»Lass es krachen, Rüdiger« – Teil zwei Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

24. Oktober 2014

(Anmerkung der Redaktion: In seinem aktuellen Werkstattbericht plaudert der Autor Rüdiger Schäfer über seine Arbeit an dem PERRY RHODAN-Stardust-Roman 10. Aufgrund der Länge des Textes veröffentlichen wir ihn in zwei Teilen. Der erste Teil kam gestern.)

Für mich war von Beginn an wichtig, das Abgründige der Situation einzufangen. Niemand von uns kann wirklich nachvollziehen, was es heißt, um den eigenen, kurz bevorstehenden Tod zu wissen, praktisch ein Todesurteil auf Zeit zu erhalten. So etwas kann einen Menschen – und seine Angehörigen – zerbrechen. Natürlich durfte aus dem Roman aber keine durchgängige Trauerfeier werden, die die Leser in Depressionen stürzt. Insofern wollte ich die emotionalen Momente fast ausschließlich auf Assant Delgo beschränken, während Perry und Eritrea für die Action sorgen sollten.

Währenddessen hatte mir Dennis Mathiak seinen Band 9 geschickt, dessen Lektüre ich sofort in Angriff nahm. Mir fiel auf, dass er die Situation auf den Seuchenschiffen einen Hauch dramatischer geschildert hatte als ich. Damit wir hier eine dramaturgische Steigerung hinbekamen, musste ich also ein bisschen draufsatteln.

Zudem war es immens wichtig, wie er die diversen Figuren angelegt hatte, die wir gemeinsam benutzten. Patrick Dirmio, der Ara Tippatz, Carola Exashan, das Medizin-Genie Varrim-Ga und eine Handvoll weiterer Handlungsträger – sie alle sollten ja nach Möglichkeit durchgehend einheitlich und für den Leser wiedererkennbar agieren. Wenn sich die Recherche allerdings so unterhaltsam wie ein Roman von Dennis Mathiak gestaltet, opfere ich die Zeit gerne.

Ein paar Bedenken hatte ich bezüglich der Virus-/Assimilator-Problematik. PERRY RHODAN-Leser sind alles andere als dumm, aber der medizinische Teil des Exposés las sich doch ziemlich kompliziert – und das, obwohl ich entsprechend vorgebildet bin. Während der großen Einsatzbesprechung unternahm ich deshalb noch einmal den Versuch, das Thema mit einer Analogie anzugehen und hoffte, dass die Sache mit dem Virenhotel nicht zu albern rüberkam.

Es blieb nur noch das Problem Posimon. Die Figur – die von Dennis abseits der Exposés ersonnen worden war und irgendwie überlebt hatte – mag zwar bei vielen Lesern gut ankommen, für das eher tragisch gefärbte Grundthema meines Romans fand ich die plappernde Technik-Schlange aber eher unpassend. In meinen Bänden 6 und 7 hatte ich den Kleinen hauptsächlich für den ein oder anderen humorigen Einschub genutzt, war mit ihm aber nie wirklich warm geworden.

Also bediente ich mich eines kleinen Tricks und erwähnte gleich zu Beginn von Band 10, dass er plötzlich großen Geschmack an einsamen Streifzügen durch die FUNKENREGEN gefunden hätte. Auf diese Weise war ich ihn los und konnte Perry allein in seinen Kampfeinsatz schicken.

In der letzten Szene des Bandes tauchte Posimon dann wieder auf. Was er während seiner Spazierflüge durch den Schweren Kreuzer gesucht (und womöglich auch gefunden) hat? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Darum mag sich Dennis kümmern. Der ist ja eh an allem schuld!

Noch während der abschließenden Arbeiten an Stardust 10 schickte mir Frank Borsch das Vorab-Exposé zu meinem nächsten NEO. Dieser würde mein letztes Schreibprojekt im Jahr 2014 werden, das mit drei Heftromanen und zwei Taschenheften bislang mein produktivstes war. Ich hatte gut sechs Monate am Stück an den Romanen gearbeitet und freute mich ganz gewaltig auf zwei schreibfreie Monate inklusive vier Wochen Urlaub im Dezember.

Am 25. September trafen die beiden letzten Stardust-Exposés (Bände 11 und 12) ein, die ich selbstverständlich sofort (und ganz ohne Termindruck) las. Ich muss ehrlich zugeben, dass die Arbeit an dieser Miniserie ziemlich anstrengend war, aber auch sehr viel Spaß gemacht hat. Wir hatten ein tolles Team mit vielen kreativen Köpfen und einen erfahrenen Expokraten an unserer Seite, der immer zur Verfügung stand, wenn man einen Rat brauchte.

Die Leserreaktionen im Forum und wie ich sie unter anderem beim Duisburger Stammtisch, den ich am 12. September im Rahmen eines Stardust-Abends besuchen durfte, erfuhr (siehe dazu auch einen Bericht im PERRY RHODAN-Report 482, der im PR-Roman 2776 erscheinen wird), geben den Verantwortlichen und ihrem Konzept recht. Miniserien wie die vorliegende sind eine hervorragende Möglichkeit, beliebte Handlungsschauplätze erneut zu besuchen und zu kurz gekommene Handlungsentwicklungen noch einmal aufzugreifen, weiterzuführen und eventuell abzuschließen. Ich bin schon sehr gespannt, ob dieses Experiment in den kommenden Jahren fortgeführt wird.