»Lass es krachen, Rüdiger« – Teil eins Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

23. Oktober 2014

(Anmerkung der Redaktion: In seinem aktuellen Werkstattbericht plaudert der Autor Rüdiger Schäfer über seine Arbeit an dem PERRY RHODAN-Stardust-Roman 10. Aufgrund der Länge des Textes veröffentlichen wir ihn in zwei Teilen. Der erste Teil kommt heute, der zweite Teil folgt morgen.)

Nach einem wunderbaren und feucht-fröhlichen Wochenende auf dem ACD-Jahrescon 2014 fand ich am Abend des 3. August 2014 die Vorgaben für Band 10 der PERRY RHODAN Stardust-Miniserie in meinem elektronischen Briefkasten – und war im ersten Moment erschrocken.

Um was geht's darin? Perry Rhodan, Eritrea Kush, Kerat Tinga und der seltsame Posimon sind gerade aus der Vergangenheit zurückgekehrt, und der Kampf gegen Las Quar, den Generex, strebt seinem Höhepunkt entgegen. Anthur, der undurchschaubare Diener des fiesen Diktators, hat einen tödlichen Virus freigesetzt, und nicht nur Eritrea Kush, sondern sogar Perry Rhodan haben sich angesteckt.

Das alles war es aber nicht, was mich beunruhigte. Ich sorgte mich um die in dem Roman zu schildernden Raumschlachten, die Uwe unter anderem mit der Fußnote »Lass es krachen, Rüdiger!« garniert hatte.

Wer mich etwas näher kennt, weiß, dass ich nie ein großer Fan der Scheerschen Militärromantik war, auch wenn der Altmeister ganz ohne Frage einige der besten PR-Romane geschrieben hat, die ich je gelesen habe. Insofern ließ mich der Gedanke an Flotten aus Amöbenschiffen und Schweren Kreuzern, die sich seitenlang gegenseitig zu Klump schießen, mit einigem Unbehagen zurück.

Zu meiner Erleichterung stieß ich beim Weiterlesen auf einen gewissen Assant Delgo, eigentlich nur eine Nebenfigur, die jedoch im weiteren Verlauf zu meinem Protagonisten werden sollte. Was nämlich schon der grausame russische Diktator Josef Stalin (1878-1953) wusste: »Der Tod von Millionen ist nur eine Statistik, der Tod eines Einzelnen dagegen eine Tragödie.«

Persönlich glaube ich, dass man mit Kommandoeinsätzen und Raumschlachten allein heute keine mitreißende SF mehr bestreiten kann. Konflikte spielen sich inzwischen auf anderen Ebenen ab, sind vielschichtiger und psychologisch anspruchsvoller geworden. Wer moderne Unterhaltungsliteratur mit ihren Vorgängern von vor dreißig oder vierzig Jahren vergleicht, wird feststellen, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse nur noch als grobe Richtschnur existieren.

Kein »Held« kommt heute ohne ein paar dunkle Geheimnisse aus – denken wir nur an den Prototypen des sympathischen Serienkillers Dexter Morgan aus der teuflisch-genialen US-Fernsehserie »Dexter« (für mich eine der besten TV-Produktionen aller Zeiten).

Ebenso wenig kann man den Leser mit einem Schurken zufriedenstellen, der einfach nur böse ist, weil er gerade nichts Besseres zu tun hat. Ein garstiges Kindheitstrauma als Erklärung für die verquere Weltsicht und die daraus resultierenden Taten, ist da schon das Mindeste.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Fans der klassischen Space Opera, die ab und an mal eine zünftige Ballerei im Weltall brauchen, sind mir keineswegs suspekt. In Band 10 von PERRY RHODAN Stardust geht es auch durchaus heftig zur Sache. Allerdings fielen mir die entsprechenden Passagen des Romans beim Schreiben merklich schwerer als der Rest des Textes, auch wenn man das dem Gesamtwerk – den Testlesern und PR-Chefredakteuren dieses Universums zufolge – nicht anmerkt.

Assant Delgo hatte ich dagegen von Beginn an in mein Herz geschlossen, und er beanspruchte am Ende weitaus mehr Platz, als im Exposé vorgesehen. Das dokumentiert auch mein Titelvorschlag »Allianz der Verlorenen«, der angenommen wurde und die bis dahin erwogenen Alternativen »Kampf um die Rüstungswelt« und »Angriff auf die Rüstungswelt« ersetzte. Mit Assant hatte ich eine frei gestaltbare Figur zur Verfügung (sie würde ja am Ende sterben, also konnte ich munter drauflos fabulieren), die ich zum emotionalen Zentrum meiner Geschichte machen konnte.

Dem entgegen standen die klassische Heldenfigur Perry Rhodan, die sich während eines Kommandoeinsatzes beweisen durfte, und die tragische Kämpferin Eritrea Kush, die – den eigenen Tod vor Augen – gegen einen übermächtigen Feind antreten musste. Mit diesen drei Handlungselementen im Gepäck erschien mir das Schlachtengetümmel im Jarsystem schon nicht mehr ganz so schrecklich wie zunächst befürchtet.

(Soweit Teil eins des Werkstattberichtes; Teil zwei folgt morgen.)