig neue Punkte gezeigt hat, bei denen ich mich weiterentwickeln konnte, war etwas, das ich bislang so nicht kannte.

Michael Marcus Thurner: Lass uns nun über PERRY RHODAN-Arkon Nummer 3 sprechen, über »Die Kristallzwillinge«. Beim Durchlesen ist mir aufgefallen, dass du viel Wert auf Atmosphäre legst – und auf Beschreibungen technischer Abläufe. So, dass du dem Leser das Gefühl vermittelst, er sitze tatsächlich in einer durchtechnisierten Sphäre, die ein Raumschiff nun mal ist. Ist dir das leicht gefallen, ist das dein persönlicher Zugang gewesen bei der Umsetzung des Expos?

Ben Calvin Hary: Teils, teils. Marc A. Herren hat mir sehr viel Freiheiten in meinem ersten Exposé gelassen, was Segen und Fluch zugleich war. Einerseits konnte ich mich auf meiner Neben-Handlungsebene austoben. Ich durfte für einen meiner Protagonisten ein neues, technisches Spielzeug erfinden, das es so im Perryversum zuvor nicht gegeben hatte. Das floss mir alles sehr schnell und flüssig aus den Fingern.

Bei der eigentlichen PERRY-Technik war’s dann das krasse Gegenteil. Ich musste sehr schnell feststellen, dass die technischen Abläufe bei PERRY RHODAN mit Abstand das Schwierigste waren, was ich je schreiben durfte. Ich bin ein sehr visueller Mensch und ich schreibe oft so, wie meine Sehgewohnheiten das von mir verlangen. Häufig verführt einen das dazu, Raumschlachten zu beschreiben, wie man sie vom Fernsehbildschirm her kennt. Aber das ist dann kein PERRY.

Dazu kommt, dass der Technik-Kanon in sich stellenweise inkonsistenter ist, als man es als Fan wahrhaben möchte. Raumschlachten widerspruchsfrei zu schildern ist auch von daher eine extrem schwierige Angelegenheit. Das kostet Zeit. Von vier Stunden verbringt man mitunter drei in der Perrypedia und sucht etwa nach dem Hyperfrequenzbereich von HÜ-Schirmen oder dem Schmelzpunkt von Panzertroplon.

Aber mein Zugang zur Handlung war die Technik nicht. Ich glaube nicht, dass Storytelling so funktioniert. Ich versuche lieber, Geschichten zu erzählen, in denen ich meine Figuren menschlich nahbar und ihre Konflikte nachvollziehbar gestalte.
 


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